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Krauss | Ludwig I. von Bayern | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 642 Seiten

Krauss Ludwig I. von Bayern

Träume und Macht

E-Book, Deutsch, 642 Seiten

ISBN: 978-3-406-82913-0
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ludwig I. war ein hoch emotionaler Mensch: aufbrausend und heftig, spontan und unvorsichtig, enthusiastisch und begeisterungsfähig. Gegen die reservierte Zurückhaltung der höfischen Gesellschaft und die Vernunftbestimmtheit der aufgeklärten Beamtenschaft setzte er Vitalität und Leidenschaft. Noch nie kam man dem bedeutendsten bayerischen König so nahe wie in der neuen Biografie von Marita Krauss. Die Historikerin konnte Ludwigs Tagebuchaufzeichnungen und sein Träumebuch auswerten und rückt den König so in ein neues Licht.

Bekannt ist Ludwig I. (1786-1868) als Kunstsammler und Erbauer der Kunststadt München, als Philhellene und «teutscher» Patriot. Er war ein politisch versierter, äußerst diszipliniert arbeitender Regent, der für Bayern mit Kunst Politik machte. Hinter der Disziplin standen jedoch Leidenschaft, Mut und Schöpferkraft. Marita Krauss kann nun die Persönlichkeit des Königs genauer fassen, dessen Privatleben oft auf angeblich skandalöse Frauengeschichten reduziert wurde. Die Tagebücher zeigen seine reiche Gefühlswelt und seinen weiten Horizont, seine Originalität, seine Bereitschaft, über Grenzen zu gehen. Ludwig wollte seine Träume mit der Macht versöhnen, doch seine starke und vitale Persönlichkeit löste Widersprüche und Irritationen aus. Seine vielfach missverstandenen Verhältnisse zu Frauen wie der Marchesa Marianna Florenzi oder Lola Montez erweisen sich als die hoch idealisierten Liebesbeziehungen eines leidenschaftlichen Romantikers. Diese neue Biografie lässt neben den politischen Entwicklungen den Menschen Ludwig nahbarer werden und zeigt eindrücklich, welche Auswirkungen Gefühle auf politisches Handeln haben konnten.
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Einleitung
Ludwig I. ist in Bayern ungemein präsent – als Bauherr von Museen, Monumenten und Kirchen, als Gestalter ganzer Straßen und Plätze, von Eisenbahnen und Kanälen, als Sammler bedeutender Kunstwerke, als Stifter von Denkmälern und Glasfenstern, als Gründer und Initiator. Kein Herrscher hat Bayern und vor allem München so geprägt wie er. Hinter all dem werden eine große Kreativität und ein eiserner Herrscherwille sichtbar: Ludwig wollte das ererbte Königreich nicht nur verwalten, er wollte es gestalten. Und er wollte es selbst regieren. Vor allem dies löst bis heute Irritationen aus: Ein selbst regierender König erscheint für das 19. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß, für ein Jahrhundert, in dem das Bürgertum zunehmend Herrschaftsansprüche stellte, in dem Verfassungen Freiheitsrechte garantierten und die hohe Bürokratie vielfach die Regierung übernahm. Ludwigs Vater Max I. Joseph entspricht diesen Vorstellungen besser, überließ er doch Maximilian von Montgelas, seinem wichtigsten Minister und Vertrauten, einen großen Teil der Regierungsgeschäfte und stimmte grundlegenden Reformen zu. Diese Reformen werden zu Recht als «Revolution von oben» bezeichnet. Sie machten aus Bayern, damals noch Baiern, einen modernen Staat gemäß den Ideen der Aufklärung und begründeten den Aufstieg der hohen, gut qualifizierten Beamtenschaft zur hegemonialen Gruppe im Staat. Nicht zuletzt aus Sorge vor einem Verlust der gerade erst errungenen bayerischen Souveränität an den Deutschen