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E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Kleine Verraten und Verkauft

Lug und Betrug

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

ISBN: 978-3-8280-3569-0
Verlag: Frieling & Huffmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Robert Cohen ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und führt mit seiner Familie ein sorgloses Leben im Überfluss. Als sein einstiger Jugendfreund Paul Austère nach Jahrzehnten der Funkstille um ein Wiedersehen bittet, ahnt niemand, dass der Familienfrieden schon bald ein jähes Ende finden wird. Denn als Robert bemerkt, wie blendend sich seine Ehefrau Pamela mit Paul versteht, entbrennt in ihm eine rasende Eifersucht, die sich zunehmend steigert und in einer verheerenden Mischung aus Paranoia und Tyrannei gipfelt. Als Pamela dann auch noch offenbart, dass sie ein Kind erwartet, verfällt Robert endgültig der Wahnvorstellung, das Opfer einer Intrige zu sein.
Von nun an ruht die zerstörerische Macht der Eifersucht über den Eheleuten und zieht sie hinab in einen Strudel aus Melancholie, Tod und Verfall. Wird die zerrüttete Familie je wieder zusammenfinden?
Bei diesem Roman handelt sich um eine Adaption von Shakespeares Wintermärchen, welche die Handlung und Charaktere des Originals aufgreift und ins England des 21. Jahrhunderts transportiert.
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Hermione: Wenn du uns suchst, so triffst du uns im Garten. (Das Wintermärchen, 1. Akt, 2. Szene, 178 f.) Am nächsten Morgen verließ Robert früh das Haus, um den dienstlichen Aufgaben im National Health Service in London nachzukommen, erklärte Pamela aber, dass er hoffe, am frühen Nachmittag wieder zurück zu sein. Paul fand sich gegen 9.00 Uhr zum Frühstück ein und war entzückt, mit Pamela allein die Zeit bei Tee, Bacon und Eggs verbringen zu können. Sie erzählte von Roberts großem Engagement im britischen Gesundheitswesen, das er als Justitiar auf Vordermann bringen wolle. Sie selbst sei früher dort auch beschäftigt gewesen, habe aber nach der Geburt von Marius ihre Berufstätigkeit unterbrochen. Sie erkundigte sich bei Paul nach seinen beruflichen Aufgaben in Neuseeland und war besonders interessiert an seinem Engagement im Agrarbereich innerhalb der Commonwealth-Staaten. Paul wunderte sich über ihren Sachverstand, der durch ihre gezielten und intelligenten Fragen in der Sache erkennbar wurde. Besonders aber faszinierte ihn immer wieder das betörende Lächeln der Frau, die er bislang nur vom Hörensagen, persönlich erst seit dem Vortag kannte. Pamela ließ ihn wissen, dass sie ein zweites Kind wünsche und hoffe, dass es bald so weit sei. Als sie ihn fragte, wann er denn wieder abreisen wolle, erklärte er, dass er am Wochenende den Flieger von London Heathrow nehmen müsse. Mit Interesse und Sympathie nahm er zur Kenntnis, dass sein Gegenüber ihr Bedauern über den kurzen Aufenthalt bekundete. Pamela erklärte, man könne doch Ausflüge nach Cambridge oder Bury St. Edmunds machen. Cambridge oder Bury St. Edmunds? Die Vorstellung dieser beiden Orte saß, sie traf einen Nerv bei Paul. Cambridge – mit diesem Namen verbanden sich für ihn ausgesprochen positive Erinnerungen. So hatte er dort studiert und seine berufliche Karriere vorbereitet. Cambridge, das war nicht einfach eine Stadt mit einer Universität. Jedermann in England und in anderen Ländern wusste, welche Bedeutung den Colleges dieser Stadt zukam. Gerne wäre er auch nach Oxford gegangen, doch hatte man ihn dort leider nicht sofort aufgenommen, so dass ihm stattdessen Cambridge verblieben war. Es war ihm aber klar, dass die beiden Universitätsstädte