Peinkofer | Die Zauberer | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 496 Seiten

Reihe: Zauberer

Peinkofer Die Zauberer

Die Erste Schlacht. Roman (Die Zauberer 2)

E-Book, Deutsch, Band 2, 496 Seiten

Reihe: Zauberer

ISBN: 978-3-492-95006-0
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Erdwelt am Rande des Krieges: Die Orks überschreiten die Grenze der Modermark. Die Menschen rüsten zum Angriff, um das Joch der Elfenherrschaft abzuschütteln. Doch die größte Gefahr droht durch einen gerissenen, unheimlichen Feind – den Dunkelelfen Margok, der noch immer nicht besiegt ist. Die drei jungen Zauberer Granock, Aldur und Alannah werden damit betraut, in einem zerstörten Tempel nach Hinweisen auf den Verbleib des Dunkelelfen zu suchen. Jenseits der tiefen Dschungel Aruns stoßen sie nicht nur auf ein uraltes Geheimnis und eine verschollene Zivilisation. Sie müssen auch erfahren, wo die Grenzen ihrer Freundschaft liegen. Und im Norden entbrennt die schicksalhafte Schlacht um die Zukunft von Erdwelt …
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1. ILAIS
Wenn es einen Ort gab, der von den hehren Werten und hohen Idealen, welche die Gesellschaft der Elfen im Lauf von Jahrtausenden herausgebildet hatte, am weitesten entfernt war, dann war es dieser. Borkavor. Die Zitadelle des Feuers. In alter Zeit von Drachen angelegt, war die Festung, deren Eingang weit im Nordosten lag und die sich tief ins Innere von Erdwelt erstreckte, einst ein Hort des Lebens gewesen. Unter der Herrschaft der Elfen jedoch war daraus eine Sammelstätte des Bösen und des Lasters geworden, ein Ort, an dem sich ihre dunkelsten Ängste bündelten – verkörpert durch jene, die dem ach so vollkommenen Dasein und der angeblich so überlegenen Moral des Elfengeschlechts entsagt und einen anderen Pfad beschritten hatten. Rurak kannte die Geschichte Borkavors besser, als die meisten Elfen es taten. Zum einen, weil ein Großteil der Söhne und Töchter Sigwyns sich nicht für derlei Dinge interessierte; die meisten Elfen zogen die lichten Seiten des Lebens vor, widmeten sich den Musen und Künsten und verschlossen die Augen vor der schlichten Tatsache, dass es auch andere Kräfte in Erdwelt gab, die in das Spiel der Mächte eingriffen. Zum anderen aber auch, weil sich Rurak eingehend mit der Geschichte der Festung befasst hatte, als er noch ein geachteter Zauberer gewesen war, ein Mitglied des Hohen Rates. Palgyr hatten sie ihn genannt, weil seine Gabe darin bestand, kraft einer magischen, aus Elfenkristall bestehenden Kugel Dinge zu sehen, die sich an weit entfernten Orten ereigneten. Inzwischen konnte Rurak nicht einmal mehr die eigene Hand vor Augen erkennen, denn in den Tiefen Borkavors herrschte ewige Nacht. Als der Rat der Zauberer seine Strafe verkündet hatte, war Rurak sofort bewusst gewesen, was ihm bevorstand, und er verfluchte sich im Nachhinein dafür, dass er sich die Blöße gegeben hatte, für einen kurzen Moment Entsetzen auf seinen Zügen zu zeigen. Allein die Nennung Borkavors hatte genügt, um eine Unzahl an Vorstellungen, Ängsten und Befürchtungen in ihm auszulösen – die sich allesamt bestätigt hatten. Borkavor war die Hölle. Ein Ort, den es in der vollendeten Welt der Elfen nicht geben durfte. Aber er existierte dennoch. Die Geschichtsschreiber mochten behaupten, dass es die Notwendigkeit gewesen war, die einen solchen Ort erzwungen hatte, dass es in den Tagen nach dem Krieg gegen den Dunkelelfen keine andere Möglichkeit gegeben hatte als diese, um all jene zersetzenden Elemente, die sich sowohl dem Reich als auch dem