E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Die drei !!!
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Die drei !!!
ISBN: 978-3-440-15478-6
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Große Aufregung für Marie: Sie darf bei "Schwanensee" im Stadttheater mittanzen. Doch bei den Proben geschehen merkwürdige Dinge – ihre Ballettlehrerin wird bedroht und sabotiert. Ein Fall für die drei !!!. Nur leider ist Marie total abgelenkt: Sie muss Holger endlich vergessen ... oder vielleicht doch nicht?
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Angst im Studio
Detektivtagebuch von Kim Jülich Samstag, 23:41 Uhr Obwohl es schon fast Mitternacht ist, bin ich noch hellwach. Also kann ich genauso gut am Computer sitzen und aufschreiben, was gerade Unglaubliches passiert ist. Da geht man nichts ahnend ins Theater, um Marie einen Gefallen zu tun, und dann das: Erstens fand ich das Ballett einfach nur genial (und das ist wirklich unglaublich, weil ich nämlich dachte, dass ich es todlangweilig finden würde) und zweitens haben wir einen neuen Fall! Sozusagen als Zugabe zu dem coolen Abend. Es geht um Maries Ballettlehrerin, Lara Semova. (Für die war der Abend dann zugegebenermaßen irgendwann nicht mehr so cool.) Jemand hat mit einem Lippenstift eine Drohung auf ihren Schminkspiegel geschrieben und ihren Glücksbringer kaputt geschlagen, eine russische Matrjoschka. Eine Puppe, die in sich drin immer noch kleinere Puppen hat. Zertrümmert hat der Täter aber nur die äußerste Hülle. Was bedeutet das? Dass er vorhat, noch weitere Anschläge zu verüben? Wie viele Puppen stecken da eigentlich ineinander? (Darf ich nicht vergessen morgen im Netz zu recherchieren!!!) Außerdem ist eine Sache ja offensichtlich: Der Täter will Angst und Schrecken verbreiten und er muss davon gewusst haben, dass die Matrjoschka Lara sehr wichtig ist. (Sie ist eine Erinnerung an ihren Vater.) Daraus schließe ich, dass der Täter Lara ziemlich gut kennt. Aber wer in Laras Umfeld will, dass sie Angst bekommt? Hätte jemand etwas davon, wenn sie sich vor lauter Panik nicht mehr auf die Bühne traut? Allerdings beteuert Lara glaubhaft, dass sie überhaupt keine Idee hat, wer ihr schaden will. Wir haben also keine richtige Spur, außer der Tatsache, dass der Täter einiges über Lara weiß. Hmm. Irgendwie unbefriedigend. Ich werde jetzt einfach mal alle, die ich heute kennengelernt habe, auf die Verdächtigenliste schreiben: Anna, Pamina, Bodo B. Boost (der sieht in echt nicht so gut aus wie im Fernsehen, leider!). Habe ich noch jemanden vergessen? Ach ja! Oleg Timonov, Laras früheren Tanzpartner. Mehr kann ich heute nicht tun. Morgen werde ich mögliche Fingerabrücke auf den Holzsplittern sichern und wir müssen morgen beim Clubtreffen unbedingt über das Motiv diskutieren. Vielleicht hat Marie eine Idee? Immerhin kennt sie Lara und Anna ja schon seit einiger Zeit. Geheimes Tagebuch von Kim Jülich Sonntag, 00:03 Es ist Geisterstunde! Und ich habe heute Tote gesehen! Odette und Siegfried. Also kommt nicht näher, Ben und Lukas! Sonst werdet ihr auf ewig von einem fliegenden Schwanenskelett heimgesucht. Es ist komisch. Wir haben einen neuen spannenden Fall und ich freue mich irgendwie nur zur Hälfte … Oder vielleicht zu zwei Dritteln … Denn so ein Fall kostet ja auch immer viel Zeit. Und die wollte ich eigentlich anders nutzen: Nämlich für einen unsagbar guten, wahnsinnig spannenden, unwiderstehlichen Anfang für meinen Krimi. Ich überlege schon seit einer Woche, ob ich mit dem ersten Satz ein bisschen Verwirrung stiften will oder lieber schockieren. Ich würde gerne Sebastian fragen, was er als Schreibworkshopleiter von den verschiedenen Möglichkeiten hält, aber das geht nicht. Denn ich will ihn ja mit meinem Wahnsinnstext beeindrucken. Sebastian ist nämlich total süß. Er hat so niedliche Grübchen, wenn er vorliest. Und so eine tolle Stimme. Er ist Journalist, aber er hat das gleiche Hobby wie ich. Er schreibt in seiner Freizeit Kriminalromane. Und er hat sie mir gegeben, obwohl sie überhaupt nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Ich habe beide in nur einer(!) Nacht gelesen. Blutrote Gier hat mir zwar ein bisschen besser gefallen (ich hab sofort geahnt, dass der Kommissar in Wirklichkeit ein Vampir ist) als Neidgelber Hass, aber die Idee, die Geschichte in einem Bienenvolk spielen zu lassen, fand ich trotzdem irre gut. Hach, wenn ich ihn mit meinem Krimi auch so beeindrucken könnte … Das Beste ist: Ich vergleiche Sebastian überhaupt nicht mit Michi. Ob ich wohl endgültig und für immer und ewig über Michi weg bin? Sebastian und ich haben zumindest schon mal eine ganz wichtige Gemeinsamkeit: das Schreiben. Oh, ich stell mir gerade vor, wie wir als Autorenduo durch die Lande reisen. Und