E-Book, Deutsch, 226 Seiten, Paperback, Format (B × H): 155 mm x 230 mm
Berufsbiographien von Pfarrerinnen und Pfarrern
E-Book, Deutsch, 226 Seiten, Paperback, Format (B × H): 155 mm x 230 mm
ISBN: 978-3-374-04922-6
Verlag: Evangelische Verlagsanstalt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Buch liefert zugleich einen qualitativ-empirischen Beitrag zur Pastoraltheologie. Es gibt darüber Auskunft, welche biographischen Faktoren die Bildung von Pfarrpersonen beeinflussen und wie diese ihren Berufsalltag bewältigen.
[Professional Biographies of Pastors]
The life story and the vocation of a pastor, how are they connected with each other? Michael Heymel keeps track of this question on the basis of twenty-one professional biographies of Protestant pastors. How are they reflecting themselves and their profession at different ages? Which role do individual role models play, views on pastoral behaviour and the church as well as professional goals? How do they describe their personal faith? Which relevance does theology have for their professional practice? The responses stimulate the reader to reflect on his own professional biography and to talk about the meaning of the pastor’s vocation.
At the same time the book makes a qualitative empirical contribution to pastoral theology. It gives information about the questions which biographical factors influence the development of pastors and how pastors cope with their daily professional life.
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Geisteswissenschaften Christentum, Christliche Theologie Praktische Theologie Christliche Spiritualität, Christliche Mystik
- Geisteswissenschaften Christentum, Christliche Theologie Praktische Theologie Religionspädagogik, Christlicher Katechismus
- Geisteswissenschaften Christentum, Christliche Theologie Praktische Theologie Seelsorge, Pastoraltheologie
Weitere Infos & Material
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
(1) KIRCHENBEZUG DER HERKUNFTSFAMILIE UND DER EIGENEN FAMILIE Noch immer kommen erstaunlich viele Pfarrer aus Pfarrhäusern. Sechs von 21 Personen sind Pfarrerskinder. Allerdings verbürgt diese Herkunft nicht selbstverständlich, dass der Sohn oder die Tochter den Pfarrberuf ergreifen. Für drei der befragten Pfarrerskinder stand das Berufsziel relativ früh fest. Es ergab sich aus der Familientradition und war positiv konnotiert; ein Pfarrerssohn entdeckt erst nach dem 1. Examen, dass ihm der Pfarrberuf Freude machen könnte (Nr. 8). Motivation kam aus dem Wunsch, es besser zu machen als der Vater (Nr. 5), aus einem Gefühl missionarischer Verpflichtung (Nr. 3) oder der Erkenntnis, eine bessere Alternative sei nicht zu finden (Nr. 4). Die beiden Pfarrerstöchter sehen jedoch, anders als die vier Pfarrerssöhne, deutlicher die Ambivalenzen dieses Berufs (Nr. 12 und 17). Sie sehen, was er den Eltern abfordert und wie er sich auf die Familie auswirkt. Eine lernt, dass Gemeinde zwar etwas Tolles, Kirche als übergeordnete Institution aber problematisch sei. Die andere hat von beiden Eltern gelernt, Kirche und kirchliche Entwicklungen kritisch zu sehen (ähnlich ein Pfarrerssohn, Nr. 8); Vater und Mutter waren bzw. sind im Pfarrdienst (Nr. 17). Sie interessiert sich zunächst für Theologie, ohne deshalb Pfarrerin werden zu wollen. Der Pfarrberuf war für sie nicht wegen der Herkunftsfamilie attraktiv, er erwies sich »trotzdem« als attraktiv. ZUR HERKUNFT AUS KIRCHENDISTANZIERTEM ELTERNHAUS: Politische und finanzielle Gründe, innere Vorbehalte bewegen den Vater eines Befragten zum Kirchenaustritt (Nr. 1). Das überzeugende Beispiel eines Lehrers veranlasst