Bisexuelle erotische Geschichten
E-Book, Deutsch, 100 Seiten
ISBN: 978-3-88769-953-6
Verlag: konkursbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die facettenreiche Sammlung bietet für jeden Geschmack etwas: ob auf der Suche nach sanfter Sinnlichkeit, dem schnellen Kick oder erotischer Anspannung bis zum spritzigen Ende.
Sei es nun der schnelle Sex in einem Zugabteil kurz vor der Abfahrt oder eine Begegnung im sommerlichen Garten, kurzweilig erzählt ist jede der Geschichten.
„Fesselnd die Offenlegung des Individuums als Wesen, das der Emotion (und der Gier) Rechnung zollt - geil ja, für Voyeure nein." (Buchkultur)
„.(Karin Rick schreibt)mit erfrischender Leichtigkeit. Es ist der Tonfall einer selbstbewussten, erfahrenen und gereiften Frau, in dem Rick abwechselnd von Frauenliebe und von der Lust am Mann berichtet. Aber auch darüber hinaus, ganz unabhängig von der sexuellen Orientierung, hat dieses Buch die Botschaft an jede Frau, sich Lust zu erlauben und beherzt zuzugreifen bei den vielen Gelegenheiten, die das Leben dafür bereithält." (Helga Pankratz)
Autoren/Hrsg.
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Der Intellektuelle
An einem Julinachmittag hat sie ihn vor Jahren zum ersten Mal gesehen und ist von seiner Erscheinung wie von einem Hitzeschlag getroffen worden. Er trug weiße Jeans, die an seinen schmalen Hüften und muskellosen Beinen klebten, ein loses Hemd. Er koordinierte alle Sprachkurse der Stadt, und dafür wirkte er jung und schmächtig. Sein Gang federte. Sie wollte sich an ihm sattrinken, ohne zu wissen wie. Sie kommt zu spät. Der Seminarraum ist offen, an der Tafel sitzt er vor den Zuhörern. Er hat sich nicht verändert, er ist so rassig, wie in ihrer Erinnerung. Er schaut zu ihr auf, als würde sie ihn mit ihrem Erscheinen an die Wand drücken, erkennt sie nicht wieder. Das Seminar hat gerade begonnen. Er stellt sich vor, in seiner Haltung ist die Leichtigkeit des Erfolges. Noch weiß er nicht, ob die Anwesenden den Wert seiner Arbeit, das Prestige der Institutionen, in denen er unterrichtet, erkennen können. Universität. Sie hat die Studentinnen im Kopf, vor denen er ebenso mit dem ganzen Körper wippt und ihnen schwierigere Fremdwörter zumutet, als den Sprachlehrern hier. Studenten muß man beeindrucken, hierher aber möchte er wieder eingeladen werden. In seiner Stimme die Melodie dessen, der gerne und oft im Plauderton doziert. Sie ist eingeschliffen, ein guter Motor, senkt sich dort, wo Zuhörer aufmerksam werden müssen, hat ein »timbre«. Das vibriert dunkel. Sie spürt es in ihrem Brustkorb. Ihr Körper schwingt mit. Die luftigen Gesten seiner Hände, die locker aus zarten Gelenken arbeiten, nehmen sie gefangen. Er trägt eine schwarze, glatte Lederhose. Der Hemdkragen ist offen, die Haare stehen zu Berge. Sie möchte sofort die Hände an diesen Hals legen, zwischen Kragen und Haaren. Sie möchte schon nach kurzer Zeit aufstehen, auf ihn zugehen, ihm das Hemd aufmachen. Sie weiß nach ein paar Minuten, daß sie mit ihm Sexualverkehr haben will, daß sie sich keine andere Form der Begegnung vorstellen kann, als die im Bett, an den vollen Lippen saugen und seinen Kopf im Nacken festhalten. Sie wird alles machen, damit sich das so schnell wie möglich ereignet. An seinem Umgang mit den Zuhörern ist nichts, was sie davon abbringen, ihre Voreingenommenheit schmälern könnte. Nach ganz kurzer Zeit hat sie aus seinen Worten seine Weltanschauung herausgefunden, das philosophische System, an dem er hängt, das politische Ziel, den sensiblen Punkt. Er zumindestens