Nilsson | Heimkehr. Morten Harkets prägende Phase 1993-1998 | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Nilsson Heimkehr. Morten Harkets prägende Phase 1993-1998

Seine Aktivitäten in Sachen Klima,Politik und Menschenrechte

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-85445-696-4
Verlag: Hannibal Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Popstar auf Solopfaden – Morten Harket besinnt sich

1991 steht Morten Harket im ausverkauften Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro vor 195.000 feiernden Fans auf der Bühne. In diesem Moment, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, kommt dem a-ha-Frontmann eine Erkenntnis: Er will, er kann so nicht mehr weitermachen! Mit diesem Tag beginnt für ihn eine Art Reinigungsprozess, der nicht nur a-ha, sondern sein ganzes Leben beruflich wie privat völlig umkrempeln wird.

Als er zwei Jahre später schließlich in seine norwegische Heimat zurückkehrt, schlägt er konsequent einen Weg ein, der für einen international gefeierten Star zunächst einmal höchst ungewöhnlich erscheint. Anstatt weiter auf a-ha zu setzen, entscheidet sich Harket dafür, eigene Wege zu gehen. „Selbst schreiben, selbst komponieren“ lautet die Devise. Das Ergebnis ist Wild Seed, sein erstes Soloalbum, mit dem er ganz neue Töne anschlägt: nachdenklich und politisch.

Der Journalist Ørjan Nilsson setzt sich in Heimkehr mit dieser Phase des Umbruchs und der persönlichen Neuausrichtung auseinander und schildert die Jahre von 1993 bis 1998, die sowohl für den Künstler als auch für die Person Morten Harket besonders prägend waren. Der Sänger arbeitete konzentriert an seiner Solokarriere, widmete sich aber zugleich ebenso engagiert politischen Themen, besonders dem Schutz von Klima und Menschenrechten. Heimkehr zeigt Morten Harket von einer bisher weitgehend unbekannten Seite: nicht als den schillernden Sänger von a-ha, auf den ihn die Presse gern reduziert, sondern als einen Mann auf der Suche – nach sich selbst und den Dingen, die im Leben wirklich zählen.

