E-Book, Deutsch, Band 3, 360 Seiten
Reihe: Café Hannah
Rettet das Café!
E-Book, Deutsch, Band 3, 360 Seiten
Reihe: Café Hannah
ISBN: 978-3-945932-41-4
Verlag: 26|books
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
Während ihre Freunde Edi, Svenja, Ben, Hubertus, Brigid und Andy trotz eigener Probleme versuchen, das Café zu retten, verliert Hannah jeglichen Lebensmut. Hoffnung keimt auf, als der Verwalter des neuen Hausbesitzers Interesse an dem Café zeigt. Wird es gelingen, ihn von der Rettung zu überzeugen?
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1 - Aller Tage Abend? (Hannah Jensen)
»Dreißig Tische und sechzig Bänke sollten genügen. Was meint ihr?« Hannah schaute in die Runde und sah in teils nachdenkliche, teils zustimmende Gesichter. »Ist das nicht zu viel?«, warf Christine ein. »Sechzig Bänke - das sind mindestens dreihundert Plätze. Erwarten wir allen Ernstes so viele Besucher?« »Ich finde das nicht zu viel«, erwiderte Bassam. »Wenn ich meine Stammgäste vom Litani und die von Hannahs Café zusammenrechne, komme ich allein schon auf hundert Leute. Rechne die Nachbarschaft dazu - da bleibt nicht mehr viel Platz.« Christine, die in der Blumengasse den Blumenladen betrieb, wiegte den Kopf hin und her. »Ich weiß nicht; mir kommt das viel vor. Es ist immer besser, wenn die Leute dicht gedrängt sitzen müssen. Große Lücken sind ungemütlich.« Edi, vormals Edeltraut, hob die Hand. »Darf ich etwas sagen?« Hannah lachte. »Aber natürlich! Deine Meinung ist immer gefragt.« Edi senkte die Hand und nickte zufrieden. »Wenn ich so in die Runde schaue, bin ich mit Abstand die älteste und vermutlich auch die, die am längsten im Viertel wohnt. Es gab früher schon mal Straßenfeste und die waren alle gut besucht. Ich kann jetzt nicht sagen, ob es zweihundert oder dreihundert Gäste waren, aber es war immer was los.« Sie machte eine kurze Pause, fuhr dann fort: »Ich denke, das Wichtigste ist der richtige Termin. Das Fest darf keinesfalls in den Sommerferien stattfinden, da kommt niemand.« Petér, Bassam und Christine zückten gleichzeitig ihre Handys. »Die Sommerferien beginnen am 29. Juli«, ließ Kassie vom Nagelstudio sich vernehmen. Auf die erstaunten Blicke der anderen fügte sie hinzu: »Als Mutter eines schulpflichtigen Kindes weiß man so etwas.« »Das heißt …«, Hannah rechnete rasch im Kopf, »… das heißt, das Fest müsste am 15. Juli stattfinden. Ausweichtermin wäre das Wochenende darauf, also der 22. Gibt es damit Probleme?« Sie schaute fragend in die Runde. Bassam hielt sein Handy hoch. »Nein, das passt.« Die anderen nickten. »Gut. Können wir das dann so festhalten?« Hannah schaute Kassie an, die diesmal mit dem Protokoll dran war. »Ist notiert.« »Schön«, sagte Hannah. »Ein Vorschlag zur Güte: Ich bestelle die dreißig Tische und sechzig Bänke, aber wir lassen einen Teil davon als Reserve im Hof stehen. Was haltet ihr davon?« »Sehrr gute Idee«, stimmte Petér zu. »Ich glaube übrrigens nicht, dass es zu viele Plätze sind. Seit dein Café da ist, Hannah, ist in der Blumengasse immerr was los.« Hannah warf ihrem Friseur eine Kusshand zu. »Gut, dann haben wir das auch geklärt. Gibt es sonst noch offene Punkte auf der Agenda?