Elfentum gegenüber als derart abträglich erwiesen hatten, für immer verschwinden zu lassen. Aber das entsprach nicht der Wahrheit. In Wirklichkeit waren es Hass und Rachsucht, jene zerstörerischen Kräfte, die einem jeden Wesen innewohnten und die Existenz eines Ortes wie Borkavor erst möglich machten – nur dass sich Sigwyns Töchter und Söhne nicht zu ihrem niederen Erbe bekannten. Alle anderen Völker Erdwelts – ob Orks, Zwerge, Menschen oder Trolle – fanden nichts dabei, zu ihren natürlichen Trieben zu stehen. Nur die Elfen nahmen für sich in Anspruch, diese weit hinter sich gelassen zu haben. Dabei hatten sie kaum geringere Freude daran, wehrlose Kreaturen zu quälen und sich an ihrer Not zu ergötzen. Anders ließ sich ein Ort wie dieser nicht erklären. Dunkelheit herrschte, die allgegenwärtig war und nur dann durchbrochen wurde, wenn hoch über dem Gitter von Ruraks Zelle eine einsame Fackel auftauchte (oder war sie in Wahrheit tief unter ihm?) und man ihm etwas zu essen und zu trinken brachte. Wasser und Brot, das aus minderwertigem Mehl gebacken war. Genug, dass er nicht verhungerte, aber zu wenig, um bei Kräften zu bleiben. Genau darum und um nichts anderes ging es in Borkavor: um ein langsames, allmähliches Sterben, von dem in der vollendeten Welt außerhalb der Felsenmauern niemand etwas erfahren sollte. Die Dunkelheit und die unzureichende Nahrung waren eine Sache – die Furcht, die mit eiserner Klaue selbst nach den unerschrockensten Herzen griff und sich mit der Dauer des Aufenthalts in abgrundtiefe Verzweiflung steigerte, war ungleich schlimmer. Es war, als hätten die Angst und die Panik all jener, die in diesen Mauern eingeschlossen gewesen waren, in den Felsen Niederschlag gefunden, so als wären sie der steingewordene Beweis dafür, dass es aus Borkavor kein Entkommen gab. Wer hierherkam, der blieb für immer – und die Tatsache, dass Sigwyns Erben in gewisser Weise unsterblich waren, spendete in dieser Hinsicht wahrhaftig keinen Trost, sondern verlängerte die Qualen auf unabsehbare Zeit. Rurak hatte Gefangene gesehen, die Jahrzehnte, Jahrhunderte in Borkavor verbracht hatten. Ihr lu war welk geworden wie Laub in der Sonne, ihre Haut bleich und die Augen blind, und schließlich hatten sie sogar ihren Verstand verloren, der ihre letzte Zuflucht gewesen war. Wer nach Borkavor kam, der verwirkte sein Recht darauf, einst die Welt zu verlassen, um nach den Fernen Gestaden zu ziehen. Er war dazu verdammt, wie ein Sterblicher zugrunde zu gehen und dem Vergessen anheimzufallen, in einem Tod, der sich über viele hundert Jahre erstreckte. Wie lange er bereits an diesem Ort weilte, wusste der Zauberer nicht zu sagen. Wo es keinen Unterschied gab zwischen Tag und Nacht und die Jahreszeiten keine Rolle spielten, war Zeit ohne Bedeutung. Es mochte ein Jahr sein oder auch schon zehn, wahrscheinlicher war irgendetwas dazwischen. Rurak aß, wenn man ihm etwas zu essen brachte, und er schlief, wann immer er müde war. Und jedes Mal, wenn er die Augen öffnete, schwang die vage Hoffnung mit, dass sie etwas anderes erblicken würden als das undurchdringliche Dunkel. Eine Hoffnung, die ebenso vergeblich war wie töricht. Die Dunkelheit war Ruraks ständiger Begleiter geworden. Sie war das Letzte, das er sah, wenn er die Augen schloss, und sie begrüßte ihn, wenn er erwachte. Und inmitten dieser Dunkelheit und der winzigen Zelle, in die man ihn gesperrt hatte, kreisten seine Gedanken um immer denselben Pol. Rache. Mit jeder Faser seines hageren, Tag um Tag alternden Körpers sehnte er sich danach, diesem Gefängnis den Rücken