... auch wir haben häusliche Gewalt erlebt!
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-7693-7167-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Autoren/Hrsg.
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WENN AUS LIEBE EIN GEFÄNGNIS WIRD
von Norbert Krings Hey, mein Name ist Norbert, ich bin 25 Jahre alt und arbeite bei der Bundeswehr. Ich bin schwul und habe mich dazu entschieden, euch meine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte erzähle ich euch, weil ich euch Mut machen möchte. Ich weiß nicht, ob ihr dieses Buch lest, weil ihr in einer toxischen Beziehung steckt oder jemand aus eurer Umgebung. Meine Geschichte fing unschuldig an, und zwar im Jahr 2017. Ich habe C. in einer Cocktailbar kennengelernt, in der ich gearbeitet habe. An einem Abend haben wir unsere Nummern getauscht. Am Anfang, als wir geschrieben haben, war es eine On/Off-Zeit. Damals hat er gesagt, er muss viel arbeiten, deswegen meldet er sich so selten. Trotz seines verdächtigen Verhaltens und meinem schlechten Bauchgefühl kam es zum ersten Date. Bei diesem hat C. mich in ein italienisches Restaurant eingeladen. Es war sehr schön, wir haben beide Pasta gegessen und ein bisschen Wein getrunken. Am Ende hat C. angeboten, dass wir spazieren fahren und für mich war das etwas Neues. Nachdem wir durch die Stadt gefahren sind, stiegen wir aus dem Auto und ich habe die Tür etwas fester zugemacht. Es war das erste Mal, dass mich C. angeschrien und beleidigt hat. „Bist du eigentlich bescheuert?! Wie behindert muss man sein, um die Tür so zu knallen!!!“, schrie er mich an. Es war nicht das erste und letzte Mal, wo es mir passiert ist, dass ich die Tür etwas fester zugemacht habe. In diesem Moment habe ich mir gedacht: „Nein, so geht mit dir keiner um. Den siehst du nie wieder.“ Kurz nach dieser Situation bin ich nach Hause gefahren, da ich ziemlich müde war. Es hat nicht lange gedauert, bis ich mich wieder mit C. traf. Er hat sich für letztes Mal entschuldigt und seine Hilfe angeboten beim Möbelaufbau in meiner neuen WG. Seitdem lief erstmal alles perfekt. Er hat mir Rosen geschenkt und mich zum Essen ausgeführt. Als ich zwei Wochen im Urlaub war, hat er meine Couch aufgebaut und mein WG-Zimmer mit Hilfe von meinem Mitbewohner romantisch gestaltet. In der WG wohnte ich circa vier Monate und danach bat mich C., zu ihm zu ziehen. Ich fand diese Idee toll, wir haben uns schließlich jeden Tag getroffen und waren nach der kurzen Zeit in einer Beziehung. Ich bin in Polen großgeworden und schon von klein auf habe ich von einer Familie mit Kindern geträumt. C. sagte mir, es sei auch ein Traum von ihm. Ohne lange zu überlegen, habe ich dem Umzugsvorschlag zugestimmt, wir wären schließlich „seelenverwandt und füreinander bestimmt“, so sagte es mir C. jedes Mal. Mein Schatz war von Anfang an sehr eifersüchtig und wollte damals schon wissen, mit wem ich ausgehe und warum. Ich dachte mir: Okay, er liebt mich und macht sich Sorgen um mich. Es kam immer wieder zu kleinen Meinungsverschiedenheiten und ich dachte damals, es ist ganz normal. Schließlich passiert das in jeder Beziehung. Vom Beginn der Beziehung an hat C. mich immer wieder von der Arbeit abgeholt und auch zwischendurch dort besucht. Nachdem wir ein paar Monate zusammengewohnt haben, hat er Kameras in jedem Zimmer installiert. Die Begründung war ein Einbruch in der Vergangenheit. C. versicherte mir damals, dass keine Kamera in das Schlafzimmer kommt. C. hatte eine Putzfrau, deswegen habe ich mich im Schlafzimmer nie ganz umgeschaut. Als ich einmal von selbst aufgeräumt habe, entdeckte ich eine Kamera im Schlafzimmer. Die Kamera war sehr gut unter dem Schreibtisch versteckt und festgeschraubt. Ich wäre nie darauf gekommen, dort eine Kamera zu suchen. Die Kamera war gezielt auf das Bett gerichtet, um mich zu beobachten. Darauf habe ich C. angesprochen und er gab mir die Begründung: „Wenn ich nicht da bin, beobachte ich dich gerne beim Schlafen.“ Mein Bauchgefühl sagte mir immer wieder, es ist nicht richtig, was er macht, jedoch habe ich nie darauf gehört. Er wollte die Kameras nicht entfernen, obwohl ich ihn mehrmals darum bat. Ehe ich mich’s versah, hatte sich C. Zugriff auf mein Handy verschafft. Er hat außerdem eine Standortverfolgung über eine App eingerichtet. Als ich ihn gefragt habe, ob ich auch auf seine Geräte Zugriff bekomme, antwortete er: „Nein.