« Kassie blätterte eine Seite zurück, las sich das Geschriebene durch, murmelte: »Das haben, wir, das auch, und das« und hakte die einzelnen Stichpunkte ab. Dann hob sie den Kopf und sagte laut: »Bis auf Essen und Getränke haben wir alles. Und natürlich, wer was zahlt.« Hannah sprang auf. »Das hat ja noch Zeit.« Sie schnitt eine Grimasse und lachte verlegen. »Wie ihr sicher wisst, habe ich ein Date in Frankfurt. Mein Zug geht in einer halben Stunde. Falls ihr noch etwas trinken wollt, sagt Edi Bescheid.« Sie wandte sich an ihre Angestellte. »Du sperrst zu, ja?« »Aber sicher«, erwiderte Edi gelassen. »Ich habe alles im Griff.« »Weiß ich, weiß ich«, versicherte Hannah ihr und winkte in die Runde. »Ich wünsche euch ein schönes Wochenende. Montag bin ich wieder da.« »Dir auch ein schönes Wochenende«, schallte es ihr mehrstimmig nach, und Hannah war sich nicht sicher, ob nicht der eine oder andere anzügliche Tonfall dabei war. Die sind nur neidisch, dachte sie und grinste glücklich vor sich hin. Sie ging in ihre Wohnung im ersten Stock, nahm ihre Reisetasche, die sie neben die Wohnungstür gestellt hatte, und lief die Treppe wieder hinunter. Das bestellte Taxi wartete bereits. »Zum Bahnhof, bitte.« Zehn Minuten später saß sie im Zug. Voller Vorfreude auf das Wochenende schmiegte sie sich in den Sitz. Manchmal nutzte sie die gut dreistündige Fahrt, um ihre Mails zu bearbeiten; sie hatte sich extra dafür ein Tablet angeschafft. Doch heute wollte sie einfach nur die Fahrt genießen. Ihre Mitreisenden hatten jedoch andere Pläne. Eine gestresste Mutter schaffte es nicht, ihre quengelnde Tochter soweit zu beruhigen, dass sie nicht den ganzen Waggon beschallte. Egal, was sie ihr anbot - Film gucken, Buch vorlesen, Musik hören, ja sogar Schokolade - das Mädchen wollte einfach nur durch den Wagen laufen und Leute nerven. Zumindest empfand Hannah es so. Seufzend zog Hannah ihre Kopfhörer aus der Handtasche und steckte sie sich in die Ohren. Sie drehte den Regler so laut, dass sie Mutter und Kind nicht mehr hörte, doch es gelang ihr nicht, abzuschalten. Ihre Gedanken gingen zurück zu den Stunden zuvor. Sie wusste nicht mehr, wer die Idee zu dem Sommerfest gehabt hatte, aber plötzlich stand der Vorschlag im Raum. Sie hatte alle gefragt: ihren direkten Nachbarn Petér, Bassam vom libanesischen Restaurant Litani am Ende der Straße; Mehmet von der Dönerbude gegenüber; Christine vom Blumenladen; Kassie vom Nagelstudio und Andrea vom Zeitungsladen. Sie hatte sogar den Immobilienmakler Ronald Kammermeier kontaktiert und sich dazu überwunden, in die Apotheke zu gehen und den unangenehm arroganten Marco Bessini zu fragen. Zum Glück hatte der sofort abgewunken, während Kammermeier noch überlegen wollte. Der könnte ruhig ein paar Kröten zuschießen, bei der Provision, die er durch Ben erhalten hat, dachte sie. Das Mädchen hatte sich inzwischen auf der Zweierbank neben Hannah niedergelassen und war durch nichts zu bewegen, den ursprünglich gebuchten Platz einzunehmen. Mit einem entschuldigenden Blick schleppte die Mutter alle Utensilien heran, während ihre Tochter eine neue Runde »Ich will was, was du nicht willst« einläutete. Hannah wandte sich dem Fenster zu und schloss die Augen. Seit klar war, dass sie regelmäßig zu Klaus nach Frankfurt pendeln würde, hatte sie sich eine Bahncard für die 1. Klasse beschafft in der Hoffnung, die