Reinhold | Von Mäusen und Morden | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 440 Seiten

Reinhold Von Mäusen und Morden

Ein Schulkrimi
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7450-5865-9
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Schulkrimi

E-Book, Deutsch, 440 Seiten

ISBN: 978-3-7450-5865-9
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Mitglied der Hamburger Schulinspektion wird brutal ermordet. An der Aufklärung dieser Tat beteiligt sich neben der Hamburger Mordkommission ein Studienrat, der das Opfer kannte und dessen Sohn unterrichtet. Zudem ist er mit einer Kriminalhauptkommissarin der Mordkommission verheiratet, so dass es zu gegenseitigem Informationsaustausch sowie zur Unterstützung und Hilfestellung kommt. Die Polizei geht aufgrund bestimmter Indizien zunächst von einem Raubüberfall mit Todesfolge aus, wohingegen der ermittelnde Lehrer sehr bald als Motiv für den Mord den Umstand voraussetzt, dass das Opfer sowohl beruflich als auch familiär außergewöhnlich verhasst war und nur in den sogenannten besseren Kreisen der Hansestadt Anerkennung und Rückhalt gefunden hatte. Als Leserin oder Leser verfolgt man parallel zu dem typischen Alltag des Lehrers ('dem alltäglichen Wahnsinn') dessen Bemühungen zur Aufklärung des Mordes, denen jedoch anfänglich trotz der Zusammenarbeit mit der Mordkommission kaum Erfolg beschieden ist. Doch es bleibt nicht bei dem einen Mord, sondern weitere folgen, während sich das Netz der Ermittlungen immer enger knüpft und auch der 'Kommissar Zufall' noch eine wichtige Rolle spielt. Ein Roman über einen außergewöhnlichen Kriminalfall und über das Leben dessen, der versucht ihn aufzuklären. Hin und her geworfen zwischen seinen beruflichen Zumutungen, banalen Schwierigkeiten des Alltags und den Auswirkungen politischer Entscheidungen und gesellschaftlicher Entwicklungen hört ein Lehrer im Hamburger Schuldienst nicht mehr damit auf, Licht in die Ab- und Hintergründe der 'Schulmorde' bringen zu wollen, bis er sie schließlich kennt: die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. In dieser Geschichte liegen menschliche Tragödie und unfreiwillige Komik ebenso wie scharfe Kritik und spöttische Ironie nie weit auseinander, und die geneigte Leserin erhält ebenso wie der geneigte Leser nebenbei einige intime Einblicke in das System Schule.

Der Autor war fünfunddreißigeinhalb Jahre lang in Hamburg an einer Stadtteilschule, zwei Gesamtschulen und zwei Gymnasien als Lehrer tätig. Er unterrichtete in den Fächern Deutsch, Geschichte, PGW (Politik-Gesellschaft-Wirtschaft), Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Gesellschaft sowie in Ethik, Philosophie, Darstellendes Spiel und Medienkunde. Zudem war er zeitweise Fachleiter für Deutsch und für PGW und zuletzt Koordinator für die gymnasiale Oberstufe. Er musste erst den Ruhestand erreicht haben, um diesen Roman als ein erstes Resumé seiner Erfahrungen schreiben zu können. Weitere können folgen.

