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Howard | Alle Vögel meines Gartens | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Howard Alle Vögel meines Gartens

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-641-29810-4
Verlag: btb
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Von der Londoner Berufsmusikerin zur gefeierten Vogel-Beobachterin: In den späten 1930er Jahren zog die Violinistin Len Howard in ein abgeschiedenes Haus in Sussex, das in den folgenden 20 Jahren als 'Bird Cottage' berühmt wurde. Dank ihrer Faszination für die Vögel ihres Gartens hielt Len Howard alle Türen und Fenster geöffnet, und die Vögel flogen ein und aus. Mit großer Hingabe und Geduld beobachtete sie das Verhalten der Vögel, gewann ihr Vertrauen und lebte Seite an Seite mit ihnen. Ihre Einblicke in die Welt der Vögel zeugen von tiefer Kenntnis und feinem Humor. Obwohl Amateurbeobachterin, wird Len Howard als Pionierin der Vogelkunde gefeiert, da sie bereits vor 70 Jahren den Vögeln Intelligenz, Kommunikation und eine eigene Persönlichkeit zuschrieb. In den letzten Jahren werden Len Howards Bücher international wiederentdeckt und mit großer Resonanz neuveröffentlicht.

Len Howard (1894-1973) verbrachte die zweite Hälfte ihres Lebens in einem kleinen, abgelegenen Haus in Sussex, Südengland. Sie lebte allein, gab ihren Beruf als Violinistin auf - und öffnete ihr Cottage den Vögeln ihres Gartens, die sie über Jahrzehnte hinweg studierte. Obwohl sie keine Biologin war, galt sie als Pionierin auf dem Gebiet der Tierforschung und veröffentlichte zwei äußerst erfolgreiche Bücher darunter »Alle Vögel meines Gartens«. Der Titel erschien 1952 auf Deutsch, bei btb erscheint er in neuer Übersetzung. Im Herbst 2024 erscheint in Großbritannien eine Neuausgabe bei Penguin Classics.
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VORWORT
Als ich das erste Mal von Alle Vögel meines Gartens, verfasst von Len Howard, hörte, nahm ich leichtsinnigerweise sofort an, das Buch wäre von einem Mann geschrieben. Später fand ich heraus, dass Len schlicht die Kurzform von Gwendolen war, dem eigentlichen Vornamen der Autorin. Allerdings frage ich mich, ob Howard, ähnlich wie George Eliot, die auf den Namen Mary Ann Evans getaufte Schriftstellerin aus dem 19. Jahrhundert, die männlicher klingende Kurzform bewusst wählte. Vielleicht war das ihre Art, dem allgegenwärtigen Klima des Sexismus, das zu ihren Lebzeiten und darüber hinaus gegenüber Autorinnen herrschte, aus dem Weg zu gehen. Eine Zeitgenossin von Howard, die Naturforscherin und Schriftstellerin S. Vere Benson, benutzte ebenfalls nie ihren Vornamen (Stephana) und wurde ebenfalls häufig für einen Mann gehalten. Vere Bensons bekanntestes Buch, The Observer’s Book of Birds, erschienen 1937 und stieg zum Bestseller unter den Vogelbüchern des 20. Jahrhunderts auf. Für mich und viele andere meiner Generation war es das erste Vogelbestimmungsbuch überhaupt. Len Howard war ein solcher Welterfolg oder Ruhm nicht vergönnt. Ihre beiden veröffentlichten Werke (diesem, Alle Vögel meines Gartens, aus dem Jahr 1952 folgte vier Jahre später Living with Birds) erreichten lediglich bescheidene Verkaufszahlen und wurden von der Presse wenig beachtet. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet eine anonyme Rezension aus der Zeitschrift The Spectator, in der es heißt: »Miss Howards Buch über Vogelbeobachtung ist das außergewöhnlichste, das ich je gelesen habe.