„Wir waren erschöpft, alle drei, und ich hatte meine Rolle als Frontmann gründlich satt. Ich zog mich leise raus, weil ich die enorme Unzufriedenheit in der Band erkannte. Wahr ist, dass wir uns als Band zutiefst missverstanden fühlten.“
Morten Harket
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Das Album, das niemand gehört hat I Die Arme. Da ist etwas mit der Haltung der Arme im Verhältnis zum Rest des Körpers. Ein Stück weg vom Körper, so als müssten die Arme das Ego stützen oder den kostbaren Leib, den sie flankieren, mit der Stimme mittendrin als Dreh- und Angelpunkt sowie Kraftzentrum. Morten Harket hält seine Arme so. Nicht weil die Muskelmasse so voluminös ist, dass die Arme nicht weiter an den Körper herangepresst werden könnten, sondern vielleicht als ein Zug seines Charakters. Es sieht besser aus. Die Arme neigen sich sanft nach unten, das Handgelenk jedoch weist eine leichte Krümmung nach innen auf. Auf dem Cover zu Wild Seed (1995), Morten Harkets erfolgreichstem Soloalbum, befinden sich die Hände in dieser ihm ganz eigenen Haltung. Mit der einen Hand hält er eine Schreibmaschine im Vintage-Stil, als Andeutung auf die Songwriter-Ambitionen. Die gleiche Haltung haben seine Hände bei unserem ersten Treffen zu diesem Buch. Sie ruhen auf einem derben Holztisch in der Kongens gate in Oslo. Anlass ist eine Besprechung für ein Buch über die Jahre 1993, 1994, 1995, 1996, 1997 und 1998. Es ist ein Tag im April 2018. Morten hat es nicht geschafft, vor dem Termin Mittag zu essen, und taucht deshalb mit zwei Stück saftigem Möhrenkuchen auf. Durch das zum Hinterhof geöffnete Fenster erklingt das frühlingshafte Falsett der Vögel. „In gewisser Hinsicht war ich doch die ‚Gesangsdame‘ von a-ha – vor Wild Seed“, ertönt es von der anderen Seite des Tisches, gefolgt von Stille. „Ja, was ist mit deiner Solokarriere, Morten?“, unternehme ich einen Versuch. „Sie ist voller Höhen … und einzelner Tiefen.“ Er lächelt verschmitzt. Blinzelt. Wie er es all die Jahre auf Fotos, auf der Bühne und im Fernsehen getan hat. Das ist ein anderer Zug an Morten Harket. Genau so einer wie mit den Armen. Einige Stimmen übersteigen nahezu das Auffassungsvermögen. Der Klang dieses menschlichen Instruments, die Kraft, Schönheit und Präzision der Stimme führt in einigen Fällen dazu, dass Menschen mit Tränen, Zittern und Gänsehaut reagieren. Mitunter ist man regelrecht gelähmt. Passieren kann das in der Kirche, auf einem Popkonzert, in der Oper, überall auf der Welt. Für viele hat Morten Harket eine solche Stimme. Eine Stimme, die die Tonspur des Lebens vieler Menschen prägt. Eine Stimme, die seit 1985 bei Menschen in vielen Teilen der Welt Gefühlsreaktionen auslöst. Allem voran dank seiner Rolle als Frontmann von a-ha. Dieses Buch widmet sich hingegen einigen intensiven Jahren in den Neunzigern, weitestgehend ohne a-ha. Es sind Jahre, in denen aus Morten Harket neue Songs heraussprudelten – sehr viele von ihnen wurden nie veröffentlicht. Es sind Jahre, in denen es um die Gitarre geht, darum, zu schreiben und die Musik in neue Richtungen zu führen. Einige Leitlinien aus diesen Jahren flossen in die weitere Karriere ein, andere blieben auf der Strecke. Es sind die ersten Jahre als Solokünstler, das erste Sich-Freimachen von a-ha, Jahre mit großen Höhen und in Sachen Karriere durchaus absurden Entwicklungen. In persönlicher und künstlerischer Hinsicht eine Zeit des Umbruchs. Neben dem enormen Erfolg als Solokünstler ging es in diesen Jahren um so viel mehr. Um Osttimor und ein Konzert in einem Frauengefängnis. Um Gott. Ein erwachendes Interesse an norwegischer Poesie. Konzerte in Hønefoss, London und auf dem Momarkedet-Festival, eine Naturserie für TV3 und einen Moderatorenjob beim Eurovision Song Contest. Er brillierte, weit über die Stimmpracht hinaus. Gleichzeitig aber erweist sich Harkets Sololaufbahn auch als gewundener und scheinbar richtungsloser Wanderpfad. Sie umfasst einen Pulk von Menschen (die meisten davon wurden in Verbindung mit diesem Buch interviewt) sowie eine Reihe verschiedener Projekte. Morten Harkets Solokarriere scheint auf der Zufallsmethode zu beruhen. „Ja, und das ganz bewusst. Es ist nie mein Ziel gewesen, eine Karriere aufzubauen, auch habe ich mich nicht besonders für die Musikbranche interessiert“, sagt er, einen Zeigefinger auf den Tisch gepresst. Das ist eine milde Variante der Art von Aussagen, die dazu führen, dass viele nicht genau wissen, wo sie Morten Harket einordnen sollen. Ein bekanntes Phänomen. Während das gesangliche Vermögen sich sanft seinen Weg in die Gehörgänge bahnt, raufen sich viele die Haare, wenn er sich zu Wort meldet. Ist er ganz woanders? Ist er zu scharfsinnig? Folgt er einem einigermaßen logischen Gedankengang? Agiert er auf einer anderen Ebene? Leistet er selbst dem ihm verpassten Etikett des Nebulösen Vorschub, oder ist er einfach so? Er führt es näher aus: „Die Karriere war eine direkte Folge dessen, was ich in der Musik gemacht habe. Alles drumherum geschah infolgedessen. Ich habe es getan, weil ich für Musik brenne, nicht für die Branche. Was abgesehen davon – und das in relativ hohem Maße – meinen Weg beeinflusst hat, ist all dieser alltägliche Lärm, den eine große Karriere mit sich bringt. Das schränkt die Bewegungsfreiheit ein, sowohl die körperliche als auch die geistige. Das beeinflusst auch mein Tun. Manche Dinge habe ich zudem aus Trotz gegenüber der Karrierepolizei getan.