Mertes | Sein Leben hingeben | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 46, 80 Seiten

Reihe: Ignatianische Impulse

Mertes Sein Leben hingeben

Suizid, Martyrium und der Tod Jesu

E-Book, Deutsch, Band 46, 80 Seiten

Reihe: Ignatianische Impulse

ISBN: 978-3-429-03310-1
Verlag: Echter
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Warum war Jesu Tod kein Suizid? Was ist von "Suizid-Attentätern" zu halten? Was ist ein Martyrer? Was bedeutet der Martyrertod Jesu für uns? Kann man aus Liebe sein Leben hingeben? Aus ignatianischem Denken hilft Klaus Mertes, in dieser Frage über Leben und Tod die Geister zu unterscheiden.
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1;Inhalt;6
2;Vorwort;8
3;1. Streit um das Suizidverbot – was gebietet der Respekt vor der Menschenwürde?;13
4;2. Nicht-suizidales Martyrium – kein Vorrang der Nächstenliebe vor der Selbstliebe;18
5;3. Über die Selbstliebe – Torheit und Vernünftigkeit der Liebe;24
6;4. Auferstehung des Martyrers – Gewissheit und Absichtslosigkeit;28
7;5. Sühne durch Martyrium – die eigenen Sünden und die Sünden des Volkes;32
8;6. Frucht der Sühne – die verborgene, bessere Gestalt sichtbar machen;34
9;7. Warum überhaupt Sühne bei Gott? – die Problematik des Gottesbildes;40
10;8. Vergeltung und Versöhnung – das Talionsprinzip als Falle und Ausweg;43
11;9. Versöhnung aus reiner Gnade? – das Mitwirken des Sünders an seiner Versöhnung als Gnade;47
12;10. Gott und Sühne – Versöhnung durch Kult und Liebe;50
13;11. Der Tod Jesu für mich – die Menschlichkeit des Martyriums Jesu heute;53
14;12. Die Aktivität Gottes beim Tod Jesu – der Unterschied zwischen Judas und dem Vater Jesu;57
15;13. Das Abendmahl – die Bedeutung der letzten Worte;61
16;14. Sind Soldaten Martyrer? – Ambivalenzen am Beispiel des Ignatius von Loyola;64
17;15. Der Soldat als Waffe – Martyrer sind keine Soldaten;69
18;16. Richtet nicht – abschließende Anmerkung;73
19;Anmerkungen;77


7. Warum überhaupt Sühne bei Gott? – die Problematik des Gottesbildes (S. 39-40)

Warum überhaupt Sühne? Nehmen wir an, dass der Martyrertod tatsächlich Sünden sühnt, so bleibt doch die Frage, ob »man«, also Gott, nicht auf diese Sühne grundsätzlich verzichten könnte. Könnte Gott nicht vollkommen darauf verzichten? Oder fordert Gott im Namen der Gerechtigkeit ein Sühnopfer von uns? Fordert er den Martyrertod und gibt sich erst zufrieden, wenn sich einer findet, der ihn stirbt? Will er von uns versöhnlich gestimmt werden, bevor er vergibt? Die Fragen machen ein Problem des Gottesbildes deutlich, das hinter vielen Anfragen an die Sühne-Theologie steht. Wenn Gott so wäre, wie die Frager befürchten, dann würde tatsächlich etwas nicht stimmen.

Verschärft wird die Frage durch die Wirkungsgeschichte der »Satisfaktionstheorie« des Anselm von Canterbury.  Sie stammt aus dem Mittelalter, steht aber bis heute Pate bei mancher vehementen Ablehnung oder Verteidigung des Sühne-Gedankens im Zusammenhang des Todes Jesu. Vereinfacht gesagt, lautet die Theorie Anselms so: Gott ist durch die Sünde des Menschen unendlich verletzt. Dabei hängt die Unendlichkeit der Verletzung mit der Unendlichkeit Gottes zusammen, nicht mit der Unendlichkeit der Sünde. Die Sünde bekommt nämlich ihr Gewicht erst durch den, gegen den sie sich richtet. Eine Sünde gegen einen Menschen ist endlich, weil der Mensch endlich ist, eine Sünde gegen Gott hingegen unendlich, weil Gott unendlich ist. Weil aber die Sünde gegen Gott unendlich ist, bedarf es einer unendlichen »Genugtuung«, eines unendlichen Ausgleichs durch den Täter. Diesen Ausgleich kann der Mensch aber nicht leisten, und zwar deswegen nicht, weil er endlich ist. Es muss also der Gottessohn Mensch werden, um von der Täterseite her durch seinen Tod den Ausgleich zu schaffen, den er leisten kann, weil er der unendliche Sohn des Vaters ist.

Texte aus dem Neuen Testament scheinen diesen Gedanken zu bestätigen. Die »Sendung« des Sohnes »als Sühne für unsere Sünden« (1 Joh 4,10), die »Hingabe« des Sohnes durch den Vater in den Tod (Röm 8,32): Solche Sätze wiesen – missverstanden – auf ein Menschenopfer hin, dessen Entrichtung Gott für die Versöhnung verlangt. Dass er dabei seinen eigenen Sohn opfert und keine anderen Menschenkinder, macht die Sache nicht besser. Eher wirkt es wie ein Trick, um die Vorstellung von Gottes Liebe angesichts eines geforderten Menschenopfers überhaupt noch zu retten – als würde Gott aus Liebe zu uns den Sohn opfern, um uns zu ersparen, Gleiches mit unseren Erstgeborenen zu tun. Gerade die komplizierten gedanklichen Operationen um das Isaak-Opfer Abrahams (vgl. Gen 22) machen deutlich, in welche Fallstricke man geraten kann, wenn man in diese Richtung weiterzudenken versucht: So wie Gott damals von Abraham forderte, seinen einzigen Sohn Isaak zu opfern, so fordert er dieses Opfer nun angeblich von sich selbst. Und wie Abraham bereit war, dem Befehl Gottes zu folgen, so ist Gott nun angeblich bereit, seinen Sohn zu opfern. Lässt sich unter diesen Voraussetzungen die Opferung des eigenen Sohnes durch Gott als dessen Liebestat zu den Menschen interpretieren?


Klaus Mertes SJ, geb. 1954, seit 1988 Lehrer in den Fächern Religion und Latein; seit 2000 Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin.


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