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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 576 Seiten

Reihe: Fredrika Bergman / Stockholm Requiem

Ohlsson Papierjunge

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 5, 576 Seiten

Reihe: Fredrika Bergman / Stockholm Requiem

ISBN: 978-3-641-15936-8
Verlag: Limes
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Lehrer wird ermordet. Zwei Kinder verschwinden. Eine düstere Legende erwacht zum Leben.
In der Nacht erwacht er zum Leben, erwählt ein Kind und verschwindet mit seinem Opfer in der Dunkelheit. Der Papierjunge. Eigentlich glaubt niemand an die jüdische Sagengestalt - bis an einem eiskalten Wintertag in Stockholm eine Erzieherin vor den Augen von Schülern und Eltern erschossen wird. Als wenig später zwei Kinder verschwinden, fragen sich die Ermittler Fredrika Bergman und Alex Recht, ob der Junge aus der Legende etwas mit den Vorfällen zu tun haben könnte. Die Ermittlungen führen Fredrika nach Israel, wo sie mit einem grausamen Verbrechen aus der Vergangenheit konfrontiert wird ...

Kristina Ohlsson, Jahrgang 1979, arbeitete im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium als Expertin für EU-Außenpolitik und Nahostfragen, bei der nationalen schwedischen Polizeibehörde in Stockholm und als Terrorismusexpertin bei der OSZE in Wien. Mit ihrem Debütroman »Aschenputtel« gelang ihr der internationale Durchbruch und der Auftakt zu einer hoch gelobten Thrillerreihe um die Ermittler Fredrika Bergman und Alex Recht. August Strindberg ist Ohlssons neueste Romanfigur, der mit seinem gelben Leichenwagen Fälle löst, obwohl er gar nichts mit der Polizei zu schaffen hat ...
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ES HATTE TATSÄCHLICH EINMAL EINE jüdische Linie in Alex’ Familie gegeben, doch die war schon vor mehreren Generationen durchbrochen worden. Seither bekannte sich niemand aus seiner Verwandtschaft mehr zum Judentum, und der einzige Hinweis, den es noch gab, war der Nachname. Recht. Nichtsdestotrotz hatte er jetzt, da er sich zur Salomongemeinde auf Östermalm begab, das Gefühl, der Name würde ihm gewisse Vorteile verschaffen, als würden seine jüdischen Wurzeln ausreichen, um ihn Menschen näherzubringen, denen er sich zuvor nie zugehörig gefühlt hatte. Die Luft war kalt und feucht, als er an der Nybrogatan aus dem Auto stieg. Verdammtes Scheißwetter. Januar, wie er schlimmer nicht sein konnte. Die Polizei Östermalm hatte das Areal rund um die erschossene Frau weiträumig abgesperrt. Trauben von Menschen hingen neugierig über dem Plastikband. Dass Blut und Tod jedes Mal so viel Aufmerksamkeit auf sich zogen! Dass es so viele Menschen schamlos zum Elend drängte, nur damit sie ein Gefühl von Sicherheit verspürten, selbst nicht betroffen zu sein. Schnell begab er sich zu der Absperrung, wo jüngere uniformierte Kollegen standen, die wahrscheinlich zur Polizei Östermalm gehörten. Einst war auch er so gewesen wie sie. Jung und begierig, immer bereit, die Uniform überzustreifen und loszuziehen, um die Straßen sicherer zu machen. Wie sehr war er seit jener Zeit desillusioniert worden. Sie grüßten einander, und die Kollegen stellten ihn dem Generalsekretär der Gemeinde vor. Der Mann schien unter der Last der kaum eine Stunde alten Tragödie schwer gebeugt zu sein, und seine Stimme trug kaum, als er sprach. »Keiner der Zeugen darf den Ort verlassen«, sagte Alex und betonte das erste Wort mit aller Kraft, die ihm zur Verfügung stand. »Wie ich gehört habe, haben sowohl Kinder als auch Eltern mit angesehen, was passiert ist. Niemand darf nach Hause gehen, ehe wir ihn befragt oder zumindest seine Kontaktdaten aufgenommen haben.« »Das ist bereits geregelt«, warf einer der Kollegen aus Östermalm ein. Er klang kurz angebunden, und Alex wusste intuitiv, dass er sich danebenbenommen hatte. Wer war er, dass er hier einfach so hereinstiefelte und Befehle erteilte? Sie hatten um seine Hilfe, nicht um sein Kommando gebeten. »Um wie viele Zeugen handelt es sich?«, fragte er und hoffte, dass seine Stimme jetzt milder klang. »Drei Eltern und vier Kinder im Alter zwischen eins und vier. Und dann natürlich eine Reihe von Menschen, die im Moment des Geschehens zufällig auf der Straße vorbeigegangen sind. Ich habe diejenigen, die sich selbst gemeldet haben, gebeten hierzubleiben, kann aber natürlich nicht garantieren, dass das alle waren.« Das würde leicht zu klären sein. Alex hatte bereits gehört, dass der Eingang zur Salomonschule per Video überwacht wurde. So würden sie sich schnell einen Überblick verschaffen können, wie viele Leute sich zum Zeitpunkt des Verbrechens rund um den Eingang befunden hatten. »Wer ist Ihr Sicherheitschef?«, wandte Alex sich an den Generalsekretär. »Im Moment haben wir keinen … Das Sicherheitsteam verwaltet sich im Augenblick selbst, bis wir die Vakanz wieder besetzt haben.