Sacher | Kaya Komplizert | Buch | 978-3-906183-31-2 | sack.de

Buch, Deutsch, 96 Seiten, Format (B × H): 149 mm x 212 mm, Gewicht: 272 g

Reihe: kw

Sacher

Kaya Komplizert

Buch, Deutsch, 96 Seiten, Format (B × H): 149 mm x 212 mm, Gewicht: 272 g

Reihe: kw

ISBN: 978-3-906183-31-2
Verlag: Kwasi Verlag


Die achtjährige Kaya ist kompliziert – sagt ihre Mutter.
Kaya selbst hat kein Problem damit, dass ihre Zehen nur mit den gestreiften Socken einverstanden sind, dass ihr Hals gegen dicke Pullis protestiert und dass sie nur aus dem gepunkteten Becher trinken kann. Sie verliert sich genussvoll im Spiel mit Wassergeisterchen und mit Winkelzwergen. Doch als sie auf dem Schulweg über einen Zaun klettert, um nicht schon wieder zu spät zur Schule zu kommen, reißen ihre Hose und Mamas Gedulds­faden.
Ohne Versöhnung ins Bett geschickt, berät sie sich mit dem Monster unter dem Bett: Es befürchtet, dass ihre Mama sie gar nicht mehr haben will. In der Not schickt es Kaya an einen Ort, an dem sie lernen kann, wie sie unkompliziert wird.
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Zielgruppe


Zum Vor- und Selberlesen, Kinder ab 6, Erstlesealter

Weitere Infos & Material


Ein ganz normaler Morgen

»Aufwachen!« Mama streicht Kaya sanft über die Wange.
Das fühlt sich gut an. Kaya seufzt wohlig und kuschelt sich noch ein wenig fester in die Decke.
Aber Mama kuschelt sich nicht zu ihr, sondern zieht die Vorhänge zurück und öffnet das Fenster. »Zeit zum Auf­stehen.« Sie gibt Kaya einen Kuss.
Versuchsweise streckt Kaya einen Fuß unter der Decke hervor. Ein kalter Luftzug streicht darüber. Sie zieht den Fuß ein, doch da schlägt Mama die Bettdecke zurück.
Kaya protestiert. »Mama, nicht! Ich bin noch viiiel zu müde.«
»Die Schule wartet aber nicht, bis du ausgeschlafen hast«, meint Mama und geht aus dem Zimmer.
Rasch zieht Kaya die Decke wieder hoch bis zum Kinn. Die Luft im Zimmer ist voller Eisgeisterchen, die besonders gerne in Zehen und Nasenspitzen pieksen. Schnell versteckt sie auch den Kopf unter der Decke. Die Eisgeisterchen führen draußen einen wilden Tanz auf und versuchen, zwischen Kissen und Matratze hereinzukriechen. Nichts da! Kaya ist schneller und verschließt auch noch die kleinste Ritze mit den Händen. In ihrer Höhle ist es wunderbar warm. Nur wenig Licht dringt durch die Bettdecke. Die Eisgeisterchen springen draußen auf und ab und suchen ein Schlupfloch. Kaya kichert. Es gibt keins.
Jetzt beraten sie sich und wispern aufgeregt. Kaya muss die Ohren spitzen, damit sie ihren Plan mitkriegt. Da fliegt die Decke weg und die Eisgeisterchen stürzen sich auf Kayas Nasenspitze. Zwischen ihren Triumphschreien hört sie eine genervte Stimme.
»Kaya! Aufstehen jetzt!«
Wenn sie jetzt nicht gehorcht, wird Mama die Decke mitnehmen.
Seufzend krabbelt Kaya aus dem Bett und geht zum Kleider­schrank. Als Erstes zieht sie die Schublade mit den Socken auf. Die gestreiften sind ihre Lieblingssocken. Die rosafarbenen kneifen an den Fersen. Die blauen sind zu dunkel, da werden ihre Füße traurig. Die roten sind zu heiß und die weißen machen Flusen zwischen den Zehen. Allein die Vorstellung daran macht sie ganz wuschig. Kaya wühlt in der Schublade, findet zwei Paar weiße, drei Paar rote und – igitt! – ein Paar gelbe Socken. Aber keine gestreiften!
Ihre Füße krümmen sich vor Schreck zusammen.
Der große Zeh tuschelt beunruhigt mit seinem Nachbarn: Wird sich Kaya für die weißen Socken entscheiden? – Dann müssen wir den ganzen Tag mit den Flusen streiten!
»Nein, nein«, beruhigt Kaya ihre Zehen. »Auf keinen Fall die Weißen.« Sie ist sicher, dass da noch irgendwo ein paar gestreifte Socken sind. Die Schublade ist nur einfach zu voll, da findet ja niemand was. Sie nimmt alle einfarbigen Socken und wirft sie auf den Boden. So ist es schon besser. Tatsächlich: ganz hinten in der Ecke! Triumphierend holt sie ein Paar violett-gelb-weiße Socken ans Licht. Der miss­trauische große Zeh entspannt sich. Kaya zieht die Socken an und ihre Füße strecken sich wohlig.
Jetzt sind Unterhosen und Leggins an der Reihe. Das ist leicht. Seit Kaya heimlich alle Hosen und Jeans in den Beutel mit den Altkleidern gesteckt hat, hat Mama ihr keine neuen mehr gekauft. Jetzt gibt es in ihrem Schrank nur noch Leggins, da geht das Anziehen viel schneller. Bereits greift sie zum Stapel mit den Pullis. Der oberste ist blau mit einer großen roten Blume vorne drauf. Die Blume gefällt Kaya. Sie sieht nach Sommer aus, auch wenn draußen Schnee liegt. Aber kaum hat sie den Blumenpulli über­gestreift, protestiert ihr Hals.
Viel zu eng, schreit er. Ich ersticke!
Wie der Blitz schlüpft Kaya aus dem Blumenpulli. Das war knapp! Zum Glück kann sie sich so schnell ausziehen. Sie knüllt den Pulli zur Strafe zusammen und pfeffert ihn in