hat einen. Die meisten haben gar nichts. Wie eklig, wenn ihnen alles recht ist. Für Humor ist er zu arrogant. Er erklärt zwar Witzige Situationen, aber spontan lachen kann er nicht. Er ist auf der Hut vor Unvorhergesehenem. Er möchte sie mit Lerntheorien nicht langweilen, meint er jovial. Empirismus, Rationalismus, zu letzterem würden neben Kant auch Chomsky und Piaget gehören. »Wobei Piaget aber im Gegensatz zu Kant kein starres System annimmt… «, sagt sie laut. Sein Kopf bleibt in der Bewegung stecken. »…sondern die Anpassung an die Umwelt miteinbezieht. « Sie hat vorher ihre Brille abgenommen, sie kann ihn jetzt risikolos fixieren, ohne wegen ihres Muts verlegen zu werden. Er entschuldigt sich sofort für diese Auslassung. Er gibt ihr in allem Recht. Von nun an wartet er bei jedem Satz auf ihre Zustimmung. Seine Blicke tasten sich über die Gesichter der anderen immer wieder zu ihr, ob er es jetzt auch richtig mache. Sie rekelt sich. Noch hat sie die Beine übereinandergeschlagen. Nach dem Video über sein Supersprachtraining wird sie mit offenen Beinen dasitzen. Und wissen, daß er das sieht und noch weiter sehen kann, als sie sich vorzustellen vermag. Zwischen ihren Beinen ist Dunkelheit, Dunkelheit aber offen. Ihr ist es angenehm, so dazusitzen. Sie hat auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Auf keinen anderen, der dies als Aufforderung mißverstehen könnte. Nur er ist gemeint und er soll auch alles haben. Wenn hier um die Ecke ein Bett stünde, wäre sie sofort mit ihm dort. Sie macht nichts anderes mehr, als sich das vorzustellen. Wie schaut er aus, wenn sie ihm einmal das Hemd ausgezogen hat? Wie ist er mit nacktem Oberkörper und der schwarzen Lederhose um die Taille. Wie dünn ist er, man sieht ja nichts. Ist der Hintern klein? Und der Schwanz? Obszön in dem spiegelnden Leder. Warum zieht er sich so an, unverschämt. Was will er von ihr, pardon, was will er von einer Frau, daß er sie so aufgeilt, mit der schwarzen Lederhose und dem offenen Hemd, an dem der Hals sichtbar wird, ungeschützt und nackt. Am Ende des Kurses steht sie ihm gegenüber. Soll sie ihm sagen, daß sie ihn von früher kennt? Daß es mit Recht engere Verbindungen gibt zwischen ihm und ihr? Aber welche und wieso, außer, daß sie ihn haben will, auf der Stelle, den Mund sofort küssen, ihm die Brille abnehmen, was für ein Gesicht hat er ohne Brille? Findet er sich selbst schön? Als sie ihn anspricht und er sich zu ihr wendet, während er seine Sachen zusammenpackt, sieht sie, daß sein Gesicht nicht so jung ist, wie es von der Ferne aussieht. Großporig, vom Alter nicht ungeschoren gelassen. »Ich bin sehr dankbar für dieses Seminar. Ich habe nämlich einen Schüler, der muß in 10 Tagen Französisch lernen... « »Männer lernen überhaupt schwerer, weil sie eine Scheu haben, sich bloßzustellen, weil sie glauben, sie fallen dann tiefer... « Er ist Feminist! Wie süß! Er wickelt das Kabel des Videogeräts auf. »Deshalb altern Männer auch schwerer als Frauen, sagt die Beauvoir so treffend«, plaudert er weiter. »In dem Interview mit der Schwarzer, Rowohltverlag. « »Interessierst du dich dafür? « »Ich halte eine Vorlesung über die Beauvoir. « Du bist das! Das wollte ich mir immer schon... « Die anderen verabschieden sich. Er hat auf einmal eine Zigarrenschachtel in der Hand. Der Geruch steigt ihr ungenehm in die Nase. Fragen hätte er können. Er kommt ihr jetzt ledrig vor, vergilbt. Er zwingt ihr etwas auf. Sein Zuhören, sein Blick auf ihrem Gesicht, alles eingehüllt in Zigarrenrauch. So klein‘ und zierlich er ist, hat er die Zigarre zwischen den üppigen Lippen oder in den schlanken Fingern und verpestet die Luft damit. Die anderen gehen zur Tür. Auch sie macht einen Schritt hin, aus Angst, aufzufallen, die Teilnehmerin mit dem Seminarleiter. Er wäre sicher noch geblieben. Sie aber fühlt die Blicke der anderen auf sich, während sie sich von dem Gespräch tragen läßt. »Kennst du Finkielkraut? «, fragt er plötzlich. »Die verliebte Unordnung?