Fahrtzeit nutzen zu können. Doch sie sah sich regelmäßig mit Fahrgästen konfrontiert, die ihr einen Strich durch die Rechnung machten. Mal war es ein älteres Ehepaar, das nach Dortmund zu seiner Tochter fuhr und zum ersten Mal im Leben die Bahn nutzte. Sind das unsere Plätze? Willst du lieber am Fenster sitzen? Nein, setz du dich ruhig hin. Kannst du mir meine Jacke aus dem Koffer holen? Willst du nicht doch ans Fenster? Nein! Möchtest du einen Kaffee? Wie stellt man die Rückenlehne nach hinten? Fräulein, ich hätte gerne die BILD-Zeitung. Häufiger waren die amerikanischen oder japanischen Touristen, die nach zehn Tagen durch Europa von Frankfurt aus nach Hause flogen. Während die Amerikaner in der Regel laut waren, nervten die Asiaten mit ihrer ständigen Knipserei. Da waren Hannah die lauthals telefonierenden Geschäftsmänner fast noch am liebsten, obwohl auch die oftmals an ihrem Nervenkostüm zerrten. Mütter mit Kindern waren am Freitag- oder Sonntagabend zum Glück selten; aber wenn sie da waren, waren sie weder zu überhören noch zu übersehen. War JJ auch so eine Nervensäge?, fragte sie sich, als das Mädchen zum xten Male an ihren Stuhl stieß. Nein, JJ war schon immer der ruhige Typ gewesen. Zurückhaltend, beinahe schüchtern. Im Gegensatz zu mir. Ich habe gerne Leute um mich herum. Hannah lächelte und beschloss, ihrem Sohn eine Nachricht zu schreiben. In Queens war es gerade Mittag vorbei. Sie zog das Handy aus der Hosentasche, öffnete die App und schrieb: Hi JJ! Geht's dir gut? Ich sitze im Zug nach FFM, Wochenende mit Klaus. Musste gerade an dich denken. Hast du was vor am Wo'ende? Sie fügte ein Kussmund-Emoji ein und drückte auf Senden. Der erste Haken erschien, dann der zweite, aber sie blieben schwarz. Vermutlich hatte JJ noch Unterricht oder war beim Mittagessen. Hannah schob das Handy zurück, schloss die Augen und versuchte, sich auf die Musik zu konzentrieren. Sie hatte sich vor Monaten eine Liste mit Songs zusammengestellt, die sie und Klaus mochten, als Einstimmung auf die Stunden mit ihm. Seit mehr als einem Jahr führten sie nun eine Wochenendbeziehung und es klappte erstaunlich gut. Sie sahen sich mindestens jedes zweite Wochenende, manchmal auch jede Woche. Sie versuchten, das Pendeln gerecht zu verteilen, aber Hannah war manchmal froh, wenn Klaus sie bat, nach Frankfurt zu kommen, denn so konnte sie den lästigen Pflichten wie der Buchhaltung entfliehen. »Warum nimmst du dir keine Buchhalterin, wenn du es so sehr hasst?«, hatte er sie einmal gefragt. »Ich bin Bankerin!«, hatte sie empört geantwortet. »Ich muss das selbst können.« »Das ist lächerlich und das weißt du. Welcher Banker gibt sich denn mit Buchhaltung ab? Nenn mir einen. Du bist einfach ein Kontrollfreak, der am liebsten alles selbst macht.« Hannah wusste, dass Klaus recht hatte. Beinahe jedes Mal, wenn sie über den Büchern brütete, die sich inzwischen in Form einer Software auf dem PC befanden, beschloss sie, gleich am nächsten Tag eine Anzeige zu schalten. Doch dann war wieder viel zu viel zu tun und anschließend hatte sie es vergessen. Man könnte meinen, ich hätte mein Leben nicht im Griff. Hannah schmunzelte. So gut wie in den letzten Monaten war es ihr schon lange nicht gegangen. Das Café lief bestens, Edi war eine großartige Köchin,...