Kishon | ... und die beste Ehefrau von allen | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Kishon ... und die beste Ehefrau von allen

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-7844-8104-3
Verlag: Langen-Müller
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Was kann ein Mann schon über eine Frau schreiben, die erstens seine eigene und zweitens völlig in Ordnung ist?" klagt Ephraim Kishon im Vorwort zu seinem "satirischen Geständnis" über die weltberühmte "beste Ehefrau von allen". Natürlich wird keiner seiner Leser Zweifel daran hegen, dass ihm dennoch Brillantes zum Thema geglückt ist und darüber hinaus ein köstliches Porträt eines Ehe- und Familienlebens.
Wir erfahren, dass auch Sara Kishon Gewichtsprobleme hat und für ihren Mann so schön angezogen sein will, dass darüber ein neues Jahr beginnt, dass auch bei Kishons die Babysitterfrage eine den Ehefreuden bedrohende Rolle spielt, wie sehr gemeinsame Reisen den Gesprächsstoff der Ehepartner bereichern, dass die Technik im Frauenleben auch heute noch eine gewisse Hürde ist und vieles mehr.
Vergnügliche Szenen einer Ehe also, herrliche Geschichten um Frauen und Männer, an denen sich wenig geändert hat, seit Eva ihren Adam in den berüchtigten Apfel beißen ließ.
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II
Wie schon erwähnt, erblickte die beste Ehefrau von allen das Licht der Welt im altvorderen Orient. Mehr noch: auch ihre Eltern und einige ihrer Großeltern stammen von hier. Das bedeutet in dieser Gegend, ein Angehöriger der wahren Aristokratie zu sein. Ich hingegen werde für alle Zeiten der ewige Neueinwanderer bleiben. Mit anderen Worten: ein Zugereister mit Wohnrecht. Sie ist die Lady – ich bin der Tramp. Sie la belle – und ich le bête, sie die Prinzessin – ich der Frosch. Unsere unterschiedliche Herkunft führt selbstverständlich hin und wieder zu Reibereien. Vornehmlich, wenn es um solche Dinge geht wie Wohnkultur, Eßkultur, Kultur, Gesellschaft, Kunst, Erziehung, Politik, Religion, Eheleben, das Leben im allgemeinen und den undefinierbaren Geschmack von schwarzen Oliven. Über alle anderen Punkte sind wir uns mehr oder weniger einig. Vor allem, wenn es um unsere gemeinsame Zukunft geht. Was unsere unvereinbare Vergangenheit betrifft, so möchte ich mich lieber nicht in Einzelheiten verlieren. Wann immer ich sie zum Beispiel zu einem ihrer jährlichen Klassentreffen begleite, komme ich mir vor wie von einem anderen Stern. Über diesen Krieg der Sterne habe ich bereits in einem meiner früheren Bücher eine höchst belehrende Abhandlung verfaßt, und dies scheint mir eine willkommene Gelegenheit zu sein, wieder einmal darauf zurückzugreifen. Mein Verleger allerdings warnte mich mit jenem leicht hysterischen Brio in der Stimme, welches erfolgreiche von erfolglosen Verlegern zu unterscheiden pflegt, daß ich diesem neuen Buch unter keinen wie immer gearteten Umständen auch nur eine einzige alte Geschichte beifügen dürfe. Die Leute, so sagte er, wollen nur nagelneue Satiren aus meiner Feder fließen sehen, sonst schreiben sie ihm ordinäre Briefe und nennen ihn einen heruntergekommenen Altwarenhändler, obwohl er eher emporgekommen aussieht. Ich persönlich glaube nicht so fanatisch an die Meriten neuer Nägel. Im Laufe der Jahre habe ich auf jedes mögliche Thema, dem ich über den Weg lief, etliche Tropfen Honig wie auch Essig recht wahllos versprüht. Jetzt, bei Durchsicht meiner vielen Bücher, glaube ich berechtigt zu sein, einige meiner liebsten Geschichten, die demselben Thema gewidmet sind, unter einem Dach zusammenzuführen. Der Disput zwischen mir und meinem geliebten Verleger war turbulent und kompromißlos und endete, so wie alles im Leben, mit einem Kompromiß. Ich erhielt die Erlaubnis, insgesamt sieben »klassische« Geschichten, weil sieben eine heilige Zahl ist, über die beste Ehefrau von allen diesem Buch einzuverleiben. Dies erreichte ich