ihn zu einer bewussten Hinwendung zur evangelischen Kirche; mit 15 Jahren lässt er sich taufen. Ein Befragter aus volkskirchlich geprägtem Elternhaus hat sich im »kirchenfeindlichen Umfeld« der DDR für den Pfarrberuf entschieden (Nr. 11). Vor dem Hintergrund familiärer Erfahrungen während der NS-Zeit sind die Eltern eines anderen Pfarrers reserviert gegenüber allzu enger Kirchenbindung. Man hat nichts gegen die Kirche, bildet aber kein Gefühl enger Zugehörigkeit aus (Nr. 9). Auf Umwegen führt dann der Weg ins Pfarramt. Ein Emeritus stuft das Verhältnis der Eltern zur Kirche als »typisch volkskirchlich-distanziert« ein (Nr. 18), ein Berufsanfänger als »von ›gering‹ bis ›nicht vorhanden‹« (Nr. 15). Eine Pfarrerin beschreibt das Kirchenverhältnis der Eltern als sehr volkskirchlich mit den Stichworten »konservativ, unkritisch«. Der Vater ist desinteressiert, die Mutter angepasst (Nr. 7). Interesse an Kirche und Theologie wird in solchen Fällen durch andere Bezugspersonen geweckt, hier durch Religionsunterricht, musikalische Ausbildung und das frühe Engagement im Kindergottesdienst, anderswo durch einen hartnäckigen Pfarrer und einen engagierten Kirchenvorsteher (Nr. 9). (2) Relevanz schulischer Bildung für den Pfarrberuf und Berufsmotivation Der schulische Unterricht in den Fächern Religion und Deutsch und eine Lehrerpersönlichkeit, die deutlich ihren Glauben bekennt, beeindrucken einen Emeritus (Nr. 2), ein anderer erhält auch Anregungen im Schulchor (Nr. 3). Ein für Jugendliche ansprechender Religionsunterricht, d. h. vor allem die Person des Lehrers, wird von zehn Befragten erwähnt; eine emeritierte Pfarrerin hat ihren Religionslehrer als wunderbaren Erzähler biblischer Geschichten erlebt (Nr. 20). Das spricht für die Bedeutung dieses Schulfachs, aber auch dafür, den Unterricht möglichst von besonders dafür Befähigten erteilen zu lassen. Eine Pfarrerin würdigt die »fundierte[n] literale[n] Kompetenzen« (Nr. 21), die sie der Schule verdankt und für ein erfolgreiches Theologiestudium als unabdingbar ansieht. Ein Pfarrer wählte den Religionsunterricht in der Oberstufe ab, weil er ihn als sozialkritisch und politisch instrumentalisiert empfand (Nr. 9). Zu der ansonsten positiven Erfahrung im Religionsunterricht kommt ein guter Unterricht in Geschichte (Nr. 4), Philosophie und Gemeinschaftskunde (Nr. 5) sowie Sachkunde (Nr. 17). Zwei Emeriti haben durch das altsprachliche Gymnasium bereits alle drei für das Theologiestudium erforderlichen Sprachen gelernt (Nr. 4 und 5). Fünf Befragte lernten auf dem Gymnasium Latein und Griechisch (Nr. 4, 8, 12, 17, 18). Ein Emeritus aus Ostdeutschland entdeckt während seiner Schul- und Berufsschulzeit, dass er Freude daran hat, anderen etwas zu vermitteln; das seien seine »pädagogischen Anfänge« gewesen (Nr. 19). (3) THEOLOGISCHE AUSBILDUNG UND STUDIENBEDINGUNGEN Bei vergleichender Lektüre der Fragebögen zeigen sich erhebliche Unterschiede, sowohl was die Relevanz des Theologiestudiums und der zweiten Ausbildungsphase (Vikariat) betrifft wie auch die Bedingungen, unter denen das Studium erfolgt. Besonders deutlich treten hier Unterschiede zwischen den Generationen hervor. (4) PRAKTISCHE AUSBILDUNG UND PFARRDIENST Die Bedingungen der zweiten Ausbildungsphase (praktische Ausbildung im Vikariat in der Gemeinde und im Predigerseminar oder Theologischen Seminar) haben sich seit den 1950er Jahren in mancher Hinsicht verändert. (5) VORSTELLUNGEN VON PFARRER UND GEMEINDE, FAMILIÄRES UMFELD KIRCHENBEZUG UND ROLLE DES EHEPARTNERS: Aus den Auskünften lässt sich eine große Bandbreite an Konstellationen zwischen Pfarrperson und...