“ Er hat mir auch immer sehr viele Fragen gestellt und dadurch alles über mich erfahren. Mit manchen Sachen hat er mich später bedroht, dass er jemandem davon erzählt, falls ich mich nicht so verhalte, wie er will. Auf meine Fragen hat C. nie geantwortet und immer das Thema gewechselt. Mit der Zeit hat er immer mehr über mich gewusst, jedoch ich gar nichts über ihn. Mit der Zeit wurde die Beziehung immer toxischer. Er hat mich immer mehr von anderen isoliert. C. hat mich über meine Freunde ausgefragt und gesagt, dass wir einen gemeinsamen Freundeskreis brauchen. Wenn meine damaligen Freunde gesagt haben, sie möchten ihn vorerst nicht kennenlernen, dann hatten sie einen schlechten Einfluss auf mich. Er hat mir gesagt, sie tun mir nicht gut und ich musste den Kontakt abbrechen. Über meinen Facebook- und WhatsApp-Account hat er die Leute beleidigt und blockiert, damit ich keinen Kontakt mehr mit ihnen habe. Zur Sicherheit hat er mir damals befohlen, die Nummer zu wechseln wie auch einen neuen Facebook-Account einzurichten. Bei dem ersten richtigen Streit, bei dem ich gesagt habe, dass wir uns trennen, hat C. meine Kleidung und Schuhe mit Wasser überschüttet, um es mir unmöglich zu machen zu gehen. Zu solchen Situationen kam es dann immer häufiger und sie eskalierten immer mehr. Es hat mit Wasser angefangen und später waren es dann Reinigungsmittel. C. hat Shampoos und Duschmittel über meinen Kopf geschüttet, damit ich duschen gehen musste und so die Wohnung nicht verlassen konnte. Er machte es so lange, bis ich versprochen hatte, dass ich mich beruhigte. Ich konnte C. trotzdem nicht verlassen. Er war für mich wie eine Droge. Er hat mir sehr geschadet und trotzdem wollte ich ihn nicht loslassen. Es lag auch daran, dass er nicht die ganze Zeit so war. Solange ich alles gemacht habe, wie er es sich wünschte, war es gut. Wenn ich was falsch gemacht habe, hat er mich auf unterschiedliche Art und Weise bestraft. 2019 haben wir uns einen Hund von einem Züchter geholt. Wir haben gehofft, dass der Hund uns mehr zusammenschweißt und sich alles zwischen uns bessert. Charlie war so süß und ich habe ihn von Anfang an sehr geliebt. Ich habe mich bemüht und im Internet nach verschiedenen Möglichkeiten gesucht, ihn zu erziehen. C. hat jedes Mal gesagt, dass ich mich zu wenig an der Erziehung beteilige und er würde es anders tun. Er hat angefangen, den Hund mit Gewalt zu erziehen … Jedes Mal, wenn das Tier etwas von der Straße aufgesammelt oder gefressen hat, war er ihm gegenüber gewalttätig. Es war immer sehr schmerzhaft für mich, das mit anzusehen. Ich konnte jedoch nichts anderes von C. erwarten. Er kannte das bereit so von seiner eigenen Familie. Sein Vater verhält sich genauso gegenüber seinen Hunden. Wenn ich mit dem Hund alleine unterwegs war, haben mich meine Freunde darauf hingewiesen, dass es dem Hund nicht gut geht. Man sieht es ihm an, dass er geschlagen wird, sagten sie zu mir. Sie haben mich auch gewarnt, dass ich der Nächste bin nach dem Hund. Das gab mir viel zu denken. Ich habe C. mehrfach gebeten aufzuhören, den Hund zu schlagen. Er hat immer wieder versprochen, dass er es nicht mehr tut. Ich war damals sehr großem Stress ausgesetzt. Ich habe eine Ausbildung gemacht zum Hotelfachmann und musste mich zusätzlich um die Hundebetreuung kümmern. Im Juli 2019 haben wir geheiratet, trotz des ständigen On/Off. Die einzige Angehörige aus meiner Familie, die dabei sein durfte, war meine Oma. Es war seine Bedingung und sie war auch die Trauzeugin von meiner Seite. Meine Eltern, wie auch mein Bruder, waren ebenfalls zu diesem Zeitpunkt in Deutschland. C. behauptete damals, dass sie unseren besonderen Tag zerstören. Meine Mutter war von dieser Situation sehr stark betroffen. Sie hat sehr viele Tage geweint und C. hat sie davon überzeugt, dass ich es nicht wollte, dass sie dabei ist. Nach der Hochzeit gab es sehr viele Höhen und Tiefen. Die ganzen Ereignisse und C.’s Verhalten haben mich immer mehr ans Ende getrieben und die ständige Kontrolle von seiner Seite nahm stetig zu. 2020 kam Corona und es wurde immer schlimmer. C. arbeitet bei der Bundeswehr. Damals ließ er sich freiwillig in die Niederlande versetzen. Angeblich hatte es viele Vorteilen gehabt. Obwohl ich es nicht wollte, das habe ich ihm mehrmals gesagt, hat er es umgesetzt. Die Wohnung in Deutschland sollte weiterhin für meine Ausbildungszwecke dienen, versprach er mir. Nachdem wir komplett in den Niederlanden gewohnt haben, hat er mir die Schlüssel von der deutschen Wohnung weggenommen und sie vermietet. Er versprach ebenfalls, die Fahrkarten zu zahlen wie auch andere Sachen. Dies hat er nur zeitweise gemacht. Ich habe immer mehr Schulden auf mich genommen, damit ich mir die Tickets von den Niederlanden nach Deutschland leisten konnte als Azubi. Die Aggressivität von C. habe ich immer mehr zu spüren bekommen. Mir wurde mit der Zeit klar, dass er sich nicht ändert, obwohl er es immer wieder versprach. Ich war mir sicher, dass der Umzug nur dazu diente, mich von meiner Familie zu trennen. So war ich das vollständige Eigentum von C. Wenn ich auf der Arbeit war, hat...