Menschen in der Akut- und Intensivpflege exzellent pflegen
E-Book, Deutsch, 280 Seiten
ISBN: 978-3-456-75931-9
Verlag: Hogrefe AG
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
• wie sich das Synergiemodell entwickelt hat, welche Grundprinzipien es leiten, welche Merkmale und Bedürfnisse Patienten in der Akutpflege charakterisieren und welche Merkmale und Kompetenzen für Pflegende charakteristisch sein sollten.
• als Merkmale und Bedürfnisse von Patienten in der Akutpflege Charakteristika, die von Resilienz über Komplexität, Partizipation, Ressourcen, Stabilität, Vulnerabilität bis hin zu Prognostizierbarkeit reichen.
•als Merkmale und Kompetenzen von Pflegenden in der Intensivpflege klinisches Urteilsvermögen, anwaltschaftliches und moralisches Handeln, fürsorgliches Verhalten, Zusammenarbeit, systemisches Denken, Umgang mit Vielfalt, kritisches Hinterfragen und lernförderliches Begleiten.
•Anwendungsmöglichkeiten des Synergiemodells in verschiedenen Pflegebereichen und Situationen, die von klinischer Pflegepraxis, über Pflegeforschung, Einarbeitung, Pflegemanagement inklusive Personalplanung und -steuerung bis hin zu Perioperativpflege, ambulanter Pflegeversorgung, ANP-Regulierung sowie Pflegelehre und Pflegemanagement reichen.
Mit Hardin und Kaplows Synergiemodell lernen Sie patienten- und pflegebezogene Elemente einer exzellenten Akut- und Intensivpflege zu erkennen, zu entwickeln und anzuwenden.
Zielgruppe
Intensivpflegende Anästhesiepflegende Pflegemanagement
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
|29|1 Vorstellung des Synergiemodells
Mary Frances D. Pate Das Synergiemodell zur Patientenversorgung der American Association of Critical-Care Nurses (AACN) wurde in den 1990er Jahren als Leitfaden für die Zertifizierung von Pflegefachpersonen entwickelt. Seit seiner Konzeption wird es in immer mehr Bereichen eingesetzt. So dient es beispielsweise als Fundament für weitere Zertifizierungsprüfungen, Pflegelehrpläne für Bachelor- und Masterstudierende sowie als Berufspraxismodell im Klinikbereich. Außerdem orientieren sich an ihm Projekte zum Erwerb eines Doctor of Nursing Practice (DNP) und Dissertationen zum Erwerb eines PhD, des wissenschaftlichen Doktorgrads. In diesem Kapitel wird beschrieben, wie das Synergiemodell entstanden ist und warum es in der Pflege eine immer bedeutendere Rolle spielt. 1.1 Meine persönliche Entdeckung des Synergiemodells
Meinen ersten leidigen Kontakt mit Pflegetheorien, konzeptuellen Rahmen und Pflegemodellen hatte ich während meines Bachelor-Pflegestudiums. Später dann, als ich mit dem Masterstudium begann, wurde ich aufgefordert (oder eher genötigt), ein Modell zu wählen, das als Grundlage für meine pflegerische Praxis dienen sollte. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Es ist unerlässlich, eine Grundlage für die eigene pflegerische Praxis zu haben, doch aus meiner damaligen Perspektive taugte kein einziges Modell für die „reale Welt“ der Akut- und Intensivpflege. Ich erfüllte die Anforderungen für meinen Masterabschluss, indem ich wahllos irgendeine Pflegetheorie wählte und diese für meine Praxis passend machte. Für meine Promotionsarbeit verwendete ich eine Theorie, die sich nicht auf die Pflege bezog und zu der ich während meiner Verteidigung vom Dekan ausführlich befragt wurde. Die Jahre vergingen und durch meine Mitgliedschaft in der American Association of Critical-Care Nurses (AACN) lernte ich das Synergiemodell zur Patientenversorgung kennen. Nachdem ich in das Modell eingeführt worden war, wurde mir klar, dass es absolut Sinn macht, weil es die Realität, die ich als Pflegefachperson im intensivmedizinischen Bereich erlebt hatte, widerspiegelte. Es war, als hätte sich alles geordnet, als wäre Licht ins Dunkel gebracht worden und als hätte nun alles seine Richtigkeit. Letztendlich hatte ich mein Modell für die Pflegepraxis gefunden und durch Gespräche, die ich im Laufe der Jahre mit Pflegenden im akut- und intensivmedizinischen Bereich geführt habe, wurde deutlich, dass andere es ebenfalls als perfekt für die wirkliche Pflegepraxis empfanden. |30|1.2 Entwicklung des Synergiemodells
