Ein Krimi mit Liebe
E-Book, Deutsch, 232 Seiten
ISBN: 978-3-7526-9950-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Martina Schäfer wohnt in Hessen, ist am 17.2.1961 geboren, verheiratet und hat zwei Kinder. Sie lebt seit 1998 mit ihrem Mann auf ihrem Bauernhof.
Autoren/Hrsg.
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Zur selben Zeit
Martin steigt in sein Auto auf dem Weg zum Büro. Meine Güte, hat sich Martha verändert. Sie ist noch hübscher geworden. Das war ein schönes Frühstück, wenn man mal den Grund, weswegen er da war, außer Acht lässt. Dass sie wieder Single ist? Hätte Martin nicht gedacht. Georg passte so gut zu ihr. Beruflich hatte Martha immer Verständnis. Warum das wohl auseinandergegangen ist? Na ja, danach zu fragen, das wäre unpassend gewesen. Martin hatte das Gefühl, darüber wollte sie nicht reden. Sie war ziemlich schroff, als die Sprache darauf kam. Vor dem Kommissariat angekommen, betrittK er in sein Büro, wo er schon erwartet wird von seinem Kollegen Hans. »Ach schon da, schön dass Du endlich kommst, wir haben dich erwartet, das hat aber lange gedauert. Noch gemütlich einen Kaffee getrunken mit unserer Lieben Frau Degenhardt?« Begrüßt ihn schmunzelnd Hans. Dass er bei Martha zu Hause war, hatte er niemanden erzählt. Hans weiß, dass er sich mit Martha in ihrem Büro treffen wollte. Und von dem opulenten Frühstück wird er schon mal gar nichts sagen. Martin grinst bei der Erinnerung. »Ja, es hat ein wenig länger gedauert wie ich dachte. Gibt es was Neues?« »Ja, wir haben den Exfreund von der Dominica Schröder ausfindig machen können. Er wohnt hier in Frankfurt, Radio- und Fernsehtechniker. Und wir waren in ihrer Wohnung. Wir wollten uns noch mal umschauen, ob wir etwas übersehen haben. Und siehe da«, Hans macht es ein wenig interessant. Martin schaut ihn an, hebt die Hand: »Und? Sag schon, mach es nicht so spannend.« »Du wirst es nicht glauben, wir haben doch tatsächlich ihr Handy gefunden. Es lag mitten in der Küche auf dem Tisch. Aber wie kommt es dahin? Die Tür wurde nicht gewaltsam geöffnet. Und noch etwas haben wir gefunden, einen Stick. Der war allerdings wirklich versteckt. Wir haben ja alles durchsucht, jeden Winkel, jede Ecke. Er lag zwischen Spüle und Schrank, dort ist ein Regal, und da war er. Nicht im Regal, sondern auf dem Fußboden. Merkwürdig, oder? Aber ich gehe davon aus, wir haben das übersehen.« »So offensichtlich? Wie soll man das übersehen? So was darf nicht passieren. Was ist da drauf, habt ihr ihn schon sichten können?« »Auf dem Stick ist nur eine Immobilie, scheint ein großes Fabrikgebäude zu sein. Ich habe es weitergegeben, damit sich das die Leute von der Baubehörde anschauen können. Ich werde da nicht schlau draus.« »Gut, hoffen wir, dass wir weiterkommen. Das ist ja mal ein Ansatz. Was ist mit dem Handy, da schon was?« »Nein, das ist zurzeit bei der Kriminaltechnische Untersuchung. Kann dauern, die meinten, die hätten Personalausfälle und zu viele Handys auszuwerten. Druck machen hat da keinen Sinn, habe ich schon versucht.« Hans greift nach einem Riegel Schokolade, bietet Martin einen an. Der schüttelt aber den Kopf. »Nein danke, dann fahren wir beide Mal zu dem Ex von der Schröder; mal sehen, was wir da erfahren.« MARTHA Martha hat ein paar Sachen für Mila aus einen Spielzeugladen besorgt und richtig viel Spaß dabei gehabt. Jetzt ist sie auf dem Weg zu ihr. Mila wohnt in Linden, gar nicht weit von Marthas Zuhause. Auf dem Hof angekommen, der sauber und einen gepflegten Eindruck macht, sieht sie ein paar Kinder die mit einem Ball spielen. Mila kann sie nicht entdecken. Martha steigt aus und läuft zum Wohnhaus. Sie klingelt. Eine Frau mittleren Alters öffnet ihr die Tür. »Guten Tag, mein Name ist Martha Degenhardt«, stellt sie sich vor. »Ah, ja hallo, kommen Sie rein«, lächelt die Frau sehr nett, geht vor die Tür und ruft den Kindern etwas schroff zu, sie mögen auf die Blumenbeete aufpassen. Lächelnd schließt sie die Tür und wendet sich wieder Martha zu. »Tut mir leid, aber ich wette, heute Abend werden wieder ein paar Blumen abgebrochen sein.« Claudia geht vor in die Küche und bietet Martha einen Platz an. »Ich habe mich gar nicht vorgestellt, Claudia Zimmerig ist mein Name. Sie sind wegen Mila hier?« »Ja, Frau Zimmerig. Wie geht es Mila? Ich würde mich gerne zuerst mit Ihnen unterhalten, bevor ich zu Mila gehe. Ist Ihr Mann vielleicht auch da?« »Er müsste gleich kommen. Er weiß, dass Sie heute da sind. Tja, Frau Degenhardt.