Plakate mit der Schlagzeile: Kim Jülich und Sebastian Husmeier. Auch zwischen den Zeilen ein wundervolles Paar! Okay, okay, jetzt ist gerade meine Fantasie mit mir davongaloppiert, ich bin schon wieder vor Ort. Hoppla. Ich muss kurz unterbrechen – es klopft an meine Tür. Es klopft? Nach Mitternacht? Bestimmt macht Mama sich Sorgen, warum das Licht noch an ist … ... Ich kann es nicht glauben. Lukas stand vor der Tür. Total verheult. Und hat gefragt, ob er mit mir reden könne, weil er nicht schlafen kann. Ich hab sofort den Rechner zugeklappt, weil ich vermutet habe, dass das nur ein Trick ist, um an mein Tagebuch zu kommen. Aber Pustekuchen! Lukas wollte nicht spionieren. Er hat sich in meinen Trost- und Kuschelsessel geschmissen und dann sind ihm die Tränen übers Gesicht gelaufen. Und er hat mich gefragt, was er jetzt machen soll. Mich! Seine große Schwester!! Es sei nämlich etwas ganz Schreckliches passiert: Ben wurde von einem Fußball-Talentscout beobachtet und Lukas nicht. Und dieser Talentscout hat sich schon mit dem Trainer der Zwillinge und mit Mama in Verbindung gesetzt, dass Ben eine gesonderte Förderung erhalten soll. Und nun ist Lukas natürlich total sauer und traurig, dass er nicht ausgewählt wurde. Und er denkt nun, dass er nicht gut Fußball spielen kann. Außerdem ist Ben voll fies. Er reibt Lukas ständig seinen Erfolg unter die Nase. Typisch. Lukas kann zwar auch eine echte Nervensäge sein, aber Ben ist manchmal noch eine Spur gemeiner. Lukas hat mir fast leidgetan, wie er wie ein Häufchen Elend auf meinem Sessel saß. Und da hab ich ihm gesagt, dass er Ben einfach ignorieren soll. Dann hört der nämlich ganz von alleine auf – das weiß ich aus Erfahrung. Und dass ein Hobby Spaß machen soll und es nicht darauf ankommt, supergroßen Erfolg zu haben. Lukas ist dann mit hängendem Kopf wieder in sein Zimmer geschlappt. Ob ich ihm ein wenig helfen konnte? Komisch dabei ist: Es ist gar kein so schlechtes Gefühl, mal große Schwester spielen zu können … Die Garderobe des Tanzstudios war leer. Gut so, dachte Marie, gähnte und knotete sich die Bänder ihres Spitzenschuhs ums Bein. Dann würde wenigstens niemand bei der Probe zusehen. Der Tanz der kleinen Schwänchen war nämlich ganz schön schwer. Die vier Tänzerinnen hielten sich dabei über Kreuz an den Händen und alle Sprünge und Schritte mussten genau gleich sein. Heute wollte sie allein mit Anna üben – dafür war der Sonntagvormittag perfekt. Allerdings hatte sie, als sie letzte Woche mit Anna den Termin vereinbart hatte, nicht geahnt, dass sie am Abend vorher so spät ins Bett kommen würde. Und danach ewig nicht würde einschlafen können, weil sie sich Sorgen um Lara machte. »He, Marie, du bist ja schon da!«, rief Anna aus dem Tanzsaal. »Ich seh dich im Spiegel.« Marie wickelte sich einen rosafarbenen dünnen Rock um die Hüfte und ging zu Anna. Die saß gerade im Spagat und wurstelte mit den Händen ihre hüftlangen roten Haare zu einem Zopf. »Na, ausgeschlafen?« Marie verneinte. »Am liebsten würde ich meinen Kopf wieder unter den Schwanenflügel stecken«, sagte sie und grinste. »Ich bin auch noch ganz schön fertig von gestern«, gestand Anna. »Erst die Premiere und dann die Sache mit meiner Mutter – gruselig. Wärm dich doch schon auf, ich sehe mal, wo Lara bleibt.« Marie nickte und ging zur Stange, die vor dem großen Wandspiegel angebracht war. Dann begann sie mit einer Reihe von Kniebeugen, den sogenannten Pliés. »Marie, die Hände! Pass auf die Hände auf. Schön fließend und in einer Linie – ja, sehr gut«, verbesserte Lara Marie, kaum dass sie den Tanzsaal betreten hatte. »Die Arme und Hände sind enorm wichtig«, erklärte sie weiter. »Für den Ausdruck und für die Grazie.« Marie war erleichtert. So kannte sie Lara. Streng, aber freundlich. Anscheinend hatte sie den Schreck von gestern Abend gut verkraftet. Lara nahm sich einen Klappstuhl und setzte sich in die Ecke. Dann drückte sie auf den Knopf der Fernbedienung und Tschaikowskys Schwanenseemusik ertönte. Di Di Di Di Didi Di Di Di … Marie liebte dieses Stück. Ihr ganzer Körper begann zu kribbeln und sie wollte nur noch eins: tanzen. Sie nahm Anna an die Hand und folgte der Musik. Obwohl sie so müde war, fühlte sie sich plötzlich ganz leicht. Beinahe schwerelos. Lara unterbrach den Tanz kein einziges Mal. »Bravo«, rief sie, als die Musik zu Ende war. »Großartig, Marie! Du hast überhaupt keinen Fehler gemacht!« Marie lächelte stolz. Ja, das hatte heute wirklich gut geklappt. »Können wir noch einen Durchgang machen?«, bat sie. »Nur so zur Sicherheit?« »Wir machen noch zwei«, antwortete Lara. »Nur so zur Sicher … – ahhhhh!« Es blitzte. Lara schrie. Dann krachte etwas genau über ihr von der Decke und zersplitterte auf dem Parkett. Lara hielt sich schützend die Hände...