Overeem | Gottes überraschende Wegschilder | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 235 Seiten

Overeem Gottes überraschende Wegschilder

Ein Reiseführer für den eigenen Glauben

E-Book, Deutsch, 235 Seiten

ISBN: 978-3-7615-6861-3
Verlag: Neukirchener
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wanderpfarrerin Hetty Overeem ist Expertin im Unterwegssein - und daher auch darin, sich zu verirren. wörtlich und bildlich! In diesem Buch teilt sie ihre Schatzsuche.

Denn nicht nur auf der Straße, sondern auch im Glauben stellt sich immer wieder die Frage: Wo bin ich eigentlich? Und wo ist Gott? Denn er ist ja das Ziel meiner Suche. Bin ich noch auf dem richtigen Weg, oder gehe ich im Kreis? Zum Glück hat Gott überall Wegschilder für uns hingestellt: allen Menschen gemeinsame, aber auch ganz persönliche. Leicht zu findende oder gut versteckte.

Anhand bekannter und origineller Verkehrs-, Warn- und Wegschilder aus verschiedenen Ländern zeigt die Wanderpfarrerin auf humorvolle Weise, wie und wo Gottes Wegweiser für unser Leben zu entdecken sind. Und stellt besonders solche vor, die helfen, wenn es dunkel, neblig oder rutschig wird.
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Autoren/Hrsg.