Bund erließ Max I. Joseph 1818 die bayerische Verfassung, einen Meilenstein der frühkonstitutionellen Entwicklung. Ludwig war als Kronprinz der wichtigste Fürsprecher dieser Verfassung, er hoffte, durch sie die Identifikation der Bürger mit der bayerischen Monarchie zu stärken. Er lehnte aber jede «Ministerregierung» ab, die er als peinliche Einschränkung gesicherter monarchischer Rechte, des «monarchischen Prinzips», ansah. Ludwig, 1786 geboren, war als Kind, als Heranwachsender und als junger Mann von den Kriegen in Folge der Französischen Revolution und vor allem jenen Napoleons geprägt. Er erlebte am eigenen Leib das Ende des Ancien Régime und die kriegerische Geburt der neuen Zeit, begleitet von Lebensgefahr und Fluchten, dem Tod der Mutter und Exil. Er sah sich zwischen zwei Welten. In seinen Memoiren schrieb er: «Wie ich denn selbst zur alten und zur neuen Zeit und in zwei Jahrhunderte gehöre.»[1] 1806 wurde Bayern Königreich. Ludwig lebte fast acht Monate als Gast Napoleons in Paris, entdeckte den Louvre und die Pariser Theater, besuchte eine Schwimmschule in der Seine, war aufmerksamer Gast in Napoleons Staatsrat und beobachtete dessen bauliche Umgestaltung der Hauptstadt. In den folgenden Jahren des bayerischen Bündnisses mit Frankreich begleitete er einige Feldzüge der Napoleonischen Armee und führte auch selbst ein Kommando. Seit den Erfahrungen seiner frühen Jugend war er jedoch ein glühender Verfechter «teutscher» Einigkeit und Gegner französischer Hegemonie in Europa. Bei Bayerns Bündniswechsel zu Napoleons Gegnern 1813, dem Sieg der Alliierten, dem Wiener Kongress von 1814/15 und der Neukonstituierung einer europäischen Friedensordnung war er bereits ein erwachsener Mann. Gegen Ende seines Lebens bezeichnete er sich als «Ueberbleibsel Napoleonischer Zeit», einer Zeit der dramatischen Umbrüche alles Bestehenden mit einer schrecklichen Bilanz an Toten, die bei Ludwig zu einer tiefen Abneigung gegen den Krieg geführt hatte. Lebenslang blieb seine Sorge vor erneuten Übergriffen Frankreichs auf deutsches Territorium bestehen, und beharrlich versuchte er, doch noch seine alte Heimat wiederzugewinnen, die rechtsrheinische wittelsbachische «Kurpfalz», die im Wiener Kongress an Baden gegangen war. Visionär und machtbewusst. König Ludwig I. von Bayern in der Uniform eines Generalfeldmarschalls, Gemälde von Joseph Karl Stieler, 1831 Als König erlebte er dann eine lange Friedensepoche, die ihm viel Gestaltungsspielraum für seine Projekte ließ. Bayern war ein großer Mittelstaat, jedoch kein bedeutender Mitspieler im europäischen Konzert, das von Österreich und Preußen, England, Russland und Frankreich bestimmt wurde. Nur mit seinem Einsatz für den griechischen Freiheitskampf gegen die osmanische Herrschaft und in der Folge mit der Wahl seines Sohnes Otto zum König von Griechenland war Ludwig außenpolitisch auf der europäischen Bühne relevant. Sein wichtigstes Wirkungsfeld lag jedoch in der Innenpolitik. Als regierender König arbeitete er mit hoher Disziplin und größtem Fleiß, mit Akribie und Sorgfalt, mit finanzpolitischem Geschick und Sparsamkeit für einen ausgeglichenen Staatshaushalt und eine Neuordnung der Verhältnisse in der Friedenszeit. Und in Verwirklichung seiner großangelegten Pläne machte er Politik mit Kunst, Kultur und Geschichte. Bauen, Sammeln und Ausstellen waren seine Leidenschaft, und er wurde zu einem großen Mäzen und Förderer von Kunst und Architektur. Er gestaltete München um, baute aber auch deutsche Nationaldenkmäler wie die Walhalla bei