« In ihrem 2023 erschienenen Buch Beastly: The Epic 40 000-Year Story of Animals and Us räumt Keggie Carew Howards Leben und Arbeit einen angemessenen Platz ein. Sie ist der Meinung, Howards detaillierten Langzeitstudien aus nächster Nähe ist nie wirklich die Anerkennung zuteilgeworden, die sie verdienen, trotz ihrer erstaunlichen Ergebnisse und der Originalität ihrer Herangehensweise: Eine ihrer Kohlmeisen wurde neun Jahre alt, was den Glauben widerlegt, Kohlmeisen hätten mit viel Glück vielleicht drei Jahre zu leben. Ihr musikalisch geschultes Ohr war das perfekte Instrument, um selbst die kleinsten Veränderungen im Tonfall der Tiere wahrzunehmen, und ihr entging auch nicht die minimalste Nuance im Verhalten der Vögel. Möglicherweise gibt es noch einen anderen Grund, warum Howards Bücher keine Bestseller wurden. Im Gegensatz zu heute, da sich die Tische in den Buchhandlungen unter der Last der neuesten »Nature Writing«-Bände biegen, war die Nachkriegsära – und eigentlich auch der Großteil der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts – nicht unbedingt das goldene Zeitalter der Naturbeschreibung. Zwar gab es jede Menge wissenschaftliche Abhandlungen – darunter auch die berühmte »New Naturalist«-Reihe, ebenfalls von Howards Verleger Collins herausgegeben und ungeheuer beliebt bei Leserinnen und Lesern der Nachkriegszeit, die mehr über die Natur wissen wollten. Zudem wurden in dieser Zeit auch die ersten echten Naturführer veröffentlicht, etwa die »Bibel der Vogelbeobachter«, der Field Guide to the Birds of Britain and Europe (auch bei Collins). Aber Werke, die wir heute als erzählende Sachbücher bezeichnen würden – Erzählungen mit der Autorin oder dem Autor im Mittelpunkt –, waren dünn gesät. Der lebende Berg beispielsweise wurde zwar schon in den 1940er-Jahren geschrieben – von Nan Shepherd, ebenfalls beinahe eine Zeitgenossin Howards –, aber erst 1977 veröffentlicht, kurz vor dem Tod der Verfasserin. Das zeigt, wie sehr Len Howard ihrer Zeit tatsächlich voraus war. Erst in den frühen Jahren des aktuellen Jahrhunderts erlangten weibliche Nature Writer endlich den längst verdienten gleichen Rang wie ihre männlichen Kollegen. Die lange Ausgeschlossenen dominierten das Genre schon bald: Nun führen Werke wie H wie Habicht von Helen Macdonald, The Outrun (dt. Nachtlichter) von Amy Liptrot und Wilding (dt. Wildes Land) von Isabella Tree die Bestsellerlisten an und gewinnen eine literarische Auszeichnung nach der anderen. Ganz gewiss unterscheidet sich Alle Vögel meines Gartens sehr vom heutigen Nature Writing. Es liest sich wie eine Mischung aus Tagebuch und Lehrbuch: Die Prosa ist schnörkellos, der Ton forsch, die Herangehensweise nüchtern. Tatsächlich fühlt man sich als Leser mitunter wie von einer ziemlich strengen, wenngleich zutiefst kundigen Lehrerin geschulmeistert. Und obwohl Howard uns Einblick in ihr häusliches Leben gewährt (insbesondere in Schmutz und Unordnung, die sich aus dem Einlassen wilder Geschöpfe in ihr Cottage ergeben), ist dies doch stets den Vögeln selbst untergeordnet, die das Herz ihrer Beschreibungen ausmachen. Der Umgang mit ihnen hat ihr offensichtlich großes Vergnügen bereitet, und trotzdem legt sie den Fokus nie auf ihre eigenen innersten Gedanken und Gefühle, sondern immer auf das Leben und Verhalten der einzelnen Vögel. Das ist nur einer von mehreren Aspekten, die ihre Bücher so interessant und wertvoll machen, heute, mehr als siebzig Jahre nachdem sie geschrieben und veröffentlicht wurden. * Len Howard kam 1894 gegen Ende von Königin Victorias langer Regentschaft in Wallington, Surrey, zur Welt und wuchs in einer literarisch und generell kulturell gebildeten Familie auf – ihr Vater, (Henry) Newman Howard, war Dichter und Dramatiker. Schon von Kindesbeinen an zeigte Howard musikalisches Talent: Nach dem Abgang von der Schule gab sie Musikunterricht, spielte Bratsche im Orchester und organisierte Konzerte für Kinder aus armen und sozial benachteiligten Verhältnissen. 