“ Einiges von dem, was er sagt, grenzt an etwas Chuck-Norris-Artiges. Dessen ist er sich voll und ganz bewusst. Seit langem. 1993 erschien das Album Poetenes Evangelium, durchweg in norwegischer Sprache, mit Morten als Sänger. Mit Songtiteln wie „Hymne til Josef“ (Hymne an Josef) und „Elisabeth synger ved Johannes døperens død“ (Elisabeth singt beim Tod von Johannes dem Täufer). Ein christliches Album. Es ist der Auftakt zu Morten Harkets Agieren in der Arena der Solokünstler nach der ersten großen Welle des Erfolgs von a-ha, die 1985 ihren Anfang nahm. Die Emanzipation. Mehr über Poetenes Evangelium später. Im selben Jahr nahm er ein Album auf, das nie veröffentlicht wurde, das kaum einer gehört hat. Noch weniger haben eine Kopie davon. Eines dieser wenigen Exemplare befindet sich in einem Haus im Londoner Stadtteil Richmond. Wenn es nach Morten geht, dann bleibt es auch dort. Obwohl zwei Songs ihren Weg auf YouTube gefunden haben, ist diese Platte noch immer ein Missing Link. Die Hintergründe sind folgende: Als a-ha 1983 den Plattenvertrag mit Warner Brothers unterzeichneten, sicherte sich das Unternehmen gleichzeitig die Rechte an eventuellen zukünftigen Soloalben der Bandmitglieder, zumindest am jeweils ersten. Das ist vielerorts gängige Praxis. Andrew Wickham, der Brite, der a-ha 1983 zu Warner holte, hielt große Stücke auf Morten. In seinem Büro soll er Bilder von Muhammad Ali, Elvis, Richard Nixon und Morten Harket gehabt haben. 1993, während a-ha ein bisschen die Luft ausging und die Band sich auf dem Weg in ihre erste längere Pause befand, die von 1994 bis 1998 dauerte, einigten sich Morten und Warner auf ein Soloalbum. Sein erstes. Wickham fungierte als Architekt im Hintergrund, zusammen mit Terry Slater – der in den ersten Jahren nach dem großen Durchbruch 1985 als a-ha-Manager zur Legende wurde –, zudem heuerte er für das Projekt den ehemaligen a-ha-Produzenten Alan Tarney an. Das Album wurde aufgenommen, aber dann geschah nichts. Hier ist die Erklärung: „Ich wollte ins tiefe Wasser springen, wusste aber auch, dass sich mit Tarney als Produzent im Meer Klippen befinden. Da würde sich das Album schnell von einem gedachten Produkt – sehr konkret – zu etwas entwickeln, das ich nicht hätte abbremsen können. Ich war bereit, selbst zu schreiben, hatte aber noch nicht damit angefangen. Ich suchte nach einem Punkt, an dem ich ansetzen konnte, und war gezwungen, mich selbst in eine Ecke zu drängen, um mich anschließend wieder daraus zu befreien. Ich wusste nicht, wo das enden würde, ob es ein gemeinsames Projekt werden oder ob ich feststellen würde, dass ich ‚die Stimme‘, um selbst zu schreiben, nicht fand. Es war nicht meine Absicht, Tarneys Projekt durch mein eigenes zu verdrängen. Als ich aber nach und nach die Lieder bekam, wurde klar, dass es sich hier um zwei verschiedene Projekte handelte. Als der ganze Prozess mit dem Soloalbum begann und ich bei Warner unterschrieb, wusste ich, dass ich an einem Scheideweg stand: als Künstler fortzufahren oder etwas komplett anderes zu machen.“ Heute – 25 Jahre später: Was geschah eigentlich mit dem Album, das die Welt nie zu hören bekam? Morten erklärt: „Andy Wickham meinte, Pål und Magne seien schwierig. Zudem war er der Ansicht, a-ha hätten offensichtliche internationale Möglichkeiten nicht genutzt. Unter anderem verfolgten wir die USA nicht weiter. Stattdessen machten wir ein ums andere Mal etwas anderes. Er hatte den Traum, dass ich ein Album einspielen würde. Er wollte meine Stimme und Alan Tarney als Produzenten sowie Songs, die wir gemeinsam finden sollten. Er glaubte, das würde ein Knaller werden.“ Die Plattenfirma zahlte Morten einen soliden Vorschuss, und er machte sich auf nach London, nach Wimbledon ins RG Jones Studio. Die Melodien hatte Tarneys Sohn Oliver geschrieben. Die Texte stammten von seinem Freund aus Kindertagen, Robert Carr. Oliver arbeitet heute übrigens im Bereich Filmmusik – als Sounddesigner – und konnte unter anderem zwei Oscar-Nominierungen für sich verbuchen. Als die beiden Jugendfreunde damals die Songs schrieben, waren sie Studenten, und Carr hatte sich in die Texte von Paddy McAloon von der...


Nilsson, Ørjan
Ørjan Nilsson leitet die Kulturredaktion der norwegischen Tageszeitung Bergensavisen. Er verfasste bereits die Biografie der norwegischen Independent-Helden Kings Of Convenience und veröffentlichte mit Tears From A Stone die Biografie von a-ha-Gitarrist Pål Waaktaar, die auch auf Deutsch erschienen ist.


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