Regensburg und die Befreiungshalle bei Kelheim. Seit 1832 und vor allem seit 1837 verschärfte sich sein politischer Kurs, von seiner anfänglichen Liberalität war nun nichts mehr zu spüren. Damit zog er die beißende Kritik derer auf sich, die auf ihn als Vorreiter einer liberalen Weiterentwicklung von Verfassung und Staat gehofft hatten. Diese Polarisierung bei der Bewertung der Person des Königs setzt sich bis heute fort. Ludwig trat in der Revolution von 1848 zurück, weil er fürchtete, nun nicht mehr auf seine Art regieren zu können. Zur Vorgeschichte dieses Rücktritts gehört die Affäre mit Lola Montez, die ihn als «spanische Tänzerin» bezaubert hatte und wohl auch wegen der Skandalisierungen der katholischen Partei aus Bayern vertrieben wurde.[2] Nach seinem Rücktritt lebte Ludwig noch 20 Jahre. Er wirkte weiterhin als Kunstkönig und konnte seine bedeutendsten Bauprojekte vollenden, und er blieb eine wichtige politische Ansprechperson, beispielsweise in der Krise von 1866. Hinter der dominanten, dynamischen und disziplinierten Herrscherpersönlichkeit, dem Sparmeister und unerbittlichen Vertreter des monarchischen Prinzips wird ein phantasiesprühender, hochgebildeter, begeisterungsfähiger und emotionaler Romantiker sichtbar, der schöne Frauen anbetete, für die Antike schwärmte und Gedichte veröffentlichte, ein liebevoller Vater von neun Kindern, ein Mann von schier unerschöpflicher Energie mit Lust am Leben, an der Liebe, an Kreativität – und am Regieren. Johann Wolfgang von Goethe bezeichnete ihn nach einer Begegnung als «dieses merkwürdige, vielbewegliche Individuum auf dem Throne», es wäre ihm ein großer Verlust, «diese Individualität, die mit aller Energie seines Willens so mächtig auf die Zeitgestaltung einwirke, nicht durchschaut zu haben».[3] Mit seinem von großen Emotionen geleiteten Charakter entsprach Ludwig in vieler Hinsicht nicht den Vorstellungen, die sich Zeitgenossen, aber auch Historikerinnen und Historiker von einem König machten. Doch viele der Widersprüche, die sie zu entdecken glaubten, finden sich eher im Auge der Betrachter. Über Ludwig I. wird bereits seit über 200 Jahren nachgedacht und geforscht, er steht im Mittelpunkt einiger großer und etlicher kleinerer Biografien, sein Briefwechsel mit seinem Architekten Leo von Klenze wurde in neun Bänden ediert, und von der Korrespondenz mit seinem Kunstagenten Johann Martin Wagner sind bereits fünf Bände erschienen.[4] Mit seinem sprichwörtlichen Arbeitsfleiß produzierte er wohl etwa 100.000 Signate, also handschriftliche Aktenvermerke, von denen bislang 3000 ediert sind.[5] Über Ludwig forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Disziplinen, von Architektur- und Kunsthistorikerinnen bis zu Missionsspezialisten. Warum nun noch ein weiteres Buch zu Ludwig? Mit der Monografie von Heinz Gollwitzer aus dem Jahr 1986 zu Ludwigs 200. Geburtstag liegt eine politische Biografie vor.[6] Gollwitzer nannte seine Publikation im Untertitel «Königtum im Vormärz», er stellte Ludwigs Regierungszeit in den Mittelpunkt seines Buches. Die Tagebücher des Königs interessierten ihn vor allem unter politischen Gesichtspunkten, obwohl er sie selbst im Vorwort als «unvergleichlich reichhaltige Quelle» bezeichnete.[7] Doch dem damaligen Zeitgeist...


Marita Krauss lehrte bis 2023 Europäische Regionalgeschichte an der Universität Augsburg. Sie ist freie Mitarbeiterin beim Bayerischen Rundfunk und Hauptberaterin der Bayerischen Landesausstellung 2025 zu Ludwig I.


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