Hauptmann / Hentschel | Vor Sonnenaufgang. Textausgabe mit Kommentar und Materialien | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 188 Seiten

Reihe: Reclam XL - Text und Kontext

Hauptmann / Hentschel Vor Sonnenaufgang. Textausgabe mit Kommentar und Materialien

[Reclam XL - Text und Kontext] - Hauptmann, Gerhart - 16150

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

Reihe: Reclam XL - Text und Kontext

ISBN: 978-3-15-961409-0
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Alkoholismus, sexuelle Übergriffe, Inzest, Tierquälerei: Das Drama des Degenerationsprozesses der zu Reichtum gelangten schlesischen Bauernfamilie Krause überforderte 1889 das Publikum völlig, verhalf aber dem Naturalismus zum Durchbruch. Klassenlektüre und Textarbeit einfach gemacht: Die Reihe »Reclam XL - Text und Kontext« erfüllt alle Anforderungen an Schullektüre und Bedürfnisse des Deutschunterrichts: * Reclam XL bietet den sorgfältig edierten Werktext - seiten- und zeilengleich mit der entsprechenden Ausgabe aus Reclams Universal-Bibliothek. * Das Format ist größer (12,2 x 20 cm) als die gelben Klassiker der Universal-Bibliothek, mit ausreichend Platz für Notizen am Seitenrand. * Schwierige Wörter werden am Fuß jeder Seite erklärt, ausführlichere Wort- und Sacherläuterungen stehen im Anhang. * Ein Materialienteil mit Text- und Bilddokumenten erleichtert die Einordnung und Deutung des Werkes im Unterricht. * Natürlich passen auch weiterhin alle Lektüreschlüssel, Erläuterungsbände und Interpretationen dazu! E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Gerhart Hauptmann (15. 11. 1862 Ober-Salzbrunn, Schlesien - 6. 6. 1946 Agnetendorf, Schlesien) erhielt im Jahr 1912 den Nobelpreis für Literatur. Geprägt von Leo Tolstoi und Henrik Ibsen wurde Hauptmann zu einem Hauptvertreter des Naturalismus. Das Drama 'Vor Sonnenaufgang'? das 1889 uraufgeführt wurde, verhalf dem Schriftsteller zum endgültigen Durchbruch. Zu seinen bekanntesten Werken gehört das Familiendrama 'Die Weber'? das das Schicksal des Menschen als durch Milieu und Vererbung vorherbestimmt darstellt.
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[11]Erster Akt
[Bild vergrößern] Das Zimmer ist niedrig; der Fußboden mit guten Teppichen belegt. Moderner Luxus auf bäuerische Dürftigkeit gepfropft. An der Wand hinter dem Esstisch ein Gemälde, darstellend einen vierspännigen Frachtwagen von einem Fuhrknecht in blauer Blouse geleitet. (Miele, eine robuste Bauernmagd mit rotem, etwas stumpfsinnigen Gesicht; sie öffnet die Mitteltür und lässt Alfred Loth eintreten. Loth ist mittelgroß, breitschultrig, untersetzt, in seinen Bewegungen bestimmt, doch ein [12]wenig ungelenk; er hat blondes Haar, blaue Augen und ein dünnes, lichtblondes Schnurrbärtchen, sein ganzes Gesicht ist knochig und hat einen gleichmäßig ernsten Ausdruck. Er ist ordentlich, jedoch nichts weniger als modern gekleidet. Sommerpaletot, Umhängetäschchen, Stock.) MIELE. Bitte! Ich werde den Herrn Inschinnär glei ruffen. Wolln Sie nich Platz nehmen?! (Die Glastür zum Wintergarten wird heftig aufgestoßen; ein Bauernweib, im Gesicht blaurot vor Wut, stürzt herein, sie ist nicht