1938, ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, kaufte Howard eine Parzelle Land nicht weit von Ditchling, einem Dorf in Sussex, auf den South Downs nördlich von Brighton. Hier baute sie sich ein kleines Haus, das sie Bird Cottage nannte und in dem sie für die restlichen drei Jahrzehnte ihres Lebens lebte. Bis zu diesem Umzug nach Sussex – da war sie schon Mitte vierzig – hatte sie sich nicht besonders für die spezifischen Details des Vogelverhaltens interessiert, wie sie selbst zugibt: Als ich in Bird Cottage einzog, hatte ich vorher nie Gelegenheit gehabt, das Verhalten von Vögeln selbst zu studieren, wenngleich mir die Londoner Bibliotheken natürlich ausgiebig Zugang zu Literatur über Vögel gewährten. […] ich [erwartete] Intelligenz im Verhalten der Tiere nur in Maßen […] Doch eines Frühlingsmorgens, nur drei Monate nach ihrem Einzug, veränderte ein einziger Vorfall den Verlauf von Len Howards weiterem Leben. Sie war gerade mit alltäglichen Aufgaben des Haushalts beschäftigt, als eine Blaumeise zur offenen Tür hereingeflogen kam: Sie flatterte aufgeregt vor mir herum, ihre Augen fest an meine geheftet, und rief so jämmerlich, wie ich nie zuvor eine Blaumeise hatte rufen hören. Mir war sofort klar, dass hier etwas nicht stimmte und sie mich um meine Hilfe bat. Howard ging nach draußen, um nachzuforschen, und entdeckte, dass das Nest der Blaumeisen mitsamt einem Dutzend winziger Eier aus dem Nistkasten gerissen worden war, vermutlich von einer Katze aus der Nachbarschaft. Sie verlor keine Zeit, sammelte Nistmaterial und Eier auf und legte alles vorsichtig zurück in den Kasten. Zu ihrer Überraschung schlüpfte die gesamte Brut zehn Tage später und wurde schließlich auch erfolgreich flügge. Sie schlussfolgerte, dass der Vogel in Not sie absichtlich um Hilfe gebeten hatte – eine schamlos vermenschlichende Schlussfolgerung, wie sie wiederum selbst zugab: Howard legte dem ungewöhnlichen Vogelverhalten menschliche Emotionen zugrunde. Und sie ging noch weiter: Sie gab ihren Vögeln Namen, damit sie sich besser an die einzelnen Individuen erinnern konnte. Sie riss die Barrieren zwischen sich und der Natur nieder, indem sie ein »offenes Haus« für die Vögel schuf, wie Keggie Carew anmerkt: Wollten die Kohlmeisen an ihrer Butter picken, was normalerweise verboten war, sahen sie zuerst die Butter, dann Howard und dann wieder die Butter an. Redete sie ihnen gut zu und sagte: »Na, kommt schon«, bedienten sie sich; sagte sie streng: »Nein«, hielten sie sich fern. Und ein wütendes »Nein!« ließ sie für gewöhnlich zum Fenster fliehen. Jeder, der schon einmal einen Hund hatte, wird mit dieser Art von Mensch-Tier-Dynamik vertraut sein, allerdings erlangte Howard sie, ähnlich wie der österreichische Zoologe Konrad Lorenz, mit wilden – oder, akkurater ausgedrückt, an den Menschen gewöhnten – Vögeln. Trotzdem standen die Wissenschaftler damals – und stehen vielleicht auch heute noch – ihrer formlosen und anscheinend rein willkürlichen Herangehensweise höchst misstrauisch gegenüber. Oder, wie Julian Huxley, seinerzeit einer der führenden Evolutionsbiologen Großbritanniens, gegen Ende seines Vorworts zu Howards Buch schrieb: Miss Howard erwartet sicher nicht, dass professionelle Biologen all ihren Schlussfolgerungen uneingeschränkt zustimmen. Dennoch können sie dankbar für die Fakten sein – und ich persönlich kann bezeugen, wie kurzweilig und informativ die Lektüre ihres Buchs ist. Trotz dieses Hauchs von Skepsis lobte Huxley Howard für ihre außerordentlich detaillierten Beobachtungen. Indem sie das Vertrauen der Vögel in ihrem Garten gewann und diese die angeborene Angst vor ihr verloren, konnte sie »in die Geheimnisse des Vogellebens eingeweiht werden und den Grad seiner Intelligenz erkunden«, wie Huxley anmerkte. Dass sie den Vögeln...


Howard, Len
Len Howard (1894-1973) verbrachte die zweite Hälfte ihres Lebens in einem kleinen, abgelegenen Haus in Sussex, Südengland. Sie lebte allein, gab ihren Beruf als Violinistin auf – und öffnete ihr Cottage den Vögeln ihres Gartens, die sie über Jahrzehnte hinweg studierte. Obwohl sie keine Biologin war, galt sie als Pionierin auf dem Gebiet der Tierforschung und veröffentlichte zwei äußerst erfolgreiche Bücher darunter »Alle Vögel meines Gartens«. Der Titel erschien 1952 auf Deutsch, bei btb erscheint er in neuer Übersetzung. Im Herbst 2024 erscheint in Großbritannien eine Neuausgabe bei Penguin Classics.


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