die Ecke. Jetzt muss sie vorsichtig sein. Den grünen Pulli legt sie lieber gleich zur Seite. Der hat eine kratzige Borte. Den mit dem Hund drauf mag sie ebenfalls. Vorsichtig probiert sie ihn an.
Aua!, schreit der Hals entsetzt. Geht’s noch? Die Borte ist viel zu steif!
Auch dieser Pulli landet in der Ecke.
Was jetzt? Auf dem Stapel ist noch das graue Strickkleid – wenn sie es nur schon ansieht, protestiert der Hals – und ein Pulli aus dünnem Stoff. Der geht bestimmt. Sie zieht ihn an, und wirklich: Ihr Hals ist einverstanden.
Kaya schlurft zufrieden ins Bad. Nachdem sie Pipi gemacht und lange gewartet hat, ob noch mehr kommt, wäscht sie sich die Hände. Sie mag es, wenn die Seife tüchtig schäumt. Darum nimmt sie dreimal davon. Bald ist das Wasch­becken voll mit kleinen Schaumwolken, die über den Himmel ziehen. Aber Achtung: Jetzt braut sich ein Sturm zusammen. Kaya rührt mit den Händen im knisternden Schaum. Ihre Finger hinterlassen spiralförmige Spuren. Das ist ein Wolken-Wirbelsturm. Gleich wird es in Strömen regnen. Kaya dreht den Wasserhahn auf, lässt das Wasser über ihre Finger laufen. Fröhlich plappernde Wasserwichtel hüpfen zusammen mit dem Sturmregen über ihre Hände. Die Tropfen schlagen tiefe Löcher in den Schaum. Jetzt zieht ein Gewitter auf. Kaya klatscht in die Hände. Das Wasser spritzt in alle Richtungen, es patscht bedrohlich.
Ja, so ein Unwetter ist ganz schön gefährlich. Vor allem für diese kleine Wolke, die da gerade …
»Kaya!«
Kaya fährt erschrocken zusammen.
Mama steht in der Tür.
»Kaya! Was denkst du, was du da machst?«
Was für eine blöde Frage. Sie ist dabei, sich die Hände zu waschen. Kann Mama das nicht sehen?
Mama sieht vor allem das Wasser auf dem Boden. Kaya findet Wasser auf dem Boden nicht schlimm. Es sind auch nur ein paar Tropfen. Sie nimmt das Handtuch und wischt damit über die Bodenfliesen. Ein wenig Staub und Haare bleiben auch am Handtuch kleben, die Fliesen sind jetzt also viel sauberer als zuvor. Mama kann mit ihr zufrieden sein.
Sie tänzelt vom Badezimmer in die Küche. Dabei muss sie aufpassen, dass sie nicht auf die Fugen zwischen den Boden­platten tritt. Da wohnen nämlich Winkelzwerge. Sie sind so flink, dass niemand sie sehen kann. Aber wehe, wenn ein Fuß auf ihnen landet. Dann beißen sie sich mit ihren Zähnchen fest. Kurz vor der Küche passiert es. Nach einer schnellen Pirou­ette landet das vorderste Spitzchen