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2.   Hieronymus verließ schließlich seinen Wagen, schloss ihn sorgfältig ab und strebte dem Eingang der Schule zu. Es wurde jetzt auch höchste Zeit, denn wie immer musste er vor seinem Unterricht das Eine oder Andere als Klassensatz kopieren, was er am letzten Wochenende ausgebrütet hatte. Zum Glück lief er jetzt, kurz vor der Zweiten Stunde, nicht mehr so sehr Gefahr, unter die Räder der zahlreichen »Hubschrauber-Eltern« zu geraten, die ihre »Premium-Kids« die wenigen Meter von zuhause bis zur Schule fahren mussten. Hier, im »Wilden Osten« Hamburgs, verhielten sich die Eltern da nicht anders als in anderen Stadtteilen, nur dass hier als rollendes Statussymbol nicht allradgetriebene Kleinpanzer dienten, sondern möglichst luxuriöse Limousinen der Mittel- oder Oberklasse. Vor der ersten Stunde konnte das fußläufige Erreichen des Schuleingangs zu einem Überlebenstraining ausarten, da war man auch auf dem Bürgersteig nicht sicher, zumal dort die Fahrräder der Schüler zahlreich ihren Weg suchten. Hieronymus trug heute sein dunkelblaues, nicht mehr so neu aussehendes Cord-Jackett mit einem gemusterten Hemd darunter zu Jeans unbekannter Provenienz und schwarzen, ledernen Halbschuhen. Aber was heißt »heute«? Wer ihn kannte, konnte sich nur schwer vorstellen, ihn selbst an einem Strand in Südeuropa oder in der Karibik anders gekleidet zu sehen als in einem dunkelblauen, nicht mehr so neu aussehenden Cord-Jackett mit einem gemusterten Hemd darunter zu Jeans unbekannter Provenienz und schwarzen, ledernen Halbschuhen, auch wenn der Rest der Menschheit dort gerade in dürftigster Badebekleidung unterwegs sein sollte. Hieronymus unterrichtete gefühlt schon seit einigen Jahrhunderten an der Peter-Ustinov-Schule, die sich selbst verharmlosend als PUS abkürzte, weshalb sich irgendwann vor Urzeiten einmal die Schüler den noch viel mehr verharmlosenden und vielleicht gerade deshalb immer wieder von einer Schülergeneration zur nächsten tradierten Kosenamen »Pussies« gegeben hatten, die Fächer »Deutsch, also auch Geschichte«, wie er selbst bei Gelegenheit immer wieder gern einen seiner Lieblingsautoren, nämlich Günter Grass, zu zitieren pflegte. Hinzu kamen noch die Fächer PGW und Gesellschaft. Nicht Eingeweihte werden sich zwar unter den beiden erstgenannten Fächern Deutsch und Geschichte etwas vorstellen können, auch wenn das mit größer werdendem Abstand zur eigenen Schulzeit immer weniger dem entspricht, was es in der Gegenwart bedeutete, aber vielleicht nicht bei den beiden letztgenannten Fächern. PGW stand für das Unterrichtsfach »Politik, Gesellschaft, Wirtschaft« und existierte an einer Stadtteilschule, um welche es sich bei der Peter-Ustinov-Schule ja handelte, nur in der gymnasialen Oberstufe. Es bezeichnete nach aktueller Nomenklatura lediglich das genauer, was früher unter dem Begriff »Gemeinschaftskunde« firmieren durfte, von manchen auch gehässig »Gemeinplatzkunde« oder, schon zutreffender, »Gemeinheitskunde« genannt. Das Fach Gesellschaft erfreute stattdessen die Schüler zuvor in der Mittelstufe und war ein Konglomerat aus den Disziplinen Geschichte, Politik, Soziologie und Geografie. Ein staatlich organisierter Dilettantismus, denn es gab praktisch keine Unterrichtskraft, die in all diesen vier Wissenschaften gleichermaßen ausgebildet war, weshalb immer eine bis mehrere davon entweder vernachlässigt oder lediglich autodidaktisch unterrichtet wurden. Böse Geister vermochten hinter diesem geplanten Dilettantismus sogar politische Absicht zu vermuten, weil damit zwar formal umfassende politisch-sozial-ökonomische Bildung angeboten wurde, diese aber nur halb gebildete und deshalb relativ bequem politisch steuerbare Staatsbürger hervorbrachte. Aber natürlich dachten nur wenige und nur politisch Verwirrte so. Der heutige Stundenplan versprach Hieronymus fünf Unterrichtsstunden Arbeitsfreude, von der Zweiten bis zur Sechsten Stunde. Anschließend würde er seinen Fluchtinstinkt aber noch eine Zeitlang unterdrücken müssen, denn dann musste er noch Zensuren und Fehlzeiten für einen seiner beiden Oberstufenkurse in einen Schulcomputer abladen, weil am folgenden Tag der »Eintragungsschluss« dafür bis »High Noon«, zwölf Uhr mittags, angesetzt war, er das dann deshalb nicht mehr nach Unterrichtsschluss erledigen konnte und nicht in den Pausen mit den »Last-Minute-Kollegen« um einen Platz an den Rechnern konkurrieren mochte. Das Lehrerzimmer, das er anstrebte, war eines von zweien, über die die Peter-Ustinov-Schule verfügte, eins im alten Gebäude an der Straße und eins im Neubau genau gegenüber über den Innenhof hinweg. Dieses Gegenüber hatte den Vorteil, dass man von dem einen Lehrerzimmer aus nicht unbedingt immer in dem anderen anrufen musste, um zu erfahren, ob sich dort jemand Bestimmtes aufhielt, sondern oft konnte man es über den Hof hinweg auch einfach