Das Interesse an Diagrammen, der Diagrammatik und diagrammatischem Denken hat in allen Bereichen der Kulturwissenschaften in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen. Es geht hier darum, Konstrukte verschiedener Art als Diagramme zu erkennen und zu analysieren, das Feld der Diagrammatik von den Leistungen dieser Konstrukte her zu definieren, sie aber vor allem in ihrer Bedeutung für Denk- und Erkenntnisprozesse wahrzunehmen. Diagramme sind aufgrund ihrer Abstraktionsleistung geeignet, auf die komplexe und in ihrer Komplexität letztlich weder begreifliche noch beschreibbare Welt so zu verweisen, dass sich Grundstrukturen ihrer Ordnung isolieren und daher graphisch anschaulich machen lassen und dass damit zugleich der naive Blick auf die Welt einem neuen, bewussten weicht: das Diagramm regt an, bestimmte Merkmale der abstrakt geschauten Ordnung im natürlichen Erscheinungsbild der Welt analytisch wahrzunehmen, sie ›wiederzuerkennen‹ und so die Welt auf bestimmte Aspekte ihrer Ordnung hin zu durchschauen. Die in Diagrammen dieser Art aufscheinenden Strukturen geben zugleich Einblick in das Wesen ihres Urhebers, sind Medien der Gotteserkenntnis.
Lutz / Jerjen / Putzo
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Weitere Infos & Material
Eckart Conrad Lutz (*1951), o. Prof. der Germanistischen Mediävistik an der Universität Freiburg Schweiz seit 1989; Publikationen zu Vorgängen des Schreibens, Lesens und Erkennens.
Vera Jerjen (*1984), Assistentin der Germanistischen Mediävistik an der Universität Freiburg Schweiz; Dissertation zu Thomasin von Zerclaere.
Christine Putzo (*1977), Maîtresse d’enseignement et de recherche für Germanistische Mediävistik an den Universitäten Lausanne und Neuchâtel seit 2013; Dissertation zu Konrad Fleck, ‚Flore und Blanscheflur‘; Habilitationsprojekt ‚Diagrammatisches Erzählen‘.