« Alex sah zu der Toten. Der fallende Schnee schien sein Bestes tun zu wollen, um den Tatort zu bedecken – vergeblich. In dem warmen Blut, das aus ihrem Körper gesickert war, schmolzen die Schneeflocken immer noch so schnell, als wären sie auf einem Heizkörper gelandet. Die Frau lag auf dem Bauch, mit dem Gesicht zum Boden. Der Schuss hatte sie in den Rücken getroffen, als sie sich zum geöffneten Schuleingang umgedreht hatte, um eines der Kinder herauszurufen. Alex schickte einen stummen Dank gen Himmel, dass die Kugel keines der Kleinen erwischt hatte. »Die Eltern haben ausgesagt, dass nur ein einziger Schuss gefallen sei«, sagte der Kollege von der Polizei Östermalm. Alex sah erneut zur Leiche. Offensichtlich war nicht mehr als ein Schuss nötig gewesen. »Lassen Sie uns reingehen und im Warmen weitersprechen«, schlug der Generalsekretär vor und schritt von Alex gefolgt durch die Tür zum Gemeindehaus. Ein weiterer Mann tauchte auf und stellte sich als der Rektor der Salomonschule vor. »Ich muss wohl kaum betonen, dass wir über diese Tat in höchstem Maße bestürzt sind und dass wir erwarten, dass dem Fall vonseiten der Polizei die allerhöchste Priorität eingeräumt wird«, sagte der Generalsekretär. »Natürlich«, versicherte Alex, und es war ihm ernst damit. Ein geplanter Mord am helllichten Tage mitten in der Innenstadt war schließlich nichts Alltägliches. Im Arbeitszimmer des Generalsekretärs ließen sie sich nieder. Die Wände waren in gleichmäßigen Reihen mit Bildern aus unterschiedlichen israelischen Städten geschmückt – Jerusalem, Tel Aviv, Haifa, Nazareth. Alex war mehrere Male in Israel gewesen und erkannte praktisch jedes Motiv wieder. Im Fenster thronte eine große Menora und breitete ihre sieben Arme aus. Eines der klassischen Symbole des Judentums. Alex fragte sich unwillkürlich, ob er selbst auch eine besaß. Die würde dann wohl in einem der Kartons auf dem Dachboden liegen. »Was können Sie mir über das Opfer erzählen?«, fragte Alex und versuchte, sich wieder an den Namen der Frau zu erinnern. »Josephine Fridh. Wie lange war sie schon bei Ihnen angestellt?« Er hatte sich an den Rektor gewandt, um eine Antwort zu erhalten. »Zwei Jahre.« »Und mit welcher Altersgruppe hat sie gearbeitet?« Alex wusste so gut wie nichts darüber, wie Tagesstätten organisiert waren, ging aber davon aus, dass die Kinder nach wie vor dem Alter nach in Gruppen eingeteilt waren. Seine eigenen Kinder waren längst erwachsen und selbst Eltern. Manchmal, wenn er sich ihre Gespräche über Kitas und Schulen und das Abholen und Hinbringen anhörte, fragte er sich, wo er selbst gewesen war, als sie klein gewesen waren. Denn er war verdammt noch mal nicht bei ihnen gewesen, so viel war klar. »Mit der Kleinkindgruppe. Ein bis drei Jahre. Zusammen mit zwei Kolleginnen war sie für zehn Kinder verantwortlich.« »Ist sie oder die Schule früher schon mal bedroht worden?« Der Rektor warf dem Generalsekretär einen herausfordernden Blick zu. »Wie Sie sich wahrscheinlich denken können, besteht für jüdische Einrichtungen, ganz gleich wann oder wo, immer eine gewisse Gefahr. Aber nein, wir haben in der letzten Zeit keine konkreten Drohungen erhalten, sofern man den Vandalismus, den wir hier ständig erleben, nicht als Bedrohung ansehen will, versteht sich. Was wir allerdings tun – auch wenn sich das nicht gegen konkrete Personen richtet.« »Ich weiß, dass Sie den Bereich vor Ihren Einrichtungen genau überwachen. Haben Sie dort etwas Besonderes beobachtet, was Sie uns gern mitteilen würden?« Die Antwort lautete wieder Nein. Alles war ruhig gewesen. »Und Sie?«, fragte der Generalsekretär und beugte sich über den Schreibtisch. »Natürlich befinden sich die Ermittlungen gerade erst am Anfang, aber haben Sie trotzdem vielleicht schon Hinweise erhalten, die interessant sein könnten?« Irgendetwas im Tonfall des Mannes ließ Alex aufhorchen. Er beschloss, mit einer Gegenfrage zu kontern, die er sowohl an den Rektor als auch an den Generalsekretär richtete. »Was wissen Sie über Josephines private Situation?« Ein fahles Lächeln wanderte über die Miene des Rektors. »Sie war achtundzwanzig Jahre alt. Die Tochter zweier Gemeindemitglieder. Ich bin seit vielen Jahren mit den Eltern befreundet, und ich kenne Josephine, seit sie klein war. Ein prima Mädchen.« Aber. Es gab immer ein Aber. »Aber?« »Sie wirkte ein wenig verloren … Es hat ein bisschen gedauert, bis sie ihren Weg im Leben gefunden hatte. Aber ich habe keine Sekunde gezögert, ihr den Job anzuvertrauen. Sie war fantastisch mit den Kindern.« Ein wenig verloren? Das konnte alles sein, von »Sie hat eine Bank überfallen, es aber nicht böse gemeint« bis »Sie ist zweimal auf diversen Schiffen um die Erde gereist, ehe ihr klar wurde, was sie mal machen will, wenn sie groß ist«. Alex konnte Worte wie »verloren« nicht recht einordnen. Das war eine neue Idee, erfunden von einer Generation mit zu vielen Wahlmöglichkeiten und verschrobenen Erwartungen an das Leben. »Das glaube ich gern«, erwiderte Alex. »Da Sie ihre Eltern so gut kennen, nehme ich an, dass Sie auch wissen, dass sie mit einem Mann zusammengelebt hat, der fünfzehn Jahre älter war als sie und wegen einer Reihe schwerer Verbrechen verurteilt wurde?« Die Reaktion überraschte Alex. Davon hatten sie keine Ahnung gehabt. Oder doch? Alex betrachtete denjenigen der beiden, der am wenigsten erstaunt aussah. Den Generalsekretär. Doch er war auch derjenige, der am meisten zu verlieren hatte, sobald er den Eindruck erweckte, nicht zu wissen, was in seiner Gemeinde vor sich ging. »Das muss ein Missverständnis sein«, sagte der Rektor. »Wir wussten nicht einmal, dass sie mit jemandem zusammenlebte.« Dem Melderegister zufolge hatten die beiden tatsächlich erst wenige Monate zusammengewohnt. »Ihre Eltern werden aber doch gewusst haben, mit wem ihre Tochter die Wohnung teilte, oder?«, fragte er den Rektor. »Davon gehe ich aus. Aber ich weiß nicht recht, wie oft sie einander sahen …« Alex entschied augenblicklich, dass er auch die...


