Meier / Woll | Portugiesische Märchen | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 100 Seiten

Meier / Woll Portugiesische Märchen

E-Book, Deutsch, 100 Seiten

ISBN: 978-3-641-13946-9
Verlag: Diederichs
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das E-Book für den Portugal Urlaub!Rund 120 Märchen aus den verschiedenen Provinzen des festländischen Portugal, aus Madeira, von den Azoren und dem ebenfalls portugiesischsprachigen Galicien füllen diesen Band. Die maurische Vergangenheit der Pyrenäenhalbinsel lebt als Erinnerung in den Wunder- und Zaubermärchen, Schwänken und Legenden.Die Diederichs-Reihe »Märchen der Weltliteratur« ist die umfassendste Sammlung ursprünglicher Erzählliteratur aller Völker und Zeiten. Sie versammelt das Schönste, was sich die Menschen je erzählt haben: Mythen und Legenden, Göttersagen und Dämonengeschichten, Feen- und Zaubermärchen, gewitzte Tierfabeln und herrliche Schwänke. Wer die Eigenart anderer Völker verstehen will, wird hier Wege abseits des Mainstreams finden. Eine moderne Märchenbibliothek für eBook-Leser.
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»Die Lösung des Rätsels des Bauernburschen ist folgende: ›Ich schoß auf das, was ich sah, und tötete, was ich nicht sah‹ bedeutet, daß er auf eine Häsin schoß, die er unterwegs fand, die war trächtig, so daß die Häschen starben. ›Ich briet in Gottes Worten mein Essen und hab es aufgegessen‹ bedeutet, daß er alles in den Blättern eines Breviers gebraten hat, mit denen er ein Feuer angezündet hatte.« Der König war sehr erstaunt über das Talent seiner Tochter und sagte, da er, der Bauernbursche, verloren habe, habe er kein Anrecht mehr auf die Hand der Prinzessin, er solle sich auf den Tod vorbereiten. Da geht der hin, stellt sich törichter, als er war, und sagt: »Die Prinzessin hat noch nicht alles erraten, denn ich habe noch ein anderes Rätsel, von dem ich schwören möchte, daß sie nicht imstande ist, dahinterzukommen.« Die Prinzessin gebot, er dürfe sprechen, da sagte er: »Ich kam an den Hof, ihr Leute,
Da waren drei Täubchen mein eigen,
Drei Federn warn meine Beute,
Ich kann, wenn’s beliebt, sie euch zeigen.« Die Prinzessin begann gerade nachzudenken, aber da zog er schon das erste Hemd hervor, und alle sahen, welcher Dame es gehörte. Er zog das zweite hervor und war im Begriff, das letzte Hemd herauszuziehen, als die Prinzessin, aus Angst vor der Schande, vor versammeltem Hof bloßgestellt zu werden, sich zu ihm wandte. »Zeig’s nicht, zeig’s nicht, denn ich seh schon, daß du der schlaueste Mann bist, der bisher an unseren Hof gekommen ist, und ich heirate dich.« 66. Prinzessin Carlota
Es war einmal ein König, der war Junggeselle, und seine Berater drängten ihn zur Heirat, damit er einen Thronfolger hinterließe. Der König war ein großer Liebhaber der Jagd, und jedesmal, wenn er auf die Jagd ging, kam er an einer Hütte vorbei, in der wohnte ein alter Hirt mit seiner schönen Tochter, die hieß Carlota. Eines Tages sagte der König zu der Tochter des Hirten : »Meine Edelleute wollen, daß ich heirate, und du bist die einzige, die ich gern habe. Willst du meine Frau werden?« »Das geht nicht, Herr, denn ich bin nur ein armes Hirtenmädchen.« »Das macht nichts, ich heirate dich trotzdem, aber unter einer Bedingung: daß du mir niemals widersprichst, so unvernünftige Dinge ich auch verlange.