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1.Auf frischer Tat ertappt! Das ist ja ärgerlich! Bin ich gerade dabei, so (meinte ich doch …) schöne und wahre Sachen über „die“ Wut zu schreiben, und was passiert? Ich werde selbst von ihr überfallen. Mitgerissen, hoch- und runtergeschleudert wie ein steuerloses Boot auf den Wellen eines plötzlich stürmischen Meeres. Wie kommt’s? Ich weiß nur, dass mich eines immer wieder entflammt: aggressive Passivität. Passivität, die mich angreift, mir weh tut, mir Schaden zufügt – aber die man nicht so gut am Kragen packen und sagen kann: „Nun ist aber Schluss!“, weil der andere mit großen unschuldigen Augen sagt: „Was ist denn? Hast du mal wieder eine deiner Krisen? Ich habe ja gar nichts getan.“ Nein, eben, das ist ja das Problem. Du, der andere da, hast gar nichts getan, du hattest aber versprochen, das gemeinsame Material von Tipi und Metrohütte wieder zu unserer Hütte zu bringen. Und zwar alles. Ich hab’s dir also überlassen und sehe nun plötzlich, dass du gar nichts, aber auch wirklich gar nichts getan hast. Du bist der Verantwortliche auf diesem Gebiet und du hast dich zurückgelehnt, mit den Schultern gezuckt und gedacht: „Das ist mir zu lästig.“ Fertig. Und nun sitze ich da mit den Konsequenzen: ungemütliche Hütte, keine Stühle, kein Essen … Was mache ich? Schweigen? Denken an andere gute Sachen, die du ja auch getan hast? Oh nein! Friedlich bleiben, nüchtern sein: „Akzeptiere ihn doch so, wie er ist. So ist er nun einmal.“ Nein! Wütend sein, eine wütende Mail schreiben? Anklagen? Ja, ja, ja! Und wie! Jetzt sollst du die Wahrheit aber mal hören. Jetzt werde ich dir meine ganze Wut an den Kopf schleudern, wie oft du mich schon hast sitzen lassen, wie oft du schon was versprochen und deine Versprechen nicht gehalten hast, und immer mit derselben Ausrede: „Ich tue doch so viel Gutes! Ich streng mich doch so an!“ Diese nette, freundliche Maske, warte nur, die werde ich dir jetzt aber mal abreißen! Wie das Verkehrsschild hier oben sagt aber etwas in mir: „Vorsichtig, Gefahrenzone!“ Für mich heißt das: „Pass auf, bring eure Freundschaft nicht in Gefahr, geh nicht zu weit, lass eine Tür offen.“ Okay. Also beende ich meine SMS mit: „Du bist und bleibst mein Freund, aber manchmal kann ich dich nicht mehr sehen.“ Fertig. Senden. Weg ist’s. Aber in mir brodelt und schwefelt es weiter. Vor allem, wenn da eine ebenso wütende SMS zurückkommt: „Dann sieh zu, wie du fertig wirst in der Hütte. Ich komme jetzt einfach mal gar nicht mehr.“ Der ganze Tag ist hin. Ich muss natürlich in der Metrohütte bleiben, weiter für die Leute da sein, kochen, Kaffee machen, herzlich sein, und ja, auch beten und singen. Ich sitze am Klavier, die Leute wählen Lieder, ich singe, du singst, wir singen … Und da kommt schon die Anklage und stürzt sich auf mich wie ein hungriger Wolf: „So – singen und beten, was? Aber in deinem Herzen, da tobt es und sieht’s chaotisch aus …“ Ja, stimmt, denke ich mir, ich könnte meinen Mitarbeiter an die Wand spießen. „Du weißt doch, du sollst vergeben.“ – Vergeben?! Nein! Zumindest nicht jetzt! Soll er doch genauso im Wutstrudel sitzen wie ich, soll er doch … – Ich versuche, mich zu stoppen. Gefahrzone, bremsen! Aber es klappt nicht. Und jeder Versuch, anders zu sein, anders zu fühlen, endet in einer Anklage gegen den Freund, der an all dem schuld sein soll: „Wärst du nur anders, dann wäre ich nicht so …“ Und in einer Anklage gegen mich selbst: „Wärst du nur anders … ausgeglichener, weiser, nicht so entflammbar, nicht so dieses, nicht so jenes …“ Und dann geht’s weiter, tiefer. Höre ich andere, frühere Anklagen und Vorwürfe irgendwie mit. Die aus meiner Jugendzeit: „Bist du aber hart!“ Die von vor zwei Wochen: „Bist du aber direktiv!“ Die von einer genervten Freundin: „Wenn du das sagst, ist das dumm und ich nehme dich nicht mehr ernst.“ (Seltsam, das wurmt mich mehr, als ich gedacht hatte.) Und dann tönen andere Klänge mit: „Lass die Sonne nicht über deine Wut untergehen“. Dann hab ich aber noch ein bisschen Zeit … „Deine Freundlichkeit sei jedem bekannt.“ Uff, ich bin wohl bekannt für meine Freundlichkeit, aber auch für meine große Dosis Aufrichtigkeit, nicht immer in empathischem Ton gespendet. „Die Früchte des Geistes sind …“ Ich will aber jetzt nicht wissen, was die Früchte des Geistes sind, denn alles wird eine Anklage, ich entspreche all dem sowieso nicht und will das jetzt auch gar nicht und, und, und ... Plötzlich, wie ein Sonnenstrahl, kommt die Erinnerung an etwas, das ich von Gott gehört habe: „Schmeiß die Anklage raus. Immer. Egal welche, wenn du spürst, sie kommt nicht von mir. Die, die dich lähmt, die dich auf dich selbst zurückwirft, die ohne Ende, die zermürbende, die hämische, die lästernde … Du kennst sie ja. Hab genug Vertrauen zu mir, um zu wissen: So bin ich nicht. So rede ich nicht.