zu kehren und es jenen heimzuzahlen, denen er seinen Aufenthalt in dieser Verdammnis verdankte. Der alte Narr Semias, der dem Zauberrat vorstand. Sein oberster Günstling Farawyn, der Ruraks schärfster Gegner in Shakara gewesen war. Der Mensch Granock, der auf Farawyns Betreiben hin als erster Vertreter seiner Art in den Orden der Zauberer aufgenommen worden war. Und schließlich ein gewisser Unhold, der sich im entscheidenden Augenblick als Sandkorn im Mahlwerk der Verschwörung erwiesen hatte. Ruraks Plan war vollkommen gewesen, bis in die letzte Kleinigkeit durchdacht. Zum Scheitern gebracht hatte ihn am Ende jenes Element des Zufalls, das sich nicht vorhersehen ließ. Ihn traf keine Schuld an dem, was geschehen war, deshalb suchte er die Gründe für sein Versagen nicht bei sich selbst, sondern bei seinen Gegnern, und mit jeder Stunde, die er im undurchdringlichen Dunkel des Kerkers zubrachte, wuchs sein Durst nach Rache und steigerte sich in maßlosen, alles zersetzenden Hass. Rurak wusste, dass sein Hass ihn veränderte, dass er seine Energie schwächte, an seinen Kräften zehrte und ihn äußerlich altern ließ. Aber er hielt ihn auch am Leben. Tag für Tag für Tag. Bis zu jener Nacht, in der er die Stimme vernahm. Komm. Wie ein Echo hallte sie durch die Albträume, die ihn plagten, seit er den Fuß über die Schwelle der alten Drachenfeste gesetzt hatte. Die Schreie, die unentwegt durch die Stollen und Gewölbe Borkavors gellten – sowohl die laut geäußerten als auch jene, die nur in Gedanken ausgestoßen wurden –, bildeten die Untermalung der grausigen Bilder, die Rurak vor sich sah, sobald er die Augen schloss. Auch sie, so nahm er an, waren ein Teil der Strafe … Komm. Der Ruf wiederholte sich, übertönte den schaurigen Gesang des Kerkers, drang hart und deutlich in sein schlaftrunkenes Bewusstsein. Rurak! Allmählich erwachend, wurde ihm klar, dass die Stimme nicht zu seinem Traum gehörte – aber vernahm er sie tatsächlich? Oder war sie nur etwas, das sein von der Einsamkeit gepeinigter Verstand ihm vorgaukelte? War sein Geist es leid, unablässig um dieselben eintönigen Gedanken zu kreisen? Bezahlte er nun den Preis für die Dunkelheit und die Verzweiflung? Stand ihm der Absturz in den Wahnsinn bevor? Komm! Nein. Weder war es seine eigene Stimme, die ihn rief, noch etwas, das seine Vorstellungskraft ihm vorgaukelte. Es lag so viel Herrschsucht darin, so viel Bosheit und unbeugsamer Wille, dass selbst der abtrünnige Zauberer darunter erschauderte. Niemand, der eine gewisse Zeit in Borkavor verbracht hatte, war zu einer solchen Aufforderung fähig … Sie sind auf dem Weg zu dir. Schon in Kürze werden sie bei dir sein … Rurak war nun vollends erwacht. Auch wenn es inmitten der Schwärze keinen Unterschied machte, öffnete er die Augen und schaute sich um. Erkennen konnte er natürlich nichts. Aber anders als zuvor, wo ihn die Einsamkeit wie ein gefräßiges Monstrum umlagert und mit messerscharfen Zähnen nach ihm geschnappt hatte, um ihm das dünn gewordene Fleisch seines Verstandes zu entreißen, fühlte er, dass er...


Peinkofer, Michael
Michael Peinkofer, 1969 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaften und arbeitete als Redakteur bei der Filmzeitschrift »Moviestar«. Mit seiner Serie um die »Orks« avancierte er zu einem der erfolgreichsten Fantasyautoren Deutschlands. Seine Romane um »Die Zauberer« wurden ebenso zu Bestsellern wie seine Trilogie um»Die Könige«. Mit »Die Legenden von Astray« führt Michael Peinkofer alle Fantasy-Fans in eine neue Welt.


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