weltweit eine herausragende Bedeutung besaßen, so dass ihm ein Besuch in der Stadt an dem kleinen Flüsschen Cam sehr attraktiv erschien. Bury St. Edmunds – auch dieser Ort klang für Paul wie eine Rückkehr zu jüngeren Tagen, da er dort oft als Kind gewesen war. Seine Großeltern hatten dort gewohnt. Die Erinnerungen an den Ort weckten Gefühle der Geborgenheit und Freude. Seit dem Tod der Großmutter sei er dort nicht mehr gewesen, ließ er Pamela wissen. „Na, also“, griff Pamela seine Gedanken auf, „schön wäre es doch, alte Kindheitserinnerungen dort auffrischen und die schönen mittelalterlichen Städte wieder besuchen zu können. Wir können doch übermorgen dort gemeinsam hinfahren, wenn Robert noch einmal in London ist.“ Paul spürte, wie er in eine Zwickmühle geriet, denn er hatte den Rückflug bereits gebucht. „Ich werde es mir noch einmal überlegen“, kam die Antwort. Und er überlegte tatsächlich. Sehr intensiv und engagiert. „Lass uns doch ein wenig vor die Tür gehen“, schlug Pamela vor. „Wir können doch einmal das Tiergehege in Dalton aufsuchen.“ – Nichts sprach dagegen, und so machten sich die beiden auf den Weg, um am Nachmittag zurück zu sein und Robert bei seiner Rückkehr zu begrüßen. Gegen 16.00 Uhr traf Robert wieder zu Hause ein, sprang aus dem Auto und gab Pamela einen kurzen Kuss. Er begrüßte seinen Freund per Handschlag und fragte, wie der Tag gewesen sei. Sie nahmen Platz und erzählten bei Tee und Gebäck, was man in London oder zu Hause erlebt habe. Robert erklärte, leider müsse er an beiden nachfolgenden Tagen noch einmal nach London, so dass er mit seinen Gesundheitsfragen doch mehr beschäftigt sei als ursprünglich angenommen. Es sei schade, dass man kaum Gelegenheit habe, den Tag miteinander zu verbringen, zumal Paul ja so rasch wie möglich wieder heimmüsse. Pamela fiel ihm ins Wort und teilte ihrem Mann frohgemut mit: „Paul bleibt noch ein wenig länger, er fährt erst später.“ „O, Paul“, warf Robert ein, „das ist ja neu. Du hast gestern Abend doch gesagt, dass dein Flieger übermorgen gebucht sei.“ „Das ist richtig, Robert“, erwiderte der Angesprochene, „aber deine Frau machte den Vorschlag, übermorgen nach Bury zu fahren, wo ich früher oft bei meinen Großeltern war.“ „Geht das denn so ohne Weiteres? Ich wollte dich gestern doch überreden, länger zu bleiben, und du sagtest, das sei nicht möglich.“ „Deine Frau hat mich mit ihrem Charme betört und zur Verlängerung überredet.“ „Ist ja interessant, dass das so ohne Weiteres möglich ist. So, und was hast du morgen vor?“ „Morgen würde ich gerne einmal nach Cambridge fahren. Es wäre ja schön gewesen, wenn du mitkommen könntest.“ „Geht ja leider nicht, wie du weißt. Aber das wusste ich vorher ja auch nicht“, entgegnete Robert. „Aber ich könnte Paul ja begleiten, Bob,“ warf Pamela ein, denn meine Charity-Aufgaben für morgen kann ich auch noch um eine Woche verschieben. Wenn Paul mit meiner Gesellschaft einverstanden ist.“ Der Angesprochene zögerte nicht lange, sondern entgegnete sofort: „Das ist doch keine Frage. Gerne natürlich!“ Robert spürte ein deutliches Unbehagen, denn die unerwartete Aufenthaltsverlängerung seines Freundes wie auch die schnelle Reaktion, gerne mit seiner Frau nach Cambridge zu fahren, weckten ein gewisses Misstrauen. „Man scheint sich ja gut zu verstehen“, entfuhr es ihm, und er verließ die Teerunde. Abends kamen sie noch einmal in kleiner Runde zusammen, Marius hatte sich ausgeklinkt, da er die Gespräche der Erwachsenen als langweilig erachtete. Paul erzählte von seinen Aufgaben im größten neuseeländischen Obst- und Gemüsekonzern, von seinen schwierigen Mitarbeitern und dem Bemühen, die marktbeherrschende Position langfristig zu