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E-Book, Deutsch, 631 Seiten, eBook

Reihe: Literaturwissenschaft / Kulturwissenschaft

Pilz Krisengeschöpfe

Zur Theorie und Methodologie der Objektiven Hermeneutik

E-Book, Deutsch, 631 Seiten, eBook

Reihe: Literaturwissenschaft / Kulturwissenschaft

ISBN: 978-3-8350-9159-7
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Dirk Pilz stützt seine These, Leser und Literatur teilten die Eigenschaft, ein Krisengeschöpf zu sein, auf die Objektive Hermeneutik. Er legt zunächst die erkenntnis- und forschungstheoretischen Grundlagen in ihrem systematischen Zusammenhang dar und erarbeitet dann - vor allem in Auseinandersetzung mit Derrida und Gadamer - die Grundzüge einer objektiv-hermeneutischen Ästhetiktheorie. Abschließend überträgt er seine Erkenntnisse auf die literaturwissenschaftliche Methodik.

Dr. Dirk Pilz promovierte bei Prof. Dr. Helmut Peitsch am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur, 19./20. Jahrhundert, der Universität Potsdam. Er ist als Theaterkritiker (u.a. für Neue Zürcher Zeitung, Berliner Zeitung, Märkische Allgemeine Zeitung) tätig.
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1;Dank;6
2;Inhaltsverzeichnis;8
3;I Einführung;14
3.1;1. Die Idee einer Objektiven Hermeneutik: Problemstellung und Forschungslage;25
3.2;2. Eine kurze Kapitelübersicht;40
4;II Theorie und Methodologie einer Objektive Hermeneutik;50
4.1;1. Erste Perspektive: Zum Begriff der latenten Sinnstruktur;51
4.2;2. Zweite Perspektive: Die pragmatistische Grundlegung des Sinnbegriffs und der krisentheoretische Ansatz der Objektiven Hermeneutik;59
4.2.1;2.1. Das pragmatistische Wahrnehmungs- und Handlungsmodell;61
4.2.1.1;A Der Zeichenbegriff;71
4.2.1.2;B Die drei Kategorien Erstheit, Zweitheit, Drittheit;75
4.2.2;2.2. Der Begriff der unhintergehbaren Sozialität als Grundlage der Sinnkonzeption;80
4.2.2.1;2.2.1. Die pragmatistische Zeitkonzeption und der Begriff der Perspektive;86
4.2.2.1.1;A Aktuelle und funktionale Gegenwart;86
4.2.2.1.2;B Der Begriff der Perspektive;89
4.2.2.2;2.2.2. Die Dialektik von I und Me;91
4.2.2.3;2.2.3. Der genetische Sinnbegriff;101
4.2.3;2.3. Das objektiv-hermeneutische Modell der Lebenspraxis auf der Grundlage der Dialektik von Krise und Routine;106
4.2.3.1;2.3.1. Der Begriff Lebenspraxis;107
4.2.3.1.1;A Drei Krisentypen;112
4.2.3.1.2;B Strukturelle Autonomie;114
4.2.3.2;2.3.2. Der objektiv-hermeneutische Strukturbegriff und das Modell der Emergenz;126
4.2.3.2.1;A Der objektiv-hermeneutische Strukturbegriff;127
4.2.3.2.2;B Reproduktion und Transformation: Das Emergenzmodell;130
4.2.3.3;2.3.3. Peirce’ (frühe) Kategorienlehre als Grundlage des Rekonstruktionsbegriffs;142
4.2.3.3.1;C Theorie der Kategorienlehre II: Die obere Grenze möglicher Erfahrung;155
4.2.3.3.2;D Methodologische Schlussfolgerung II: Der Begriff der Rekonstruktion;169
4.2.3.3.3;A Theorie der Kategorienlehre I: Die untere Grenze möglicher Erfahrung;143
4.2.3.3.4;B Methodologische Schlussfolgerungen I: Die Begriffe Sequenz und Fallstruktur;150
4.2.3.4;2.3.4. Das Schlussverfahren der Abduktion;174
4.2.3.4.1;A Theorie der Abduktion: Nichtstandardisiertes Schlussfolgern;175
4.2.3.4.2;B Methodologische Schlussfolgerung: Der Begriff der Strukturgeneralisierung;192
4.3;3. Dritte Perspektive: Die Objektive Hermeneutik als Kompetenztheorie;199
4.3.1;3.1. Chomskys Kompetenz-Performanz- Paradigma;203
4.3.1.1;A Der generative Regelbegriff;206
4.3.1.2;B Drei Ebenen der Kompetenz;212
4.3.1.3;C Die zentralen Merkmale einer Kompetenztheorie;214