unter leidenschaftlichem Hinweis auf die Tatsache, daß die Auslassung dieser Geschichten die Figur meiner Frau »zu flach« machen würde. Wie jeder weiß, ist eine Friedensverhandlung eine Sache sowohl des Gebens als auch des Nehmens. Also habe ich meinen verängstigten Verleger dadurch zum Schweigen gebracht, daß ich jede einzelne dieser sieben Geschichten mit einem warnenden Stigma versehen habe. Nun kann der Leser selbst entscheiden, ob er das Risiko eingehen möchte, diese unsterbliche Geschichte nochmals zu lesen, oder ob er sie mit einem wissenden Lächeln überschlagen will. Ausschlaggebend für seine Entscheidung ist seine Kenntnis meiner gesammelten Werke, sein Geisteszustand und seine Beziehung zum Verlagswesen. Beim genaueren Überlegen kommt mir der erstaunliche Gedanke, daß dies der erste Fall in der Literaturgeschichte ist, wo der Autor in seinem eigenen Buch eine Art von literarischer Apartheit praktiziert. Und hier ist nun mein erstes literarisches Selbstplagiat. Mit gewinnendem Lächeln wandte sich die beste Ehefrau von allen an mich: »Höre, Liebling. Am nächsten Sonntag haben wir unsern Abituriententag.« »Wer – wir?« »Der Jahrgang 1953 meines Gymnasiums. Alle werden dort sein. Alle meine ehemaligen Schulkameradinnen und Schulkameraden. Wenn‘s dir nichts ausmacht, ich meine, wenn du Lust hast, dann komm bitte mit.« »Es macht mir etwas aus. Ich habe keine Lust. Bitte geh allein.« »Allein geh ich nicht. Du willst mir nicht den kleinsten Gefallen tun. Es ist immer dasselbe.« Ich ging mit. Alle waren dort. Alle waren in bester Laune, wie immer bei solchen Gelegenheiten. Kaum erschien jemand neuer, wurde er von allen umarmt. Auch meine Frau wurde von allen umarmt und wurde mit »Poppy« angesprochen. Poppy! Man nannte sie Poppy! Und meine Frau fühlte sich auch noch wohl dabei. Ich hingegen fühlte mich so einsam und verlassen wie Israel im Weltsicherheitsrat. Die fröhliche, wohlgelaunte, lärmende Unterhaltung hüpfte von einem Thema zum andern. »Weiß jemand etwas von Tschaschik? Stimmt es, daß er beim Rigorosum durchgefallen ist? Würde mich nicht überraschen. Er war ja nie ein großes Kirchenlicht … Wie geht es Schoschka? Sie soll angeblich sehr gealtert sein … Nein, das liegt nicht nur daran, daß ihr zweiter Mann um zwanzig Jahre jünger ist als sie … Erinnerst du dich, wie sie damals das Stiegengeländer hinuntergerutscht ist, mit Stockler dicht hinter ihr? Und dann das nächtliche Bad mit Niki, bei Vollmond …« Tosende Heiterkeit brach aus. Einige schlugen sich auf die Schenkel. »Das ist noch gar nichts. Benny hat sie ja später mit Kugler zusammen erwischt … Wir wollten damals vor Lachen beinahe zerspringen … Besonders Sascha. Und ausgerechnet er mußte mit Bergers Mutter Charleston tanzen, der Idiot … Und die Sache mit Moskowitsch war auch nicht ohne …« Ich kam mir vor wie ein Ausgestoßener. Ich kannte keine Seele des Jahrgangs 1953. Ich gehöre zum Jahrgang 1948 des Berzsenyi-Realgymnasiums in Budapest. Hat jemand etwas dagegen? Eine schrille Frauenstimme lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich: »Was glaubt ihr, wen ich vor zwei Jahren in Paris gesehen habe? Klatschkes! Hat keinen guten Eindruck auf mich gemacht. Angeblich verkauft er ordinäre Ansichtskarten an ausländische Touristen. Er hatte ja schon immer eine etwas sonderbare Beziehung zur Kunst.« »Na ja«, warf ich ein. »Von Klatschkes war ja schließlich nichts anderes zu erwarten.« Jemand widersprach mir: »Immerhin wollte er ursprünglich Architekt werden.« »Mach dich nicht lächerlich«, gab ich zurück. »Klatschkes und Architektur. Ich möchte wetten, daß er keine gerade Linie zusammenbringt.« Mit dieser Bemerkung erntete ich einen hörbaren Lacherfolg, der mein Selbstvertrauen erheblich steigerte. »Ist es wahr, daß Joske und Nina geheiratet haben?« fragte mich mein Nebenmann. »Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Joske und Nina!