viel besser als eine Waschfrau gekleidet. Nackte, rote Arme, blauer Kattunrock und Mieder, rotes punktiertes Brusttuch. Alter: Anfang 40, Gesicht hart, sinnlich, bösartig. Die ganze Gestalt sonst gut konserviert.) FRAU KRAUSE (schreit). Ihr Madel!! . . . Richtig! . . Doas Loster vu Froovulk! . . . Naus!!! mir gahn nischt! . . . (halb zu Miele, halb zu Loth:) a koan orbeita, a hoot Oarme. Naus! hier gibbt’s nischt! LOTH. Aber Frau . . . Sie werden doch . . . ich . . . ich heiße Loth, bin . . . wünsche zu . . . habe auch nicht die Ab . . . . MIELE. A wull ock a Herr Inschinnär sprechen. FRAU KRAUSE. Beim Schwiegersuhne batteln: doas kenn’ mer schunn. – A hoot au nischt, a hoot’s au ock vu ins, nischt iis seine! (Die Tür rechts wird aufgemacht. Hoffmann steckt den Kopf heraus.) HOFFMANN. Schwiegermama! – Ich muss doch bitten . . . (er tritt heraus, wendet sich an Loth) Was steht zu . . . Alfred!!! Kerl!!! Wahrhaftig ’n Gott Du!? Das ist aber mal . . . nein das is doch mal ’n Gedanke! (Hoffmann ist etwa dreiunddreißig Jahre alt, schlank, [13]groß, hager. Er kleidet sich nach der neuesten Mode, ist elegant frisiert, trägt kostbare Ringe, Brillantknöpfe im Vorhemd und Berloques an der Uhrkette. Kopfhaar und Schnurrbart schwarz, der Letztere sehr üppig, äußerst sorgfältig gepflegt. Gesicht spitz, vogelartig. Ausdruck verschwommen, Augen schwarz, lebhaft zuweilen unruhig.) LOTH. Ich bin nämlich ganz zufällig . . . . HOFFMANN (aufgeregt). Etwas Lieberes . . . nun aber zunächst leg ab! (Er versucht ihm das Umhängetäschchen abzunehmen.) Etwas Lieberes und so Unerwartetes hätte mir jetzt (er hat ihm Hut und Stock abgenommen und legt beides auf einen Stuhl neben der Tür) hätte mir jetzt entschieden nicht passieren können, (indem er zurückkommt:) ent . . . . schieden nicht. LOTH (sich selbst das Täschchen abnehmend). Ich bin nämlich – nur so per Zufall auf Dich (er legt das Täschchen auf den Tisch im Vordergrund). HOFFMANN. Setz Dich! Du musst müde sein, setz Dich – bitte. Weißt De noch? wenn Du mich besuchtest, da hatt’st Du so ’ne Manier, Dich lang auf das Sofa hinfallen zu lassen, dass die Federn krachten; mitunter sprangen sie nämlich auch. Also Du, höre! mach’s wie damals. (Frau Krause hat ein sehr erstauntes Gesicht gemacht und sich dann zurückgezogen. Loth lässt sich auf einen der Sessel nieder, welche rings um den Tisch im Vordergrunde stehen.) HOFFMANN. Trinkst Du was? Sag! – Bier? Wein? Kognak? Kaffee, Tee? Es ist alles im Hause. (Helene kommt lesend aus dem Wintergarten; ihre große, ein wenig zu starke Gestalt, die Frisur ihres blonden, ganz [14]ungewöhnlich reichen Haares, ihr Gesichtsausdruck, ihre moderne Kleidung, ihre Bewegungen, ihre ganze Erscheinung überhaupt verleugnen das Bauernmädchen nicht ganz.) HELENE. Schwager, Du könntest . . . (sie entdeckt Loth und zieht sich schnell zurück). Ach! ich bitte um Verzeihung (ab). HOFFMANN. Bleib doch, bleib! LOTH. Deine Frau? HOFFMANN. Nein, ihre Schwester. Hörtest Du nicht, wie sie mich betitelte? LOTH. Nein. HOFFMANN. Hübsch! Wie? – Nu aber erklär Dich! Kaffee? Tee? Grog? LOTH. Danke, danke für alles. HOFFMANN (präsentiert ihm Zigarren). Aber das ist was