4.3.2;3.2. Die Kritik des Kompetenzparadigmas und eine mögliche Lösung mit dem Modell der Inferenz;218
4.3.2.1;A Wittgensteins Einwand: Privatsprachenargument und praxeologischer Regelbegriff;219
4.3.2.2;B Die skeptische Lösung des Rechtfertigungsproblems;225
4.3.2.3;C Die geradlinige Lösung des Rechtfertigungsproblems;229
4.3.2.4;D Regulative und konstitutive Regeln;238
4.3.2.5;E Das Modell der Inferenz;241
4.3.2.6;F Kompetenz und Performanz als inferenzielles Verhältnis;259
4.3.3;3.3. Die objektiv-hermeneutische Kompetenztheorie: Konsequenzen und Klarstellungen;268
4.3.3.1;3.3.1. Objektiv-hermeneutische Theorie des Kompetenz-Performanz- Verhältnisses I: Generativ-konstitutive Regeln und latente Sinnstruktur;270
4.3.3.1.1;A Einwände gegen den generativ-konstitutiven Regelbegriff;276
4.3.3.1.2;B Die inferenzialistische Interpretation des generativ-konstitutiven Regelbegriffs;283
4.3.3.1.3;C Latente Sinnstrukturen als Welt3 und als Gedanken: Die irreführende Rechtfertigung mit Popper und Frege;292
4.3.3.2;3.3.2. Methodologische Schlussfolgerungen I: Die Begriffe Protokoll und Text ;301
4.3.3.2.1;A Der Begriff des Protokolls;301
4.3.3.2.2;B Der Begriff des Textes;305
4.3.3.3;3.3.3. Objektiv-hermeneutische Theorie des Kompetenz-Performanz- Verhältnisses II: Der erkenntniskonstitutive Zirkel;309
4.3.3.4;3.3.4.Methodologische Schlussfolgerung II: Das Prinzip der Sequenzanalyse;314
5;III Grundzüge einer objektiv-hermeneutischen Ästhetiktheorie;318
5.1;1. Ästhetische Autonomie und die Strukturhomologie von Kunstwerk und Lebenspraxis;322
5.1.1;1.1. Ästhetische Autonomie und die Eigenlogik der ästhetischen Erfahrung I;326
5.1.2;1.2. Die Strukturhomologie von Kunstwerk und Lebenspraxis;339
5.1.3;Exkurs: Krise und ( Post)Moderne;352
5.2;2. Präsenz;359
5.2.1;2.1. Präsenz und Krise;359
5.2.2;2.2. Präsenz, Imagination und die Funktionalisierung der Präsenz zur Offenbarungs- oder Kompensationsinstanz;375
5.2.2.1;A Der Begriff der Imagination;381
5.2.2.2;B Die Funktionalisierung der Präsenz zur Kompensations- oder Offenbarungsinstanz;391
5.3;3. Ästhetische Erfahrung als Spiel der Verstehensvollzüge;406
5.3.1;3.1. Die materialistische Lesart;416
5.3.1.1;A Unendliche Subversion des Verstehens;417
5.3.1.2;B Ästhetische Differenz und die Folgen ihrer Auflösung;428
5.3.2;3.2. Die hermeneutische Lesart;448
5.3.2.1;A Die unendliche Steigerung des Sinns;449
5.3.2.2;B Polysemie;460
5.3.3;3.3. Die objektiv- hermeneutische Lesart;468
5.3.3.1;A Ästhetische Erfahrung und die erstarrte Lebendigkeit des Kunstwerks: eine spielästhetische Lesart;478
5.3.3.2;B Der Rätselcharakter des Kunstwerkes: Methodologische Konsequenzen;505
5.4;4. Ästhetische Autonomie und die Eigenlogik der ästhetischen Erfahrung II;520
5.4.1;4.1. Ästhetische Erfahrung und Suggestivität;523
5.4.2;4.2. Das inferenzielle Verhältnis von Subjekt und Objekt in einem ästhetischen Zusammenhang;540
5.5;2. Die Modifizierung der Prinzipien für literaturwissenschaftliche Sequenzanalysen;601
5.6;Schluss;616
6;IV Die Methodik der objektiv-hermeneutischen Sequenzanalyse;560
6.1;1. Die allgemeinen Prinzipien der Sequenzanalyse;563
6.1.1;A Das Prinzip der Kontextfreiheit;565
6.1.2;B Das Prinzip der Sequenzialität;583
6.1.3;C Die Prinzipien Wörtlichkeit und Totalität;589
6.1.4;D Die Prinzipien Extensivität und Sparsamkeit;591
7;Literaturverzeichnis;622
7.1;A) Texte von Ulrich Oevermann;622
7.2;B) Sekundärliteratur;627

Einführung.- Theorie und Methodologie einer Objektive Hermeneutik.- Grundzüge einer objektiv-hermeneutischen Ästhetiktheorie.- Die Methodik der objektiv-hermeneutischen Sequenzanalyse.


