Fritzi Pferdeglück Sammelband 2
E-Book, Deutsch, 268 Seiten
ISBN: 978-3-649-63768-4
Verlag: Coppenrath
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fritzi und Julie, die beiden pferdeverrückten Freundinnen, verbringen ihre Ferien immer zusammen – und natürlich immer auf einem Reiterhof. Dabei erwartet sie jedes Mal ein neues Pferde-Abenteuer: So verirren sie sich auf der Nordseeinsel Spiekeroog beim Tölten mit Islandponys im Watt. Im Allgäu werden die friedlichen Ferien auf dem Haflingergestüt gestört, als eines der Pferde plötzlich losgaloppiert – mitten ins Gebirge. Auch im Merfelder Bruch sind die Freundinnen gefragt, als ein verängstigtes junges Wildpferd ihre Hilfe braucht …
Drei aufregende Reiterferiengeschichten mit Fritzi Pferdeglück in einem Band. Mit neuen Reitstilen und Pferderassen in jedem Abenteuer!
Weitere Infos & Material
3. Kapitel
Der Isländerhof Spiekeroog war mehr als nur traumhaft schön. Und dabei beeindruckte uns gar nicht mal so sehr das große Haus, in dem sich auch unser Appartement befand: mitten in den Dünen, mit unverbautem Blick auf die Pferdekoppeln. Vielmehr war es die Art, wie die Pferde hier gehalten wurden. So natürlich, so ursprünglich. Auf einer Weide, die schier grenzenlos wirkte, trotzten die Tiere einfach jedem Wetter. Rau, wild, frei – kein Wind schien ihnen zu eisig, kein Schneefall zu stark zu sein. Ja, sogar Julie war für einen ziemlich langen Moment sprachlos. Und das passierte wirklich selten. „Weißt du, Fritzi, was ich gestern gedacht habe, als Ben mir die Isländerherde schon kurz gezeigt hat?“, seufzte sie schließlich. „So soll es eigentlich sein. Immer unter freiem Himmel.“ „Dafür sind aber bestimmt nicht alle Rassen geeignet“, gab ich zu bedenken. „Oder könntest du dir vorstellen, dass Sunny bei diesem eisigen Wetter im hohen Schnee draußen auf der Weide übernachtet?“ Julie zuckte die Schultern. „Wenn sie es von Anfang an so gewöhnt wäre, bestimmt. Aber natürlich haben wir Menschen die Pferde total verweichlicht. Ben sagt immer, wir vermenschlichen sie.“ Darüber musste ich einen Augenblick nachdenken – und ja, Ben hatte recht. Auf einigen Reiterhöfen wurden die Pferde bei den harmlosesten Minusgraden sofort eingedeckt. Schließlich wollte keiner der Besitzer, dass ihnen ein zu langes Fell wuchs. Wenn die Tiere durchs Reiten ins Schwitzen gerieten, dauerte es dann nämlich ewig, bis das dicke Fell wieder getrocknet war. Und dann erkälteten sich die Pferde natürlich schneller. Einige Turnierpferde durften nicht einmal bei gutem Wetter auf die Weide. Die Gefahr, dass sie sich verletzen könnten, war den Besitzern einfach zu groß. Ich ließ meinen Blick mit gerunzelter Stirn über die weiten Weideflächen schweifen. Es war schon verrückt: Einerseits sorgten die Reiter sich um ihre Pferde, kauften das teuerste Futter, die beste Ausrüstung, impften regelmäßig, entwurmten, ließen sich das alles richtig viel kosten, und auf der anderen Seite muteten sie ihren „Lieblingen“ zu, den größten Teil ihres Lebens in einer kleinen Box zu verbringen. Am besten noch mit so wenig Kontakt zu anderen Pferden wie möglich. Sie könnten sich ja beißen oder sonst was Schlimmes antun. Und dabei ist doch völlig klar, dass für jedes Pferd ausreichende Bewegung und der Herdenverband superwichtig sind. Ich war froh, dass es auf dem Kronsberghof von Nele und Mathis anders gehandhabt wurde. Dort durften die Pferde wenigstens tagsüber auf die Weiden oder im Winter für ein paar Stunden auf den Paddock. Aber hier auf dem Isländerhof schien man wirklich alles daranzusetzen, dass die Tiere so ursprünglich und natürlich wie möglich leben konnten. Ich fand’s klasse. Richtig große Klasse. Sollte ich irgendwann einmal selbst das unfassbare Glück haben, ein eigenes Pferd zu besitzen, dann wollte ich es ähnlich frei und artgerecht halten, beschloss ich in diesem Moment. „Weißt du, Julie“, sagte ich zu meiner Freundin, „erst jetzt begreife ich so richtig, warum du Sunny bei Ben auf der Eagle-Free-Ranch gelassen und nicht mit nach Stuttgart genommen hast, obwohl du sie dort jeden Tag sehen und reiten könntest.“ Meine Freundin legte den Arm um meine Schulter und drückte mir einen Kuss auf die eisige Wange. „Das ist gut“, sagte sie nur. „Stimmt“, nickte ich und gab ihr einen Beste-Freundinnen-Kuss zurück. „Und was wollen wir jetzt tun?