« Wieso gerade dieses Buch, wieso an sie, worum ging es da nur? Geschlechtsverkehr, neue Arten des Geschlechtsverkehrs. Warum will er von ihr, daß sie gerade das kennt? »Hab es vor langer Zeit gelesen... ist es nicht sexistisch? « »Nur der Co-Autor.« Sie runzelt mißbilligend die Stirn. Sie bedauert, daß sie das Buch nicht mehr im Kopf hat. Ihr fällt ein, daß darin auf frei-zügige Weise koitale Praktiken abgehandelt werden. Über die hätte sie jetzt reden können. Sie steigen jetzt alle in den Aufzug ein. »Das neueste Buch von ihm...«, fährt sie fort. »Die Weisheit der Liebe... « »Kenne ich noch nicht... « »Kann nur noch besser sein. Der reift erst richtig aus. Früher war er Maoist. « Die anderen Sprachlehrer im Aufzug schauen verdutzt drein. »Na ja, die Maoisten, die nehmen oft die erstaunlichsten Wendungen«, sagt sie frech. Von Maoisten hat sie keine Ahnung. »Hast recht«, pflichtet er ihr bei. »Wenn man sich den Glucksmann anschaut... « Glucksmann, Glucksmann, wie heißt nur das verdammte Buch von ihm, das alle so verreißen, oder war das Althusser, der ist ja auch nicht ganz lupenrein, soll seine Frau erwürgt haben ... welche Ideologie vertritt denn also nun der Glucksmann, den Bankrott des Okzidents, oder... »Der war früher auch Maoist und ist jetzt für den Reagan« spricht er weiter. Aha, für den Reagan, das war es. Jetzt fällt ihr auch das Buch wieder ein. Etwas über die Notwendigkeit von Atombomben. »Chomsky ist da auch nicht besser«, stichelt sie. »Naiv, seine Äußerungen zur Weltpolitik…« »Das darfst du nicht sagen, der ist ein totaler Anarchosozialist, wirklich, einer von der reinsten Sorte. « Sie hat etwas berührt, was ihm an die Seele geht. Er fuchtelt leidenschaftlich mit den Armen herum, als sie aus dem Haustor gehen. »Ach so? Und wo kann man das nachlesen? « »Ich hab das zu Hause. Ich bringe es dir einmal mit. « Sie sind vor dem Haustor stehengeblieben. Der Regen und die Kälte sind wie eine Wand vor der Welt, innerhalb der Wand sind sein Zigarettenrauch, sein Gesicht, seine Stimme, die auf sie einspricht, seine Augen, die auf sie gerichtet sind. Es bereitet ihr Mühe, den Kopf zu ihm zu wenden. Etwas in ihrem Gesicht könnte zu zucken anfangen, die Oberlippe auf der ihm zugewandten Seite. Der Wind jagt ihnen Wasserspritzer ins Gesicht. Da ihr Anliegen der Geschlechtsverkehr ist, kommt sie sich schäbig vor, den Vorwand eines seriösen Gesprächs zu suchen. Sie würde sich nichts über Sozialismus anhören, wenn sie nicht Sex mit ihm haben wollte. Sie geht vor, auf die nasse Straße. »Kann ich dich mitnehmen? Ich habe ein Auto. « Sie ist befangen. Sie muß sich an die neue Umschlossenheit, dieses neue Alleinsein mit ihm in seinem Wagen gewöhnen. Sie beginnt zu erzählen, von den Vorträgen, die sie hält, von den Büchern, die sie schreibt. Er hat sich vier Stunden produzieren können. Jetzt ist sie dran. Sie redet und putzt sich dabei ihre Brille. Warum startet er nicht? Er sitzt da und schaut sie an. Er hat alle Ruhe der Welt. Er hört ihr zu, als hörte er das zum ersten Mal, Frauenbewegung, Sexualität. Sie fahren ein Stück, dann müssen sie stehenbleiben,...