bewahren. Robert und Pamela hörten ihm zu, ohne allerdings auf seine Berichte einzugehen. Die Gespräche verliefen einseitig, da Robert auch keine Ambitionen verspürte, seine Sorgen um das britische Gesundheitssystem in dieser Runde vorzutragen. Man war höflich und reserviert zueinander, Pamela enthielt sich jeglicher Reaktionen und versuchte lediglich, durch ihre Körperhaltung und Mimik eine freundliche Atmosphäre zu bewahren. Gegen 22.00 Uhr verabschiedete sich Robert mit der Begründung, er habe morgen einen harten Tag und müsse fit sein. Pamela folgte ihm zehn Minuten später, nachdem sie sich mit Umarmung und kurzem Gruß von ihrem Gast verabschiedet hatte. Am folgenden Tag stiegen beide nach dem Frühstück in Pamelas Jaguar, um den kurzen Weg nach Cambridge zu bestreiten. Am Ziel angekommen, stellten sie den Wagen im Parkhaus der Innenstadt ab, wo Paul bereits bei den ersten Gebäuden in Begeisterung verfiel und von seinen Erinnerungen an die Colleges, Studentenkneipen und die langen Abende in den Parks schwärmte. „Du weißt, dass ich am Pembroke College studiert habe, dein Mann Robert am Trinity College. Wir haben uns abends oft hier getroffen, gemeinsam Sport getrieben und insbesondere im exklusiven Ruderverein mitgewirkt.“ Pamela, die schon oft mit Robert in Cambridge gewesen war, hatte niemals von diesen Freizeitvergnügungen ihres Mannes gehört, obwohl Paul immer wieder von seinen Freunden erzählte. Paul berichtete Pamela, dass er sehr stolz auf seinen französisch klingenden Namen gewesen sei, denn immer wieder sei er gefragt worden, ob er Franzose sei. „Franzose – nein“, führte Paul mit einer gewissen Genugtuung aus. „Aber französischer Abstammung, da meine Vorfahren als Hugenotten aus dem katholischen Frankreich geflohen sind. Du weißt, dass die meisten Hugenotten damals nach Deutschland gingen, da die protestantischen Fürsten um unsere Kompetenz und Gelehrsamkeit wussten. Meine Vorfahren wählten einen anderen Weg und kamen nach England, wo sie anfangs in der Nähe von Canterbury, später in London lebten.“ In der Auslage des University Bookshop Cambridge stießen sie auf eine auffällig große Abbildung des englischen Hosenbandordens: Der Orden, dessen Mittelpunkt das rote englische Georgskreuz auf weißem Grund war, präsentierte gut lesbar den schriftlichen Umlauf, den Paul in Bestätigung seiner französischen Abstammung laut verlas: „Honi soit, qui mal y pense.“ Sie schauten sich gemeinsam die Fotos der Feiern in Windsor Castle in den letzten Jahren an, als Paul sich an Pamela wandte: „Weißt du, wie die Deutschen das übersetzen?“ Pamela schien von dieser Frage überrascht und überfordert und entgegnete: „Keine Ahnung. Ich...


Kleine, Peter
Dr. Peter Kleine wurde 1953 im Emsland geboren und wuchs in Büren bei Paderborn auf. Nach dem Abitur studierte er Anglistik und Geschichte in Marburg. Bereits während des Studiums entdeckte er seine Faszination für Shakespeares Werke, woraufhin er über die Historiendramen des weltberühmten Dramatikers promovierte. Von 1979 bis 2018 war er in Amöneburg, Duisburg, Paderborn und Bad Driburg im Schuldienst tätig. Die Liebe zum Theater begleitet ihn ein Leben lang. Im Laufe der Jahre inszenierte er über 20 Theaterstücke, stets mit der Absicht, die Werke populärer Autoren authentisch und volksnah auf die Bühne zu bringen. Peter Kleine veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Didaktik des Englisch- und Geschichtsunterrichts, ehe er sich vollständig dem Verfassen von literarischen Texten widmete. Mit „Verraten und Verkauft“ veröffentlicht er nun seinen ersten Roman. Peter Kleine lebt heute in Bad Driburg.


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