Froehlich / Sallmann | Zehn Jahre nach Oscar Cullmanns Tod: Rückblick und Ausblick | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 75, 220 Seiten

Reihe: Basler und Berner Studien zur historischen Theologie (BBSHT)

Froehlich / Sallmann Zehn Jahre nach Oscar Cullmanns Tod: Rückblick und Ausblick

E-Book, Deutsch, Band 75, 220 Seiten

Reihe: Basler und Berner Studien zur historischen Theologie (BBSHT)

ISBN: 978-3-290-17741-6
Verlag: TVZ Theologischer Verlag Zürich
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Zehn Jahre nach dem Tod des Theologen und Ökumenikers Oscar Cullmann 1999 wurde dessen Nachlass an die Universitätsbibliothek in Basel überführt und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten geordnet und in einem Findebuch verzeichnet, liegt der Nachlass nun zur Erforschung bereit. Die 14 vorliegenden Beiträge fragen nach möglichen Forschungsaufgaben und geben zugleich Beispiele anhand ausgewählter Themen, die die Biografie, das ökumenische Modell, die Konzeption der Heilsgeschichte und unterschiedliche Kategorien des Nachlasses betreffen. Mit Beiträgen von Matthieu Arnold, André Birmelé, Rudolf Brändle, Dietrich Braun, Karlfried Froehlich, Krzysztof Gózdz, Margarethe Hopf, Zdenek Kucera, Wolfgang Lienemann, Armin Mettler, David P. Moessner, Willy Rordorf, Martin Sallmann.