« »Ich bin zu allem bereit, was Eure Majestät mir befiehlt.« Die Hochzeit fand also statt. Vorher sandte der König königliche Gewänder in die Hütte des armen Alten, die zog sie an und legte ihre armseligen Kleider ab. Da sagte ihr Vater zu ihr: »Heb diese armselige Kleidung auf, vielleicht brauchst du sie eines Tages noch einmal.« Die Tochter verwahrte die zerlumpten Kleider in einem Kasten, den hinterließ sie ihrem Vater und zog auf das Schloß. Neun Monate später schenkte sie einem Töchterchen das Leben, das war so schön wie seine Mutter. Nach drei Tagen trat der König in das Gemach seiner Gemahlin und sagte zu ihr: »Ich bringe dir eine traurige Nachricht. Meine Edelleute wollen, daß ich unsere Tochter töten lasse, sie wollen sich nicht damit abfinden, daß sie einmal von der Tochter eines Hirtenmädchens regiert werden.« »Wie Eure Majestät befiehlt, ich gehorche«, antwortete die Königin, wobei ihr die Tränen in die Augen kamen. Der König nahm das Mädchen in Empfang und übergab es einem seiner Ratgeber. Einige Zeit darauf bekam die Königin einen Sohn, den der König unter dem gleichen Vorwand zum Töten abholen ließ. Jahre darauf trat der König erregt in das Gemach seiner Gemahlin und sagte zu ihr: »Ich bringe dir eine Nachricht, die ist von allen die traurigste. Meine Edelleute sind empört über mich. Sie wollen nicht, daß du Königin bist, und verlangen von mir, daß ich dich aus dem Schloß jage. Mach dich also fertig, liebe Carlota, und geh in die Hütte deines Vaters zurück.« »Seid unbesorgt, königlicher Herr, ich gehorche bereitwillig und gehe fort.« »Du mußt aber die königlichen Gewänder ausziehen.« »Das tu ich auf der Stelle.« Und die Königin zog alles aus bis auf das Hemd. »Das Hemd zieh ich nicht aus, denn es bedeckt den Leib, der unsere Kinder getragen hat«, sagte die Königin. Der König hatte nichts dagegen einzuwenden. Der alte Hirt stand an der Tür seiner Hütte, als er seine Tochter kommen sah. Er ging sofort hinein, holte die alten armseligen Kleider aus dem Kasten und brachte sie seiner Tochter. Sie zog sie ohne ein Wort der Klage an und führte nun wieder ihrfrüheres Hirtenleben. Für sie war das Leben als Königin nur ein Traum gewesen. Voll Wehmut dachte sie nur an ihre Kinder. Es vergingen Jahre, und der König kam wieder einmal an Carlotas Hütte vorbei und sagte ihr, die Edelleute drängten ihn zur Heirat, deswegen habe er beschlossen, eine schöne Prinzessin zu heiraten, die war fünfzehn Jahre alt. »In der Tat«, antwortete die Hirtin, »ein König, der so gut ist wie Eure Majestät, verdient Nachkommenschaft, die seinen Namen fortpflanzt.« »Ich komme auch, um dich zu bitten, wieder auf das Schloß zurückzukehren, um die Küchenmädchen zu beaufsichtigen. Du kannst dir denken, daß die Prinzessin mit edlem Gefolge einzieht, und sie bringt auch ihren jüngeren Bruder mit. Da möchte ich ihnen also mit einer fürstlichen Tafel aufwarten.« »Ich bin bereit, Eure Majestät braucht nur zu befehlen.« »Sie treffen morgen ein. Du mußt heute noch aufs Schloß kommen.« Carlota ging also, in ein armseliges Kleid aus Kattun gekleidet, das sie gewöhnlich zum Kirchgang anzog. Am nächsten Tag kamen die Braut und ihr Bruder mit anderen Edelleuten an, und bei ihrer Ankunft gab es große Festlichkeiten. Carlota führte die Aufsicht in der Küche, als der König sie aufsuchte. »Kommst du nicht, dir meine Braut anzuschauen?