« Frau Zimmerig steht auf und geht zum Fenster. »Schauen Sie«, nickt sie traurig mit dem Kopf nach draußen. »So ist es jeden Tag. Mila sitzt draußen, aber sie spielt nicht. Die Frau, die Sie bei ihr sehen, ist vom Jugendamt, eine Betreuerin. Sie kommt jeden Tag nachmittags und versucht sich Mila zu nähern. Aber Mila macht nichts mit. Ich komme immer am Abend mit ihr gut zurecht. Nach unserem Zubettgehritual gibt sie mir ein Buch, aus dem ich dann vorlese. Das ist die einzige Geste, wo Mila zeigt, was sie möchte. Sie tut mir unendlich leid.« Die Tür geht auf und ein großer Mann mit breiten Schultern und einem kleinen Bauchansatz und lichtem Haar betritt die große Küche. »Das ist mein Mann, Stefan. Das ist Frau, jetzt habe ich ihren Namen vergessen.« Lächelnd reicht Martha ihm die Hand. »Hallo, Martha Degenhardt«, stellt sie sich vor. »Tach auch, Sie kommen wegen unserer Mila?« »Ja, ich habe schon mit Ihrer Frau gesprochen. Die Kleine hat sich Ihnen gegenüber noch nicht geöffnet? Wie lange ist Mila jetzt bei Ihnen?« Herr Zimmerig schaut seine Frau an. »Eine knappe Woche, zuerst war sie bei dem Kindermädchen, bis man sie uns gebracht hat.« Frau Zimmerig ist am Herd beschäftigt und deckt, während sie sich unterhalten, den Tisch. »Es tut mir leid, aber es gibt gleich Mittag. Sie essen doch etwas mit uns? Es gibt Milchreis. Bei diesem Wetter, weiß ich nicht was man kochen soll, dieser Sommer ist sehr heiß.« »Ja, gerne.« Martha schaut zu, wie Frau Zimmerig mit geübten Griffen den Tisch deckt und sucht wieder das Gespräch. »Wie ist der Tagesablauf von Mila?« »Na ja, einen richtigen Rhythmus, den haben wir noch nicht gefunden. Ehrlich gesagt, ist das schwierig, da sie nicht redet. Mein Mann nimmt Mila immer mit zu den Ziegen, wir haben ein paar, nur so zum Spaß, für die Kinder. Das ist der einzige Rhythmus, den es gibt. Ich bringe Mila immer zur selben Zeit ins Bett, sie steht aber zu unterschiedlichen Zeiten auf. Es ist schwierig, sie aus dem Bett oder aus ihrem Zimmer zu bekommen. Wenn man zu ihr sagt, Mila setz dich an den Tisch oder mach dies oder das, dann klappt es.« »Steht Mila von alleine auf, oder wie machen Sie das.« »Nein, ich bin immer im Zimmer und muss ihr gut zureden und das Waschen ist dann schwierig. Sie lässt sich nicht gerne anfassen. Was ich verstehen kann. Sie kennt uns ja alle gar nicht. Aber sie ist ja auch noch sehr jung. Sie werden Mila ja gleich erleben.« »Ist Frau Hell jeden Tag da?« »Doris kommt fast jeden Tag, am Wochenende kommt eine andere Dame. Heute ist Doris früher da, weil sie sich angemeldet haben.« Frau Zimmerig stellt zwei große Schüsseln Milchreis, Apfelmus, Zucker und Zimt auf den Tisch. Zu ihrem Mann gewandt fragt sie, ob er die Kinder rufen geht und seiner Mutter Bescheid sagt. »Wir können ja zusammen rausgehen und Mila holen?« »Ja gerne.« Martha steht auf und folgt Stefan Zimmerig hinters Haus in den Garten. Der Garten ist sehr schön und groß. Überall ist etwas zu spielen. Sandkiste, Schaukel, Rutsche – sogar eine Stange zum Turnen. Mila sitzt im Gras mit einer Puppe. Martha geht zu Mila, setzt sich lächelnd dazu. »Hey, hallo Mila. Kennst du mich noch?« Martha wartet auf eine Reaktion von Mila. Mila schaut kurz auf. Blickt Martha direkt in die Augen, hält den Blick und schaut wieder ins Gras. Es zerreißt Martha das Herz, so eine Traurigkeit in den Augen eines Kindes zu sehen ist schrecklich. Am liebsten würde sie Mila in den Arm nehmen. »Ich glaube, du weißt, wer ich bin«, lächelt Martha sie an »Ich bin wegen dir hier. Ich wollte mal schauen, wie es dir hier geht. Ein toller Bauernhof. Ich bin von Frau Zimmerig zum Essen eingeladen. Es gibt heute was Leckeres. Wollen wir reingehen?« Martha sieht Mila fragend an. Aber es kommt keine Reaktion. Herr Zimmerig kommt auf die beiden zu, hockt sich neben Mila. »Mila, komm bitte rein, wir wollen essen.« Wie Herr Zimmerig Milas Hand nehmen möchte, steht Mila auf und geht ins Haus. »So ist es immer. Meistens macht sie, was man ihr sagt, erst wenn man vorhat, sie zu berühren, dann weicht Mila aus. Das ist übrigens Frau Doris Hell, Frau Hell das ist Frau Degenhardt«, stellt er die beiden Frauen einander vor. »Hallo«, grüßt Doris kühl »wird aber Zeit, dass mal jemand kommt. Ich habe mir schon die Hände wund telefoniert nach einer Psychologin. Ich bin immer wieder vertröstet worden. Und jetzt erst schickt man Sie? Ich habe mich erkundigt, Sie haben noch nie mit...