Die AACN strebte ein System der Gesundheitsversorgung an, das durch die Bedürfnisse der Patienten und ihrer Angehörigen bestimmt wird, in dem Pflegende optimal zu den Patientenergebnissen beitragen (AACN Certification Corporation, 2015a; AACN, 2015a) und in dem die berufliche Zertifizierung eher auf dem Zusammenwirken (Synergie) zwischen Patienten und Pflegenden beruht, als auf dem Erfüllen einer Reihe von Aufgaben (Curley, 1998). Anfang der 1990er Jahre, als das Modell entwickelt wurde, erschien ein solcher Gedanke unkonventionell, da die Zertifizierung zur Intensivpflegefachperson auf den Stunden, die man im intensivmedizinischen Bereich gearbeitet hatte, der Anzahl und Art der durchgeführten Aufgaben und einer Untersuchung der Organsysteme basierte. Die Praxis der Pflege wurde neu konzipiert und war mehr als bloß die Summe ihrer Teile. Wissenschaftliche Untersuchungen der realen Pflegepraxis und die Analyse und Validierung der Ergebnisse durch ein Gremium von Pflegeexperten bildeten die Grundlage für die Entwicklung des Synergiemodells (Tab. 1-1) (AACN Certification Corporation, 2015b; AACN, 2015b). Dieses Gremium war der Auffassung, dass spezifische Charakteristika der Pflegenden die Kompetenzen für zertifizierte Praxis bestimmen (Caterinicchio, 1995) und dass es wichtig ist, zertifizierte Praxis mit den Ergebnissen, die Patienten erzielen, in Beziehung zu setzen. Das Synergiemodell dient heute als organisatorischer Rahmen für die von der AACN durchgeführten Zertifizierungsprüfungen zu verschiedenen Pflegequalifikationen wie Critical Care Registered Nurse (CCRN®), Progressive Care Nurses (PCCN®) oder Acute Care Nurse Practitioners/Adult-Gerontology (ACNP-AG®) und Acute Care Clinical Nurse Specialist/Adult-Gerontology (ACCNS-AG®). Die Rezertifizierung durch den Erwerb von Synergy CERPs (Continuing Education Recognition Points) in den CCRN- und PCCN-Prüfungen ermöglicht zertifizierten Pflegefachpersonen, ihr Engagement für fortgesetzte Kompetenz in der Pflegepraxis durch Integration des Synergiemodells in den Rezertifizierungsprozess zu demonstrieren. 1.3 Grundprinzipien des Synergiemodells
Pflegende unterstützen Patienten und Angehörige in Krisenzeiten auf ihrer „Reise“ durch das Gesundheitssystem. Das Synergiemodell basiert auf dem Grundprinzip, dass optimale Ergebnisse für Patienten und Angehörige erzielt werden, wenn die Bedürfnisse der Patienten mit den Kompetenzen der Pflegenden korrespondieren (Curley, 2007). Die im Folgenden aufgeführten Grundprinzipien bilden die Basis für eine Partnerschaft zwischen Patient und Pflegefachperson. Sie liefern den Kontext für ein umfassenderes Verständnis dieser sich gegenseitig bedingenden Beziehung – wenn die Bedürfnisse und Merkmale des Patienten, die Klinikabteilung oder -station, auf der sich der Patient befindet, und das Versorgungssystem insgesamt mit den Kompetenzen der Pflegefachperson harmonieren, entsteht Synergie (AACN Certification Corporation, 2015a). Jahr Thema Beteiligte 1993 Entwicklung eines konzeptuellen Rahmens für zertifizierte Pflegepraxis mit dem Schwerpunkt Bedürfnisse und Charakteristika von Patienten. Martha A.?Q. Curley, Mairead Hickey, Patricia Hooper, Wanda Johanson, Bonnie Niebuhr, Sarah Sanford und Gayle Whitman 1994 Vorstellung des konzeptuellen Rahmens bei den Mitgliedern des AACN National Teaching Institute (NTI). AACN Certification Corporation Board of Directors 1995 Umfassende und systematische Untersuchung der Pflegepraxis im intensivmedizinischen Bereich unter Anwendung des Synergiemodells als konzeptueller Rahmen. AACN Certification Corporation; Professional Examination Services (PES) 1995 Überarbeitung des konzeptuellen Modells durch Pflegeexperten. ...