« »Ich warte auf jemanden, der mich hier ablöst, derweil ich gehe und zurückkomme.« Da kam eine Köchin, und Carlota ging, die Braut zu begrüßen. »Ihr seid sehr schön!« sagte Carlota und küßte der Braut die Hand. »Gott gebe Euch langes Leben und Gesundheit. Ihr seid des Königs würdig, den Ihr zum Mann erhaltet.« Das Mädchen war verblüfft. Da kniete der König vor Carlota nieder und sagte: »Weißt du, daß das unsere Kinder sind? Ich wollte dein Herz auf die Probe stellen. Du bist eine Hirtin und doch tausend Königinnen wert.« Da ging es ringsum ans Umarmen und Küssen. Der König hatte die Kinder bei einer Tante untergebracht, die sie erzogen hatte, wie es sich für Prinzen ziemt, statt sie zu töten, wie er der Königin gegenüber behauptet hatte. 67. Der Herrgott und der heilige Petrus in der Scheune
Ein Bauer ging in die Scheune, fand da unseren Herrgott und den heiligen Petrus, und der heilige Petrus stand am Scheunentor, unser Herrgott aber ganz hinten in der Scheune. Der Bauer meinte, daß es sich um diebische Landstreicher handelte, verabreichte dem an der Tür, dem heiligen Petrus, eine tüchtige Tracht Prügel und setzte dann beide vor die Tür. Am nächsten Tag kamen die armen Wanderer noch einmal zur Scheune zurück, und Petrus sagte zu unserem Herrgott: »Heute bleibst du am Tor, sonst erwischt’s mich noch mal.« So geschah es. Und wieder erscheint der Bauer, dem die Scheune gehörte, und sagt: »Liebe Freunde, jetzt wird’s mir aber zu bunt. Das letzte Mal hat der an der Tür die Schläge bezogen, heute ist der hinten in der Scheune dran.« So hatte der heilige Petrus immer das Nachsehen. 68. Ein Portugiese in Spanien
In einer spanischen Kirche wollte der Pfarrer eine Predigt halten und sagte: »Liebe Brüder, seht gut nach, ob ein Portugiese in der Kirche ist, dann setzt ihn an die Luft.« Sie warfen alle Portugiesen hinaus, aber einem gelang es, drinnen zu bleiben. Der Pfarrer begann nun seine Predigt: »Liebe Brüder, es gibt ein Ding, das hat Hörner wie ein Ochse und ist doch kein Ochse. Was mag das sein? Es hat Hufe wie ein Ochse und ist kein Ochse, was mag das sein? Es hat ein Fell wie ein Ochse und ist kein Ochse, nun, was mag das sein?« Und alle Spanier jammerten und sagten: »Lieber Gott, was kann das nur sein?« Dem Portugiesen wurde das allmählich langweilig, und er platzte los: »Wenn es kein Ochse ist, zum Teufel, dann ist es eine Kuh, ihr verdammten Galicier!« Da sagte der Pfarrer voller Wut: »Hab ich euch nicht gesagt, ihr sollt alle Portugiesen an die Luft setzen? Jetzt besch ... er mir die Predigt.« 69. Der ungetreue Verwalter
Es war einmal ein Vater, der hatte einen Sohn, und da er sehr arm war, schickte er ihn nach auswärts zur Arbeit. So kam er weit weg in einen Ort, wo er viel Geld verdiente. Sobald er konnte, tat er alles zusammen, was er verdient hatte, und machte sich auf den Weg in seinen Heimatort, um dort mit seinem Vater zusammenzuleben. Nun hatte er aber Angst vor Räubern und fragte, ob er wohl bei jemandem seinen Verdienst in Verwahrung geben könne. Man nannte ihm einen reichen Kaufmann, und der Junge suchte ihn auf. Er bat ihn, sein Geld in...


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