Martin Sallmann, Dr. theol., Jahrgang 1963, ist ausserordentlicher Professor für Neuere Kirchen- und Theologiegeschichte und Konfessionskunde an der Universität Bern. Karlfried Froehlich, Dr. theol., Jahrgang 1930, ist emeritierter Benjamin B. Warfield Professor of Ecclesiastical History am Princeton Theological Seminary, Princeton, USA.
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|23| Martin Sallmann Forschungsdesiderata aufgrund der Quellenlage im Nachlass Oscar Cullmanns
Leben und Werk sowie die Rezeption Oscar Cullmanns sind nach wie vor wenig erforscht. Nachdem der Nachlass 2009 an die Universitätsbib­lio­thek in Basel überführt worden ist, liegt jetzt ein reichhaltiges, gut geord­netes Archiv für die Erforschung bereit.39 Die Vielfalt des Nachlasses eröffnet un­ter­schiedliche Zugänge zum Cullmann-Archiv. Je nach Fragestellung wird der Zugriff variieren. Denkbar sind Gesichtspunkte, die sich an der Biografie, an behandelten Themen, publizierten Werken oder an bestimmten Quel­len­gattungen orientieren. Im Folgenden versuche ich in fünf Punkten ver­schie­dene Zugänge zum Nachlass aufzuzeigen. Damit sind drei Ziele anvisiert: Zum einen soll ein Eindruck von der Fülle, aber auch von den Konturen des Archivs entstehen. Zum anderen sollen durch Beispiele entle­gene Facetten und Eigenarten des Nachlasses sichtbar werden. Und schliess­lich sollen mög­liche Forschungsprojekte oder Fragestellungen zur Sprache kommen. I. Biografischer Zugang: Familie, Kindheit, Jugend
Oscar Cullmann stammte aus einer kleinbürgerlichen Familie.40 Sein Vater war Lehrer an der Volksschule. 1902 geboren, wuchs Oscar als Jüngster |24| von neun Geschwistern im zunächst deutschen, nach dem Ersten Weltkrieg wie­der französischen Strassburg auf, wo er das Protestantische Gymnasium besuchte. In welchem Milieu wuchs Oscar auf? Wer waren seine Eltern? Wie lebte die Familie? In welcher gesellschaftlichen Umgebung bewegten sich die Cullmanns? In welchen Bildungstraditionen wurde Oscar geschult? In wel­che Frömmigkeit wurde er im Elternhaus eingeführt? Und welche Kirchlich­keit begegnete ihm mit der Lutherischen Kirche? Gerne wüsste man mehr über die Kindheit und Jugend Oscar Cullmanns. Die vorliegenden autobio­grafischen Rückblicke aus den Jahren 1960 und 1993 sind für diese Zeit wenig ergiebig.41 Obwohl die Quellen für die frühe Lebenszeit im Vergleich zu den späteren Lebensphasen spärlicher fliessen, enthält das Archiv diverse Unterlagen, die hilfreiche Einblicke erlauben. So gibt es beispielsweise genea­lo­gische Materialien, die Cullmann zu den Familien väterlicherseits und müt­terlicherseits zusammengetragen hatte.42 Auch über die Geschwister existie­ren eigene, zum Teil ausführliche Dossiers.43 Aus der Kindheit stam­men ein Ferientagebuch oder Weihnachtsgedichte für die Eltern.44 Ein Heft mit Auf­zeich­nungen |25| über einzelne Familienmitglieder hatte Oscar zusam­men mit einem Schulfreund 1916 erstellt.45 Für die Schulzeit sind alle Zeug­nisse und einige Arbeiten aus der Zeit am Gymnasium vorhanden.46 Viele Fotografien, die teilweise im Einzelnen beschrieben sind, finden sich an unterschiedlichen Orten im Archiv.47 Cullmann hielt zeitlebens an seinen Strassburger Wurzeln im Elsass fest. In gleicher Weise galt das auch für seine lutherische Heimatkirche, der er verbunden blieb. 1989 korrigierte er John Neuhaus in einem Brief umgehend, da dieser ihn in einem Aufsatz als «a Swiss Protestant» bezeichnet hatte. Er sei aus Strassburg und Mitglied der elsässischen lutherischen Kirche.48 Auf­schlussreich wäre ausserdem, welche Bilder Cullmann von der eigenen Familie und der eigenen Herkunft übernommen und weitergetragen hat. Ha­ben alle Geschwister das Bild der eigenen Familie geteilt oder gab es unter­schiedliche Auffassungen? Wichtig wäre hier eine weitergehende Ein­ord­nung der Familie Cullmann in den historischen Kontext. Das Archiv kann dazu einzelne farbige Mosaiksteine liefern. Selbstverständlich wären weitere biogra­fische Zugriffe denkbar, zum Beispiel die Berufung nach Basel,49 die bewegte Zeit als Rektor50 oder die zahlreichen Ehrungen.51 II. Institutioneller Zugang: Thomasstift und Alumneum
