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E-Book, Deutsch, 216 Seiten

Reihe: Frieling - Romane

Kleine Was wollt ihr?

Liebesreigen im bad der unverstandenen Frauen - Adaption von William Shakespeares Komödie "Was ihr wollt"

E-Book, Deutsch, 216 Seiten

Reihe: Frieling - Romane

ISBN: 978-3-8280-3687-1
Verlag: Frieling & Huffmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im Kurort Bad Pyrmont kommt es zu Verwirrungen und Verwicklungen um den Arzt Dr. Nedal Macaron, der in Wahrheit eine Ärztin ist.
Als diese aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Libanon flüchtete und in Deutschland ankam, entschied sie sich, die Rolle eines Mannes anzunehmen, um ihre Karrierechancen zu verbessern.
Nun steht sie zwischen der Chefärztin Rosa Melchers, die sich in den vermeintlichen Mann Dr. Nedal verliebt hat, und ihren eigenen Gefühlen für den Bäderdirektor Orsino, der in ihr aber auch nur einen männlichen Kollegen sieht.

Und als ob alles nicht schon kompliziert genug wäre, taucht Karim, Nedals verschollener, tot geglaubter Zwillingsbruder in Deutschland auf. Karim weckt die Begehrlichkeiten eines Mitarbeiters des Ausländeramts in Hannover. Dieser sorgt deshalb in Bad Pyrmont für weitere Verwirrungen. Dr. Nedal steht nun vor der Entscheidung, ob sie weiterhin die Rolle eines Mannes spielen oder eine erneute „Geschlechtsumwandlung“ zur Frau vornehmen will.