für Dich – nicht?! . . . auch nicht?! LOTH. Nein, danke. HOFFMANN. Beneidenswerte Bedürfnislosigkeit! (Er raucht sich selbst eine Zigarre an und spricht dabei.) Die A . . Asche, wollte sagen der . . . der Tabak . . . ä! Rauch natürlich . . . der Rauch belästigt Dich doch wohl nicht? LOTH. Nein. HOFFMANN. Wenn ich das nicht noch hätte . . . ach Gott ja, das bisschen Leben! – nu aber tu mir den Gefallen, erzähle was. – Zehn Jahre – bist übrigens kaum sehr verändert – zehn Jahre, ’n ekliger Fetzen Zeit – was macht Schn . . . Schnurz nannten wir ihn ja wohl? Fips, – die ganze heitere Blase von damals? Hast Du den einen oder anderen im Auge behalten? [15]LOTH. Sach mal, solltest Du das nicht wissen? HOFFMANN. Was? LOTH. Dass er sich erschossen hat. HOFFMANN. Wer? – hat sich wieder mal erschossen? LOTH. Fips! Friedrich Hildebrandt. HOFFMANN. I warum nich gar! LOTH. Ja! er hat sich erschossen – im Grunewald, an einer sehr schönen Stelle der Havelseeufer. Ich war dort, man hat den Blick auf Spandau. HOFFMANN. Hm! – Hätt ihm das nicht zugetraut, war doch sonst keine Heldennatur. LOTH. Deswegen hat er sich eben erschossen. – Gewissenhaft war er, sehr gewissenhaft. HOFFMANN. Gewissenhaft? Woso? LOTH. Nun, darum eben . . . . sonst hätte er sich wohl nicht erschossen. HOFFMANN. Versteh nicht recht. LOTH. Na, die Farbe seiner politischen Anschauungen kennst Du doch? HOFFMANN. Ja, grün. LOTH. Du kannst sie gern so nennen. Er war, dies wirst Du ihm wohl lassen müssen, ein talentvoller Jung. – Fünf Jahre hat er als Stukkateur arbeiten müssen, andere fünf Jahre dann, sozusagen, auf eigene Faust durchgehungert und dazu kleine Statuetten modelliert. HOFFMANN. Abstoßendes Zeug. Ich will von der Kunst erheitert sein. . . . Nee! diese Sorte Kunst war durchaus nicht mein Geschmack. LOTH. Meiner war es auch nicht, aber er hatte sich nun doch einmal drauf versteift. Voriges Frühjahr schrieben sie da ein Denkmal aus; irgendein [16]Duodezfürstchen, glaub ich, sollte verewigt werden. Fips hatte sich beteiligt und gewonnen; kurz darauf schoss er sich tot. HOFFMANN. Wo da die Gewissenhaftigkeit stecken soll, ist mir völlig schleierhaft. – Für so was habe ich nur eine Benennung: Spahn – auch Wurm – Spleen – so was. LOTH. Das ist ja das allgemeine Urteil. HOFFMANN. Tut mir leid, kann aber nicht umhin mich ihm anzuschließen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . LOTH. Es ist ja für ihn auch ganz gleichgültig, was . . . HOFFMANN. Ach überhaupt lassen wir das. Ich bedauere ihn im Grunde ganz ebenso sehr wie Du, aber – nun ist er doch einmal tot, der gute Kerl; – erzähle mir lieber was von Dir, was Du getrieben hast, wie’s Dir ergangen ist. LOTH. Es ist mir so ergangen, wie ich’s erwarten musste. – Hast Du gar nichts von mir gehört? – durch die Zeitungen mein ich. HOFFMANN (ein wenig befangen). Wüsste nicht. LOTH. Nichts von der Leipziger Geschichte? HOFFMANN. Ach so, das! – Ja! – Ich glaube . . . . nichts Genaues. LOTH. Also, die Sache war folgende: HOFFMANN (seine Hand auf Loths Arm legend). Ehe Du anfängst: willst Du denn gar nichts zu Dir nehmen? LOTH. Später...


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