Leben und Werk | 'Der wohl wichtigste psychosoziale Denker des 20. Jahrhunderts!' Neil McLaughlin, kanadischer Soziologe
Buch, Deutsch, 400 Seiten, Format (B × H): 153 mm x 211 mm, Gewicht: 568 g
ISBN: 978-3-7374-1254-4
Verlag: Marix Verlag
Wie können wir trotz allem noch an den Menschen und seine Zukunft glauben? Der Soziologe und Psychoanalytiker Fromm spricht sich in seinen millionenfach verkauften Werken für ein wahres, schöpferisches Tätigsein des Menschen aus, das sich nicht in ökonomischem Gewinn aufbraucht. Die Liebe zum Menschen und zum Leben ist es, die die Kraft hat, ihm ein solches zu ermöglichen.
Jürgen Hardeck gelingt in seiner Einführung sowohl eine dichte Darstellung des Denkens von Erich Fromm in dessen lebensweltlichem Kontext als auch der analytische Blick in unsere Zeit angesichts einer wieder wachsenden Leserschaft von Erich Fromm.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Vorwort 2024
Kindheit und Jugend in Frankfurt am Main
Studienjahre in Heidelberg und Berlin
Am Institut für Sozialforschung
Religionspsychologie: Das Christusdogma
Analytische Sozialpsychologie als kritische Theorie
Fromm in den USA
Karen Horney und Harry Stack Sullivan
Der autoritäre Charakter
Revision der Psychoanalyse
Der Bruch mit dem Institut
Die Furcht vor der Freiheit
Die Entstehung des modernen Individuums
Die Flucht ins Autoritäre
Die Flucht ins Destruktive
Die Flucht ins Konformistische
Der Bruch mit Karen Horney
Psychoanalyse und Ethik
Die Natur des Menschen
Charakterologie
Der Marketing-Charakter
Humanistische Ethik
Das Gewissen
Psychoanalyse und Religion
Fromm in Mexiko
Die vergessene Sprache
Ausschluss aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung
Wege aus einer kranken Gesellschaft
Die Kulturismusdebatte und ihre Folgen
Die Kunst des Liebens
Psychoanalyse und Zen-Buddhismus
Der Analytiker
Der Therapeut Fromm
Gründung der IFPS
Ein eigenwilliger Marxist
Die Seele des Menschen
Gruppen-Narzissmus
Nekrophilie
Inzestuöse symbiotische Bindungen
Humanistischer Sozialismus und Humanistische Psychoanalyse
Ihr werdet sein wie Gott
Fromm in der Schweiz
Die Anatomie der menschlichen Destruktivität
Gutartige und bösartige Aggression
Haben oder Sein
Marketing-Charakter und kybernetische Religion
Vorschläge für gesellschaftliche Änderungen
Buddhismus
Meister Eckhart
Lebensabend
Prägungen und Entwicklungen
Die andere kritische Theorie
Ich bin immer Freudianer geblieben
Prophet und Mystiker
Ein Feuerbach unserer Zeit
Humanismus
Seit dem ersten Erscheinen dieses Buches 2005 hat sich die Weltlage verändert. Konnte man doch damals – trotz aller Probleme und Katastrophen, die es ja immer gibt – in vieler Hinsicht zuversichtlich sein, weil das Zeitalter der Ideologien überwunden schien und selbst autoritäre Systeme wie Russland und China aufgeschlossen und friedlich erschienen. Israel hatte einen Waffenstillstand mit den Palästinensern geschlossen, das Klimaabkommen von Kyoto trat in Kraft, die IRA beschloss den Gewaltverzicht, die Globalisierung schien die in sie gesetzten Hoffnungen weitgehend zu erfüllen und anderes mehr. Kurz: Francis Fukujamas These vom sich abzeichnenden Sieg liberaler Demokratien aus seinem Buch The End of History and the Last Man schien sich zu bestätigen. Als Frage blieb eher der zweite Teil seines Buchtitels offen. Was macht das Leben in einer Überflussgesellschaft mit den Menschen? Welchen Gefährdungen ist der postmoderne Mensch, weitgehend losgelöst von traditionellen Bindungen und Überzeugungen, ausgesetzt? Oder eher: Kann es zu einem »Kampf der Kulturen« kommen? Und: Ist der Fundamentalismus eine Gefahr für die liberalen Demokratien? Doch bereits in einer Zukunftsstudie aus dem Jahr 2008 findet sich die Feststellung: »Aus der positiven Einstellung der Menschen gegenüber einer multioptionalen globalisierten Welt ist ein Abwehrkampf gegen gefühlte und reale Bedrohungen geworden. […] Die Menschen begegnen dem Wandel heute vorwiegend mit Skepsis. Offenbar wurden die Grenzen dessen erreicht, was Individuen zu bewältigen imstande sind. […] Orientierungssicherheiten sind abhandengekommen, weil sich die Umwelt heute schneller wandelt, als wir neue Orientierungsmaßstäbe schaffen können.«
Wir leben in einer Zeit großer und schneller Veränderungen, die offenbar viele überfordern. In einer Zeit multipolarer Krisen, eines wiedererstarkten Nationalismus, der Wiederkehr von Gewalt und Krieg, erneuter atomarer Aufrüstung und einer zu schwachen und zu langsamen Reaktion weltweit auf das Artensterben und den immer deutlicher werdenden Klimawandel. In einer Zeit der Spaltung von Gesellschaften und von weltweit wieder wachsender wirtschaftlicher Ungerechtigkeit, von Manipulation und Überwachung in einem Ausmaß und einer Perfektion, die zu Erich Fromms Lebzeiten nicht möglich gewesen ist. Dadurch hat sich natürlich mein Blick darauf verändert, was der Sozialpsychologe und Psychoanalytiker Erich Fromm uns, 125 Jahre nach seiner Geburt in Frankfurt am Main, aktuell zu sagen hat.