“ Da atmet mein Herz wieder auf! Aber die Anklage scheint im Augenblick stärker, sie kommt wieder zurück. Ich brauche all meine Kraft, um nicht ihr „Komplize“ zu werden, um nicht in ihre Falle hineinzutaumeln, denn sie scheint so richtig, so wahr, so ehrlich, so gerechtfertigt, und ich will ja ehrlich sein … „Ha!“, höhnt ihre Stimme in mir. „Toll, dein neues Herz! Weißt du noch? Darum hattest du gebetet! Ja, und wo ist es nun? Weit, weit weg …“ Und das scheint so wahr zu sein, denn ich fühle mich ­alles, nur nicht neu. Und so rasselt und stürmt und kocht es ­weiter. Am Ende des Tages bin ich erschöpft, vor allem, weil ich ganz alleine bin, um alles aufzuräumen. Erschöpft auch vom ­herz­lichen Empfangen, wo ich doch heute öfters die Leute am liebsten wieder hinausgeschoben hätte: „Hütte ausnahmsweise geschlossen!“ Aber glücklicherweise mache ich das nicht und die Leute, ahnungslos, helfen mir, mein inneres Gleichgewicht wieder ein bisschen zurückzufinden. Leute sind toll für sowas. Das alles war gestern … Glücklicherweise konnte ich schlafen, war viel zu müde, um viel herumzugrübeln. Aber heute morgen fängt der Zirkus ­wieder an. Was werde ich sagen? Was werde ich nicht sagen? Was muss ich vielleicht sagen, will ich aber nicht? Bis ich plötzlich auf etwas stoße, das alles wieder in ein klares Licht rückt. Nein, kein Bibelspruch! Das ist zwar oft der Fall. Aber heute Morgen ist es die Coop-Zeitung, die ich gerade durchblättere und die eine Aussage Mark Twains zitiert: „Spielen … das ist alles, was man tut, ohne dazu verpflichtet zu sein.“ Es ist wie ein Augenzwinkern Gottes, denn er war’s, der mir irgendwann während einer Jura-Radtour sagte: „Ich will nicht, dass du wie ein Roboter die ‚richtigen Bewegungen‘ machst. Ich möchte, dass du von mir ein Ballspiel lernst, ein erstaunliches, weil eben von mir erfundenes: nach meinen Spielregeln und Kriterien, und du brauchst es nicht perfekt zu spielen, du brauchst es nur lernen zu wollen. Es heißt ‚neues Leben‘. Machst du mit?“ Ja, ich machte mit. Und in diesem Ballspiel lernte ich zum ersten Mal in meinem Leben, die Beschuldigung, die alte, gehasste, aber vertraute, weder zu schlucken noch kostbare Zeit darauf zu verwenden, sie bis ins letzte Detail zu analysieren, noch mich mit ihr in einen unendlichen und fruchtlosen Dialog von Verteidigung und Rechtfertigung zu begeben, noch mich heftig gegen sie zu wehren. Sondern sie hinauszuwerfen. Im Namen Jesu. Im Namen des Gottes, als dessen Wortführerin sie sich doch gerade vorgestellt hatte! Denn das war ihr Trick: Sie gab vor, von Gott zu stammen. Sie klagte an und behauptete, seine Stimme zu sein. Sie sah mich abgrundtief-böse an und prätendierte, Gottes Blick zu sein. Mit anderen Worten: Sie setzte sich eine Gottes-Maske auf. Und ich glaubte ihr! Ja, warum eigentlich? Ich denke, weil es irgendwie so richtig und wahr schien, weil meine Gefühle und meine Kindheitserfahrungen ihr Recht gaben. Ich habe eigentlich immer geglaubt, ich sei von Grund auf nicht-richtig, nicht-entsprechend, irgendwie falsch und daneben, und also dazu bestimmt, bei anderen unten durch zu sein – es sei denn, ich würde mich mit all meinen Kräften dafür einsetzen, „gut“ zu sein. Und das hieß, sich dem jeweiligen „Klima“, der jeweiligen Gruppe, der jeweilig vorherrschenden und also herrschenden Meinung anzupassen. So hatte ich mich als Jugendliche von Gott entfernt, ohne ihm und mir selbst das so richtig einzugestehen. Aus Angst. Um mich selbst vor diesem Tyrannen (denn so sah ich ihn) zu schützen. „Du willst mich fressen? Dann halte ich Distanz. Ich werde dir ein bisschen dienen, denn ich habe zu viel Angst davor, dich so richtig fallen zu lassen, das traue ich mich nicht. Aber mein Vertrauen, mein Herz, das kriegst du nicht, das behalte ich für mich, da kommst du nicht ran.“ So traurig … und diese Trauer ging und geht Hand in Hand mit einer enormen, fressenden, um sich schlagenden Wut, die ich inzwischen etwas besser verstanden habe, aber nie so richtig meistern konnte. Es werden viele bestimmt richtige Sachen über die Wut gesagt. Man solle sie ablegen. Man solle sie nicht ablegen. Man solle sie ausdrücken, man solle sie „zähmen“. Oder man solle sie bezwingen, kontrollieren oder zumindest kanalisieren … Das Dumme ist, ich habe so ziemlich alles versucht, aber meine Wut ist immer noch da. Und ich spüre, sie ist nicht nur eine Reaktion auf etwas von früher, ein...


Overeem, Hetty
Hetty Overeem, geb. 1956 in Holland, ist seit 2009 als Wanderpfarrerin mit Esel, Hund und Tipi unterwegs im Projekt "Evangile en Chemin" (Evangelium unterwegs). Zuvor arbeitete sie als Gemeinde- und als Gefängnispfarrerin in der Schweiz und gründete die pastorale Begleitungsstelle "la Cascade" für Missbrauchsopfer.


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