1. Die Idee einer Objektiven Hermeneutik: Problemstellung und Forschungslage (S. 24)

Nun geht es in dieser Arbeit gar nicht darum, eine Lanze für die Literaturtheorie oder die Neuaufnahme der Methodendebatte zu brechen, auf derart allgemeiner Ebene baute man sich womöglich einen Pappkameraden auf, der des Kampfes nicht wert ist. Dieses Buch will vielmehr einen lohnenden Ansatz vorstellen und diskutieren, der in den Literaturwissenschaften bislang noch nicht angekommen ist.

Lohnend ist er vor allem deshalb, weil er es einerseits erlaubt, methodisch und methodologisch der Eigenart ästhetischer Gegenstände gerecht zu werden und andererseits ein besonderes Denk- und Arbeitswerkzeug bereit stellt, eben diese Besonderheit literarischer Texte zu erfassen, ohne sie weder ahistorisch aus ihren Kontexten herauszureißen noch zur Assoziationsfläche für theoretische, literaturgeschichtliche oder sonstige nichtästhetische Diskurse zu verkleinern noch bloß paraphrasierend zu verdoppeln.

Der Ansatz, den wir hier diskutieren, stellt eine Möglichkeit dar, den drei Dilemmata der Literaturwissenschaft mit einem Interpretationsverfahren zu begegnen, das den literarischen Text und dessen präzise und extensive Lektüre in den Mittelpunkt stellt. Dabei geht es nicht um die Wiederbelebung einer werkimmanenten Methodik, auch wenn das vorgestellte Verfahren auf den ersten Blick vieles mit dieser gemeinsam zu haben scheint.

Es geht um ein methodisches und methodologisches Vorgehen, das den Prozess der Sinnbildung eines Textes rekonstruiert. Auf diese Weise werden Lesarten sichtbar, die andernfalls unbemerkt bleiben und den literarischen Text vorschnell in bekannte Kategorien oder Deutungen einrückt. Grob gesprochen wollen wir die Grundzüge einer Methodik schildern, die für sich beansprucht, literarische Texte von ihrem Sinnbildungsprozess her zu lesen.

Selbstverständlich wird hiermit nicht behauptet, das Allheilmittel für alle interpretationspraktischen und interpretationstheoretischen Probleme gefunden zu haben, es wird ein Verfahren diskutiert, das der Literaturwissenschaft andere, bis dato nicht hinreichend erprobte Möglichkeiten bietet. Über die Tragfähigkeit und Fruchtbarkeit dieses Ansatzes entscheidet nicht (allein) diese Arbeit, sondern die Wissenschaftspraxis.

An diesem Punkt mag den Leser Skepsis beschleichen: Wenn es denn so ist, dass der hier dargestellte Ansatz derart vielversprechend ist, wie kann es dann sein, dass er in der Literaturwissenschaft bisher kaum merklich in Erscheinung trat? Es gibt mehrere Gründe dafür, die noch ausführlich zur Sprache kommen werden. Eine Ursache ist sein Name: Objektive Hermeneutik.

Ein Theorie- und Forschungsprogramm, dass die Lexeme Hermeneutik und objektiv im Titel führt, ist für viele offenbar von vornherein nicht der Rede wert, stehen doch sowohl die hermeneutische Methodik als auch der Anspruch auf Objektivität unter dem Verdacht, die Entwicklungen der letzten Jahre verpasst zu haben. Von Hermeneutik lässt sich heute jedenfalls nicht mehr ohne weiteres sprechen, ganz zu schweigen von Objektivität, die in Bezug auf Literatur oder Interpretationen völlig fehl am Platze zu sein scheint.

Überdies sieht es so aus, als sei die Verbindung von Objektivität und Hermeneutik eine contradictio in adiecto, vermische also zwei Dinge, die sich nicht vertragen. Allein der Name Objektive Hermeneutik aktiviert also offensichtlich heftigen Widerstand – und transportiert nachhaltig Missverständnisse über die Annahmen und Grundlagen einer Objektiven Hermeneutik, die einer angemessenen Rezeption im Wege stehen.

Es gibt bis dato keine Darstellung der Literaturtheorie und auch kein literaturwissenschaftliches Lexikon oder Kompendium, in dem sie Erwähnung fände, obwohl mittlerweile einige Abhandlungen erschienen sind, die mit ihr einen philosophischen Diskurs führen. Selbst interpretationspraktisch gesehen ist die Objektive Hermeneutik in der Literaturwissenschaft noch nicht angekommen, auch wenn sich bereits verschiedene Autoren an literaturwissenschaftlichen Interpretationen mithilfe dieses Ansatzes versucht haben.


Dr. Dirk Pilz promovierte bei Prof. Dr. Helmut Peitsch am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur, 19./20. Jahrhundert, der Universität Potsdam. Er ist als Theaterkritiker (u.a. für Neue Zürcher Zeitung, Berliner Zeitung, Märkische Allgemeine Zeitung) tätig.


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