Ohlsson, Kristina
Kristina Ohlsson, Jahrgang 1979, arbeitete im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium als Expertin für EU-Außenpolitik und Nahostfragen, bei der nationalen schwedischen Polizeibehörde in Stockholm und als Terrorismusexpertin bei der OSZE in Wien. Mit ihrem Debütroman »Aschenputtel« gelang ihr der internationale Durchbruch und der Auftakt zu einer hoch gelobten Thrillerreihe um die Ermittler Fredrika Bergman und Alex Recht. August Strindberg ist Ohlssons neueste Romanfigur, der mit seinem gelben Leichenwagen Fälle löst, obwohl er gar nichts mit der Polizei zu schaffen hat ...

Dahmann, Susanne
Susanne Dahmann studierte Geschichte, Skandinavistik und Philosophie an den Universitäten Kiel und Freiburg im Breisgau. Nach dem Magisterexamen war sie in einem Stuttgarter Sachbuchverlag tätig. Seit 1993 übersetzt sie Bücher, hauptsächlich aus dem Schwedischen, aber auch aus dem Dänischen. Ihr Arbeitsbereich umfasst sowohl Belletristik als auch Sachbuch. Sie übersetzte unter anderem Henrik Berggrens Bücher über Olof Palme und Dag Hammarskjöld, sowie Lena Einhorns »Ninas Reise« und für das Fritz Bauer Institut in Frankfurt die schwedischen und dänischen Texte von Fritz Bauer. Susanne Dahmann lebt in Marbach am Neckar, wo sie zusammen mit anderen Kolleginnen ein Literaturbüro für Lektorat, Übersetzung und Kulturprojekte betreibt.


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