des großen Zehs auf einer der schwarzen Linien. Schnell zieht Kaya den Fuß weg und hüpft zurück bis zum Badezimmer. Sie muss es erneut ver­suchen. Diesmal passt sie höllisch auf, und es klappt. Ein fehlerfreier Tanz bis in die Küche und das gleich beim zweiten Mal!
Mama schlägt ihre Zeitung zu. Sie sagt nichts zu Kayas Tanz. »Schau mal auf die Uhr, Kaya.«
Kaya schaut widerwillig hoch. Der Minutenzeiger steht bei der Sieben. Das ist drei dicke Striche weiter, als er sein sollte. Blöder Zeiger. Das ist doch nicht ihre Schuld, dass der heute beschlossen hat, schneller zu drehen.
Kaya setzt sich an den Frühstückstisch. Mama reicht ihr eine Scheibe Brot und schiebt ihr die Butter hin.
»Trink etwas«, mahnt sie, als Kaya den letzten Bissen runter­schluckt.
Kaya nickt. Sie ist sowieso durstig. Aber dann stutzt sie. »Das ist die falsche Tasse, Mama!«
»Die mit den Punkten ist noch im Geschirrspüler«, meint Mama. »Beeil dich.«
Wie soll sie sich beeilen, wenn da die falsche Tasse steht?
Aber Mama ist heute stur und wird sogar ein bisschen laut. »Du kannst ja wohl einmal aus einer anderen Tasse trinken.«
Aber da täuscht sie sich. Lieber holt sich Kaya die gepunktete Tasse aus dem Geschirrspüler und wäscht sie aus. Spülen macht Spaß, aber Mama spricht schon wieder vom
Minutenzeiger. Blödes Ding. Kaya trocknet die Tasse ab. Innen und außen.
»Du musst sie innen nicht trockenreiben«, meint Mama, »sie wird doch ohnehin gleich wieder nass.«
Da täuscht sie sich schon wieder. Eine saubere Tasse ist innen trocken. Wenn sie innen nass ist, dann ist sie nicht sauber. Das ist doch logisch. Manchmal wundert sich Kaya, dass Mama die einfachsten Dinge nicht versteht.
Mama findet den Minutenzeiger wichtiger.
Dieser doofe Zeiger!
»Beeil dich jetzt endlich, Kaya!«
Na, wegen dem Minutenzeiger bestimmt nicht! Der ist ihr nämlich schnurzpiepegal.
Viel wichtiger ist, dass die Schuhe richtig gebunden sind. Nicht zu fest und nicht locker, aber am wichtigsten ist der Knoten. Die Schleifen müssen genau gleich groß sein, sonst lacht der Schuhkobold sie aus und macht sich einen Spaß daraus, ihre Schleifen wieder aufzuziehen.
Kaya muss aufpassen, dass sie nicht von ihm übertölpelt wird, und dafür braucht sie eine Menge Konzentration.
Darum hört sie nicht hin, als Mama etwas sagt. Auch nicht, als Mamas Stimme lauter wird. Das würde sie nur ablenken, und dann dauert es noch viel länger, bis alles richtig ist. Heute ge­lingen ihr die schönen Schleifen schon beim dritten Mal am linken Fuß und beim fünften Mal am rechten.
Als Kaya auf die Straße hinunterkommt, sind die anderen Kinder schon weg. Das ist gut so, denn nun kann sie sich ganz auf den Weg konzentrieren. Bis zum Zebra­streifen an der Ecke dürfen es nicht mehr als hundert Schritte sein. Eins, zwei, drei, besser sind neunzig Schritte, aber das schafft sie nur, wenn kein Hundehaufen auf dem Gehsteig liegt, vier, fünf, sechs. Hundehaufen muss sie mit mindestens zwei Metern Abstand umgehen. Sieben, acht, neun, jetzt ist sie bei der Straßenlaterne. Zehn … Kayas Schritte stocken. Da vorne liegt ein Hundehaufen!
Kaya bleibt stehen, um zu überlegen.
Auf die Straße ausweichen darf sie nicht, das hat Mama streng verboten. Es bleibt also nur die andere Seite. Dort ist der Garten von Frau Korn. Elf, zwölf, sie klettert auf den Zaun. Eine Drahtspitze piekst ihr in den Po. Egal, sie muss sich beeilen. Sie rutscht auf der anderen Seite hinunter und dabei ratscht etwas. Doch nicht der Stoff an ihrer Hose? Kaya greift sich an den Po. Da, wo eigentlich Leggins sein sollten, ist jetzt nur Haut in einem großen Loch.


Stephani, Tanja
Tanja Stephani ist Grafikerin, Illustratorin und freie Künstlerin. Sie lebt mir ihrer Familie und Tieren auf einem abgelegenen Bauernhof im Zürcher Oberland (Schweiz).
www.lartquirit.ch

Sacher, Noëmi
Noëmi Sacher, 1980 in Schwyz geboren, studierte Germanistik, Volksliteratur und Kunstgeschichte in Zürich und schloss mit einer Arbeit über Bestsellerforschung am Beispiel von Dan Brown ab. Absolvierte dann die Schule für Angewandte Lingistik in Zürich. Sie schreibt historische Romane, Fantasy und Kindergeschichten und lebt mit ihrer Tochter in Arth und Luzern (Schweiz).
www.schreib-einfach.ch


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