Überblickt man die Biografie Cullmanns, deckt das Leben im Thomas­stift in Strassburg und im Theologischen Alumneum in Basel mit 43 Jahren einen beachtlichen Teil der Lebenszeit ab und umfasst nahezu die gesamte Zeit aktiver Lehrtätigkeit. Selber zuvor als Student im Thomasstift, wurde er 1926 mit der Leitung betraut, die er bis zu seinem Weggang nach Basel 1938 innehatte. Es gibt einige wenige Unterlagen mit einem direkten Bezug zum Tho­masstift. Vorhanden sind unter anderem die Ernennungsurkunde aus |26| dem Jahr 1926, ein Brief mit den Gehaltsvereinbarungen von Anfang 1927 oder ein Antrag der Stiftsbewohner an «les Messieurs les Membres de l’Epho­rat», der einen freien Arbeitstag für die Zimmermädchen am Sonntag vorsah. Über den Ausgang dieser Petition ist nichts bekannt.52 Nicht zuletzt wegen dieser Erfahrungen im Thomasstift wurde Cullmann in Basel 1941 zum Vorsteher des Theologischen Alumneums gewählt, das er bis zu seinem Ausscheiden als Professor an der Universität Basel 1972 leitete.53 Im Archiv gibt es ein Dossier mit Quellen zum Theologischen Alumneum, die zusam­men mit den Archivalien des Theologischen Alumneums im Staatsarchiv Basel ausgewertet werden müssten.54 Das Leben im Alumneum war nicht allein für die Studenten prägend, sondern auch für den Vorsteher. Dem Hausvater, wie der Vorsteher auch genannt wurde, oblagen bestimmte Aufgaben. Cullmann, der selbst nicht ordiniert war und nur selten in öffentlichen Gottesdiensten predigte, hielt im Theologischen Alumneum regelmässig Hausandachten. Schon aus dem Tho­masstift sind zwei Weihnachtsansprachen überliefert.55 Für das Theologische Alumneum sind ungefähr 230 Andachten aus den Jahren 1943 bis 1961 vor­handen, die in einer lectio continua Auslegungen zur Apostelgeschichte, zum Matthäusevangelium, zu einigen Stellen aus dem Markusevangelium sowie zu 1. Korintherbrief, 1. Johannesbrief und den zwei Thessalonicherbriefen enthalten.56 Die Andachten folgten einer festen Ordnung: Lied, Lesung, Ausle­gung, Gebet, Lied. Die Manuskripte, meist auf A5-Blättern hand­schrift­lich notiert, umfassen am Anfang die Nummern der Liedstrophen, die An­gabe der Textlesung, die vollständig ausgeschriebene Auslegung und am Schluss ein Gebet.57 Die Manuskripte zeigen den Exegeten in erster Linie als Homileten. Der Vergleich zwischen Vorlesung und Andacht wäre reizvoll. Gibt es Unterschiede? Wenn ja – welche? Die Andachten zeigen zudem |27| Cullmann als betenden Lehrer. Formulierte er die Gebete selbständig oder lehnte er sich an gängige Liturgien an? Zum Leben im Alumneum gehörten Ausflüge und Feste der Studen­ten.58 Cull­mann hat auch dafür Andachten und Ansprachen gehalten. Zum 100-Jahre-Jubi­läum des neu eröffneten Alumneums 1944 beispielsweise hielt er sowohl eine An­dacht als auch Ansprachen beim akademischen Festakt.59 Der 80. Geburtstag des Basler Kirchenhistorikers und Vorgängers, Eberhard Vischer, wurde im Alumneum 1945 gefeiert.60 Vischer war als Mit­glied der Kommission dem Hause verbunden. Die Geburtstagsfeier einer grosszügigen Gönnerin fand ebenfalls im Alumneum statt.61 Allerdings stellte sich Cull­mann auch schweren Situationen und hielt die Traueran­spra­che bei der Beerdigung eines Alumnen oder bei der erwähnten Mäzenin.62 Das Alumneum sollte auch ein Hort der Wissenschaft sein. Nach dem Krieg fand 1946 die erste der früher traditionellen Begegnungen der Theo­logischen Fakultäten Strassburgs und Basels im Alumneum statt. Cullmann hielt eine Grussadresse an die Kollegen und überreichte eine Veröffentli­chung, die zum Jubiläum des Alumneums 1944 erschienen war.63 Kollegen der Universität Basel lud Cullmann zu Vorträgen an die Hebelstrasse ein, bei­spielsweise 1948, als er über «Eindrücke vom Christentum Roms» sprach.64 Im Amt des Rektors wurde auch die 50-Jahr-Feier der Basler Studenten­schaft 1968 im Alumneum gefeiert.65 Gerne unterstrich Cullmann den familiären Charakter des Alumneums. 1948 sprach er vor Freunden des Theologischen Alumneums über das Leben und die Bedürfnisse des Studentenhauses.66 An einer Weihnachtsfeier des Alum­neums mit Mitgliedern der Kommission 1950 betonte er den infor­mellen, familiären Rahmen der Feier.67 Auch an einer folgenden Weihnachts­feier |28| wies er auf den persönlichen Charakter der Alumneumsgemeinschaft hin.68 Ähnliche Äusserungen gibt es bereits für die Zeit im Thomasstift.69 Auch die grossen persönlichen Feste fanden im Alumneum statt: 1951 wurde Cullmann zum Chevalier de la Légion d’honneur und 1962 zum Officier de la Légion d’honneur ernannt. Die Übergabe der Insignien und die Feiern wurden bei diesen Gelegenheiten jeweils im Garten des Alumneums in Ge­genwart von illustren Gesellschaften gehalten.70 Auch die Abschieds- und die Geburtstagsfeier 1972 waren mit dem Alumneum verbunden.71 Aus Anlass der Feier seines 50. Geburtstags äus­serte sich Cullmann zur engen Verbin­dung seines Lebens mit dem Alumneum: «Im­mer wieder tritt ja die Frage an mich heran, ob ich nicht nach Paris übersiedeln solle, aber immer ist es vor allem der Gedanke an das Alumneum, der mich zurückhält.»72 Noch 1982 anlässlich einer Dankesrede zum 80. Geburtstag im französischen Kon­sulat...


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