“, fragte Julie. „Zum Reiten ist es zu spät.“ Ich warf einen Blick auf meine Pferdemotiv-Armbanduhr. „Es ist doch gerade mal drei Uhr?!“ Kein Grund, aufs Reiten zu verzichten, fand ich. Schließlich waren wir deshalb hierhergekommen. Doch Julie schüttelte gleich den Kopf. „Kannst du vergessen. Spätestens um halb fünf wird es dunkel. Und wenn ich sage dunkel, dann ist das noch untertrieben. Hier ist es so finster, dass du nicht einmal die eigene Hand vor Augen siehst. Ich schwöre es dir.“ „Haben die denn keinen beleuchteten Reitplatz? Oder vielleicht sogar eine Reithalle?“ So schnell wollte ich nicht aufgeben. Erneut verneinte Julie. „Fehlanzeige. Eine Halle besitzt hier auf der Insel nur der Züchter, für den Ben die jungen Pferde angeritten hat. Aber dort kann man nicht reiten. Außerdem wollten wir doch Isländer reiten und keine jungen Trakehner, gelle?!“ „Okay“, gab ich mich geschlagen. Wenn’s nicht sein sollte, dann blieben ja noch morgen und übermorgen und überübermorgen und … „Aber wir können zu den Isis gehen, die im Offenstall direkt auf dem Hof sind“, schlug Julie vor. „Ich hab gestern schon mal ganz kurz über den Zaun gelugt.“ „Super Idee!“, freute ich mich. Leider sah Mama das gaaanz anders. Als wir nämlich auf dem Weg zum Stall an der Ferienwohnung vorbeikamen, pfiff sie uns erst einmal zu sich rüber. „Wo wollt ihr denn hin?“ Ich zuckte mit den Schultern. „In den Stall zu den Pferden. Julie meint, dass direkt auf dem Hof einige der Isländer im Offenstall sind.“ Mama legte die Stirn in Falten. Verdammt! Den Blick kannte ich leider zu gut. „Es wäre mir aber schon recht, wenn ihr erst einmal die Taschen auspacken und eure Sachen einräumen würdet. Die Pferde laufen euch bestimmt nicht weg.“ Julie sah erst Mama und dann mich verdutzt an. Auweia, bestimmt bereute sie schon jetzt, dass sie zu uns in die Ferienwohnung gezogen war. Wenn wir mit Ben unterwegs waren, war immer alles viel lockerer abgelaufen. Ob wir nun unsere Klamotten auspackten oder eben die ganze Zeit über aus dem Koffer lebten: Ihm war beides recht. Julie hatte mal gesagt, dass das davon käme, dass er ständig unterwegs wäre. Wenn er jedes Mal ein- und wieder auspackte, dann würde er ja quasi nichts anderes mehr tun. Ich fand’s total verständlich und schämte mich mit leuchtturmrotem Kopf wegen Mamas Genauigkeit und ihres übertriebenen Ordnungssinns. Menno! Doch wie so oft überraschte Julie mich. „O ja, entschuldigen Sie bitte, Frau Ludwig“, sagte sie und schenkte Mama ein gewinnendes Lächeln. „Wegen der ganzen Wiedersehensfreude und des tollen Hofs hier haben wir das glatt vergessen.“ Mama winkte großzügig ab. „Das verstehe ich natürlich.“ „Na, dann ist ja alles klar!“, rief ich fröhlich. „Bis später!“ Doch erneut wurde ich von meiner Mama ausgebremst. „Friederike?“ „Was?“ Hatte sie nicht gerade eben behauptet, dass sie Verständnis dafür hatte, dass es momentan viel Wichtigeres als Klamotten-in-den-Schrank-Hängen für uns gab? Meine Güte, war das anstrengend mit Mama. „Ich habe euch doch gebeten, erst einmal eure Aufgaben zu erledigen.“ Mamas Stimme klang leicht vorwurfsvoll. Schöne Bescherung, das wurde ja immer besser – und peinlicher. Aufgaben erledigen. Wie sich das anhörte. Was sollte Julie nur von uns denken? „Und anschließend würde ich gern mit euch zusammen die Insel erkunden.“ „Was?“, rief ich völlig von den Socken. Mamas Stirn sah aus wie die eines Faltenhundes. „Warum bist du darüber so erschrocken, Fritzi? Ich dachte, du freust dich, dass wir die nächsten fünf Tage alles zusammen machen werden?! Papa und ich haben schon ein Rundum-Eltern-Kind-beste-Freundin-Programm ausgearbeitet.“ „Nicht dein Ernst?“, keuchte ich fassungslos. Mama nickte. „Natürlich ist das mein Ernst!“ Ich schnappte nach Luft. O mein Gott, so hatte ich mir den gemeinsamen Urlaub bestimmt nicht vorgestellt. Julie und ich wollten die Insel erkunden. OHNE elterliche Begleitung. Reitend. Wild und frei. So wie die Isländer hinten auf den Weiden. „Sie grinst, Fritzi!“ Julie rammte mir den Ellbogen in die Seite. „W-wer?“, stammelte ich. Irgendwie stand ich gerade komplett auf dem Schlauch. „Deine Mama“, kicherte Julie. „Kapierst du es nicht? Sie hat dich vergackeiert!“ Ich sah Mama an. Ihre Unterlippe zuckte verräterisch. Dann prustete sie auch schon los. „Wie du geguckt hast, Fritzi. Zu herrlich.“ „Mama“, murrte ich vorwurfsvoll....