schon sehen. Neben dem alten Lehrerzimmer, mit diesem durch eine für gewöhnlich offen stehende Doppeltür verbunden, befand sich ein Arbeitsraum mit Computern und den beiden großen Druckern, wo Hieronymus noch rasch seine Materialien für den kommenden Unterricht vervielfältigen wollte. Als er die Treppe in den ersten Stock hinter sich gebracht hatte, die bereits mit einigem Müll verziert war, stand er nun vor der geschlossenen Tür zum Lehrerzimmer. Diese wies weder eine Klinke noch einen Knauf oder ein Schloss auf, um sie öffnen zu können, sondern nur einen drehbaren Metallzylinder von etwa drei Zentimetern Durchmesser und ungefähr fünf Zentimetern Länge. Er war Bestandteil eines elektronischen Schließsystems und wurde mit einem »Pieper« bedient, das heißt entsperrt, welchen jede Lehrkraft in Form eines kleinen Diskus im Miniformat aus Plastik mit sich führte. Und wehe, wenn sie das nicht tat, die Lehrkraft, weil sie das Dings zum Beispiel zuhause vergessen hatte! Dann erst wurde ihr richtig klargemacht, wie viele Türen in der Schule ihr verschlossen sein konnten und auch blieben, sofern nicht zufällig gerade jemand in der Nähe war, der schließtechnisch aushelfen konnte. Nicht auszudenken, was passierte, wenn die Batterie in dem Gerät einmal leer sein würde! Auch ein Besuch der Toilette war dann nur noch mit Begleitung möglich. Drückte man jedoch den »Pieper« im Normalfall des Vorhandenseins auf seinen gummiüberzogenen Schaltknopf in der Mitte und hielt ihn in die Nähe von besagtem Metallzylinder, so gab dieser ein kaum oder in Gegenwart von mehr als zwei Schülern schon nicht mehr hörbares Piepen von sich - daher der Name - und zeigte damit dem Benutzer an, dass das jeweilige Türschloss nun für einige Sekunden entsperrt sei, und man die Gelegenheit nutzen könne, die jeweilige Tür mittels eines mehr oder weniger beherzten Drehens des Metallzylinders zu öffnen. Natürlich durfte man es sich auch anders überlegen und das Drehen bleiben lassen, worauf nach den genannten Sekunden ein erneutes Piepen des Zylinders zum Ausdruck brachte: Gut, dann eben nicht. Zudem zeigte das neuerliche Piepen an, dass der vorherige Zustand wiederhergestellt war, als wäre nichts geschehen, als hätte sich niemand der Tür jemals genähert, als wäre man gar nicht da gewesen. Es handelte sich also um einen echten technischen Fortschritt, denn ein rein mechanisches Schloss muss man ja erst wieder abschließen beziehungsweise das Drehen eines Schlüssels rechtzeitig abbrechen, wenn man das Betreten eines Raumes oder das Verlassen eines solchen spurlos abbrechen möchte. Leider war der Metallzylinder, welcher sich nicht nur in der Peter-Ustinov-Schule, sondern auch in anderen Schulen Hamburgs an den Türen epidemisch verbreitet hatte wie Grippeviren, aber sehr glatt, weil er keinerlei den Fingergriff unterstützende Beschichtung oder Strukturierung aufwies, so dass es bei Türen, deren Schließmechanismus aufgrund physikalischer Veränderungen etwas schwergängig war - einem der Temperatur geschuldeten, aber nicht sichtbaren geringfügigen Verziehen des Türblatts zum Beispiel - zu Öffnungsschwierigkeiten der Tür kommen konnte. Und eine ebensolche Tür hatte Hieronymus mit der des Lehrerzimmers nun vor sich, und seine Finger rutschten mehrfach ab von dem glatten Metall, so dass er die Tür innerhalb der Sekundenspanne, die ihm die Technik gönnte, zunächst und auf Anhieb nicht aufbekam. Das Phänomen der Schwergängigkeit dieser Tür war natürlich nicht neu, sondern schon länger bekannt, aber schulische Mühlen mahlen noch etwas langsamer als andere lahme Mühlen, so dass der Herr Hausmeister leider noch keine Zeit hatte finden können, an diesem Missstand etwas zu ändern. Hieronymus piepte und drehte mehrfach ohne Erfolg, was sogleich zu einem kleinen Stau vor der Tür führte, denn natürlich war er nicht der Einzige, der gerade jetzt das Lehrerzimmer betreten wollte. Die Erste Stunde war vorüber oder jedenfalls großzügig betrachtet so gut wie, und Kollegen kamen aus den Klassen, um vor der zweiten Stunde in einem anderen Fach und einer anderen Lerngruppe ihre Materialien auszutauschen, kurz auf den Vertretungsplan zu blicken, jemandem kurz eine dringende Information zukommen zu lassen wie zum Beispiel: »Du, der Dings ist heute wieder nicht da.« Vielleicht auch nur, um die Mails und SMS zu checken, die zwischenzeitlich eingetroffen sein konnten, oder sich kurz an einer Stelle zu kratzen, an der zu kratzen man sich vor der letzten Lerngruppe nicht getraut hatte, und so weiter und so fort. Es waren zwei Kollegen, die die Türöffnungsversuche von Hieronymus interessiert, aber ungeduldig hinter seinem gebeugten Rücken verfolgten, der Kollege Moritz von Richtofen, »beinahe verwandt oder verschwägert« mit dem berühmten Fliegerass aus dem Ersten Weltkrieg, wie er bei passender Gelegenheit...



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