« »Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie sie auf der Hochzeit ausgesehen haben«, bemerkte ich und rief damit neuerliche Heiterkeit hervor. »Man braucht sich ja nur zu erinnern, wie Nina damals ihren Büstenhalter verloren hat. Und Joske mit seinen Kaninchen! Immer, wenn ich einen Krautkopf sehe, muß ich an Joske denken …« Das war mein größter Lacherfolg bisher. Das Gelächter wollte kein Ende nehmen. Von da an gab ich die Zügel der Konversation nicht mehr aus der Hand. Immer neue Erinnerungen an die guten alten Zeiten kramte ich hervor, zum jauchzenden Vergnügen des Jahrgangs 1953. Als besonders wirksam erwies sich die Geschichte, wie Sascha seinen alten schäbigen Wagen zweimal verkauft hatte, und was Berger in seinem Bett fand, als er von einer nächtlichen Kegelpartie mit Moskowitsch zurückkam … Auf dem Heimweg blickte die beste Ehefrau von allen bewundernd zu mir auf: »Du hast die ganze Gesellschaft in deinen Bann geschlagen. Ich wußte gar nicht, daß du über solchen Esprit verfügst.« »Das liegt an dir«, entgegnete ich mit nachsichtigem Lächeln. »Du warst ja nie eine gute Menschenkennerin, Poppy!« Laßt uns die Dinge beim Namen nennen: Es gibt einen gähnenden Abgrund zwischen mir und meinem Weib. Vor allem in Glaubensfragen. Ich bin – wie man weiß – ein Mann der eisernen Logik, ein professioneller Zyniker von Geburt an, wohingegen die beste Ehefrau von allen, wie bei ihrer noblen orientalischen Herkunft nicht anders zu erwarten, von einem mystischen Glauben erfüllt ist. Um auch bei diesem sensitiven Thema alle Mißverständnisse von vornherein auszuschließen: Sie frönt einem Aberglauben. Das heißt, es ist jetzt nicht die Rede vom Allmächtigen, sondern von kleinen schwarzen Katzen. Mit dem Allmächtigen selbst hatte die beste Ehefrau von allen schon in früher Jugend eine schwere Krise. Wie sie mir eines Tages gestand, betete sie damals Abend für Abend vor dem Einschlafen und schloß mit der Bitte: »Lieber Gott, mach, daß ich lange Beine bekomme!« Nach fünfzehn Jahren inbrünstigen Flehens, als sie einsehen mußte, daß sie nie Basketballspielerin werden könnte, hatte die beste Ehefrau von allen ihren Glauben an den Monotheismus verloren. Nach meiner persönlichen Meinung hat sie ausgesprochen hübsche Beine, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß meine Frau heute eigentlich an nichts glaubt als an Katzen, zerbrochene Spiegel, die Zahl 13 und toi-toi-toi, klopf auf Holz. Nach ihrer Erfahrung sind dies allein die Grundelemente, auf die man sich in allen Lebenslagen verlassen kann. Hin und wieder aber vermischt sie ihren Aberglauben mit einer gewissen Ehrfurcht vor Medizinern und Wunderheilern, und zwar mit abstrusen Ergebnissen. Vor einiger Zeit behauptete meine Frau urplötzlich, neu geboren zu sein. Die Neugeburt vollzog sich...


Ephraim Kishon wurde am 23.08.1924 in Budapest als Hoffmann Ferenc geboren. 1944 wurde in das Vernichtungslager Sobibor in Polen deportiert, konnte fliehen, überlebte getarnt als Nichtjude und absolvierte anschließend die Kunstakademie als diplomierter Bildhauer.
Ab 1945 erste schriftstellerische Erfolge mit Theaterstücken und Satiren. 1947 gewann er den 1. Preis des landesweiten ungarischen Romanwettbewerbs mit "Mein Kamm". 1949 floh er von Ungarn nach Israel und wurde dort zu dem weltbekannten Satiriker Ephraim Kishon. Er war über 40 Jahre lang bis zu ihrem Tod mit Sara verheiratt und hat fünf Enkel von seinen drei beühmten Kindern Raphael, Amir und Renana.
Anfang 2003 heiratete er die österreichische Schriftstellerin Lisa Witasek. Ephraim Kishon verstarb im Januar 2005 im Alter von 80 Jahren.
Die Weltauflage der Kishon-Bücher beträgt 43 Millionen, davon über 31 Millionen in deutscher Sprache. Sie wurden in 37 Sprachen übersetzt. Kishons "Familiengeschichten" ist, von der Bibel abgesehen, das meistverkaufte hebräische Buch der Welt.


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