Ähnlich wie in Shakespeares Original „Was ihr wollt“ entwickelt die Handlung von „Was wollt ihr?“ amüsante Konstellationen um den Vertausch der Geschlechterrollen und der Identitäten. Peter Klein, der schon mehrere Shakespeare-Adaptionen veröffentlicht hat, wird auch diesmal seine Leserschaft brillant unterhalten.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Ich liebe deine Augen, die bedauernd,
Weil ja dein Herz mich quält mit Sprödigkeit,
In schwarzer Tracht wie liebe Freunde trauernd,
Mit reizendem Erbarmen schaun mein Leid.
Mir scheint, dass nicht die Sonn’ im Morgenrothe
Des Ostens grauer Wange schöner lässt,
Noch jener volle Stern, des Abends Bote,
Nur halb so stolz verklärt den ernsten West.
Wie dein Gesicht die trauernden Augen schmücken,
So schmück’ um mich die Trauer auch dein Herz;
Das Trauern steht dir einmal zum Entzücken,
Drum trag des Mitleids Farben allerwärts!
Dann will ich schwören, dass die Schönheit schwarz sei
Und garstig, wer nicht deiner Farb’ und Art sei. (William Shakespeare, Sonett 132, zitiert nach Jürgen Klein,
My love is as a fever, S. 273) NEDAL MACARON, HOLGER WEISHEIT
Seit mehr als drei Monaten hielt sie sich schon in der Flüchtlingsunterkunft in Hannover auf. Nedal war mit dem Flugzeug über Athen und Frankfurt nach Hannover gelangt, nachdem sie sich schweren Herzens entschlossen hatte, ihren Wohnsitz und ihre Praxis in Beirut aufzugeben. Sie befand sich in Lauerstellung, denn Holger Weisheit vom Ausländeramt Hannover bemühte sich sehr intensiv darum, ihr eine Stelle als Ärztin in dem Staatsbad Pyrmont zu vermitteln. Sie waren bereits in der niedersächsischen Kleinstadt gewesen, und Nedal hatte Feuer gefangen, in einem Kurbetrieb tätig zu werden, nachdem sie zu Hause in Beirut als niedergelassene Internistin gearbeitet hatte. Im Austausch mit ihrem Bruder Karim, der wie sie Facharzt für Innere Medizin war, war der gemeinsame Entschluss gereift, das vom Bürgerkrieg erschütterte Land zu verlassen und den Weg nach Europa zu suchen. Ihr Wohnhaus war zwar noch unversehrt – Nedal besaß die rechte Hälfte des Hauses, Karim die linke –, aber ihre Praxis war von Artilleriegeschossen und Granathagel so stark beschädigt worden, dass sie unter diesen Umständen gar nicht mehr arbeiten konnten. Karim und Nedal waren Zwillinge, beide von ihnen sprachen neben Englisch auch Französisch und Deutsch. Arabisch war natürlich ihre Muttersprache, doch auch mit der deutschen Sprache kamen sie recht gut zurecht, da ihr Vater Hubertus Macaron seinerzeit als Bankangestellter des Crédit Lyonnais aus Karlsruhe nach Beirut gegangen war, um dort die Frau für’s Leben kennenzulernen. Hubertus Macaron war zwar deutscher Staatsbürger, hatte jedoch französische Vorfahren, die aus dem Elsass kamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er aus Colmar nach Karlsruhe gezogen, um für den Crédit Lyonnais die neue Filiale zu konsolidieren und auszubauen. In Beirut arbeitete Hubertus Macaron mehrere Jahre, bis er in derselben Bank Mariam kennenlernte. Mariam war Christin, 1957 heirateten sie in der Maronitischen Kathedrale St. Georg, ein Jahr später kamen die Zwillinge Karim und Nedal zur Welt. Sie besuchten die Deutsche Internationale Schule in Beirut (DISB), die erst in den Fünfzigerjahren gegründet worden war. Nach dem Abitur studierten beide von ihnen Medizin in Beirut und Straßburg. Nachdem sie anfangs in dem staatlichen Hospital Karantina gearbeitet hatten, machte sich das Geschwisterpaar selbstständig und richtete eine eigene Praxis im Beiruter Stadtteil Jdeideh ein. Möglich wurde dieser Schritt durch den finanziellen Rückhalt des Vaters, der mittlerweile zu einem bescheidenen Wohlstand gelangt war. Karim und Nedal wurden Fachärzte für Innere Medizin, Rheumatologie und Arthrosekrankheiten. Ihre gemeinsame Praxis betrieben sie über mehrere Jahre, bis die Einschläge des Bürgerkriegs auch für sie immer bedrohlicher wurden. Die unterschiedlichen Volksgruppen und Religionsgemeinschaften hatten mittlerweile einen kompromisslosen Hass und brutale Aggressivität untereinander entwickelt, dass es schlechthin unmöglich war, mit Argumenten eine schlichtende Funktion übernehmen zu wollen. Die Regierung unter dem maronitischen Phalangisten Amin Gemayel bemühte sich zwar um Friedensgespräche mit den verfeindeten ethnischen Gruppen, doch als sich die christlichen Einheiten auch noch spalteten, schien überhaupt keine Perspektive für das Ende des Bürgerkriegs mehr absehbar. Drusen und Schiiten, Palästinenser, Soldaten der südlibanesischen Armee, muslimische Sunniten und christliche Phalangisten schlugen unerbittlich aufeinander ein und bombten sich zu Tode, dass es schließlich für viele Bewohner des Landes und insbesondere der Hauptstadt Beirut keine andere Möglichkeit mehr gab, als das Land zu verlassen und einen sicheren Platz in Europa oder Amerika aufzusuchen. Karim und Nedal, die bereits ihre Mutter in den Kriegswirren verloren hatten, rangen lange mit sich, ob sie sich dem Flüchtlingsstrom anschließen oder im Land bleiben sollten. Ihre Mutter war schon vor Jahren Oper eines Sprengstoffanschlags geworden, doch als schließlich auch der Vater bei einem Einkaufsgang von einem Mörsergeschoss tödlich getroffen wurde, wurde für sie klar, dass sie das Land verlassen wollten. Dennoch taten sie sich schwer trotz der widrigen Umstände, ihre vertraute Umgebung aufzugeben. Ihre Freunde, KollegInnen und PatientInnen waren ihnen sehr ans Herz gewachsen und hatten ihnen Beistand und Trost nach dem Verlust ihrer Eltern gewährt. Aufgrund der deutschen Herkunft beschlossen sie, nach Deutschland zu fliehen und um Asyl zu bitten. So wandten sie sich an die deutsche Botschaft und ließen sich über die Situation für Flüchtlinge informieren. Sie erhielten dort den Rat, die Nationalität des Vaters zum Anlass für eine Ausreise nach Deutschland zu nutzen. Da sie neben ihrem libanesischen auch einen deutschen Pass besaßen, bestand für sie die Möglichkeit der Ausreise nach Deutschland. Glücklicherweise wurde ihnen auch schnell diese Option angeboten, wobei der Flug über Athen nach Frankfurt gehen sollte. Dort werde sich die Ausländerbehörde um sie kümmern und ihnen eine erste Anlaufstation für den Aufenthalt in dem Gastland anbieten. Für ihre Flucht trafen die beiden Geschwister alle möglichen Vorbereitungen, die sich allerdings auf das Nötigste konzentrierten, denn sie wussten, dass sie gleichsam ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen mussten. Der Flug nach Athen war für Mittwoch, den 15. August, geplant. Zwei Tage vorher ging Karim noch einmal zur Bank, um zu regeln, was zu regeln war. Er verließ dazu gegen 14.00 Uhr das Haus, um mit seinem Citroën zum Crédit Lyonnais zu fahren. Nedal erwartete ihn gegen 17.00 Uhr zurück, aber Karim kam nicht. Sie ließ sich noch nicht aus der Ruhe bringen und war weiterhin damit beschäftigt, neben den Koffern zwei große Rucksäcke zu packen, die sie mitnehmen wollten. Karim war allerdings am Abend immer noch nicht da, was sie nunmehr ungeheuer beunruhigte. Sie ging in seine Wohnung, um zu klären, ob er eine Nachricht für sie hinterlegt hatte. Vergeblich, sie fand nichts. Karim war nicht aufzufinden. Sie hatte am Nachmittag die Raketeneinschläge im Bankenviertel vernommen und machte sich große Sorgen. In den späten Abendstunden legte sie sich zu Bett, konnte aber nicht einschlafen in der Hoffnung, am nächsten Morgen mehr Klarheit zu gewinnen. Doch auch am Dienstag vernahm sie kein Lebenszeichen von ihrem Bruder. Sie rief am Flughafen, bei der deutschen Botschaft, bei der Polizei an, aber niemand konnte ihr eine Auskunft geben. Sie versuchte ihr Glück bei „Ärzte ohne Grenzen“, die ihr lediglich mitteilen konnten, dass einige der Raketeneinschläge auch in der Nähe des Crédit Lyonnais verzeichnet worden waren. Sie machte sich auf den Weg zum Bankenviertel und ging den ganzen Bezirk zu Fuß ab. Der Schaden an vielen Gebäuden war unübersehbar, sodass sie langsam geneigt war zu glauben, dass Karim etwas zugestoßen war. Voller Panik wandte sie sich noch einmal an die MitarbeiterInnen der Botschaft, die sie zu beruhigen versuchten. Man versprach, sie zu informieren, sobald etwas Neues eingetreten sei. Mehr könne man ihr leider nicht sagen. Nedal war am Boden zerstört. Sie wusste, dass sich alle Bewohner der Stadt ständig in Lebensgefahr befanden. Der Verlust ihrer Eltern war genügend Beweis für diese Einschätzung. Sie war nicht verheiratet, hatte aber eine enge Bindung an ihren Bruder, der ihr eine riesige Stütze in allen Lebenslagen bedeutete. Durch ihn war es ihr auch möglich, in der männerdominierten Gesellschaft des Landes zu bestehen, wo sie sich im Gegensatz zu den muslimischen Frauen ohne Kopftuch und verhältnismäßig frei bewegen konnte. Doch was konnte sie tun ohne seine Protektion? Sie wusste, dass ihr Leben in Beirut ohne Karim völlig anders verlaufen würde und sie nicht mehr so unbeschwert arbeiten konnte. Mit Leib und Seele war sie Ärztin, doch sah sie augenblicklich und auf absehbare Zeit überhaupt keine ernsthafte Möglichkeit mehr, weiter zu praktizieren. Eine Frau, die eine Arztpraxis betrieb, musste immer mit einem enormen Patientenschwund rechnen, der die Fortsetzung ihrer Arbeit erschwerte, wenn nicht gar unmöglich machte. In Abwägung der Gesamtlage im schwer gezeichneten Beirut wurde...


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