Frey-Anthes | Unheilsmächte und Schutzgenien, Antiwesen und Grenzgänger | Buch | 978-3-525-53027-6 | sack.de

Buch, Deutsch, Band 227, 363 Seiten, mit 83 Abb., Format (B × H): 164 mm x 239 mm, Gewicht: 720 g

Reihe: Orbis Biblicus et Orientalis

Frey-Anthes

Unheilsmächte und Schutzgenien, Antiwesen und Grenzgänger

Vorstellungen von »Dämonen« im alten Israel

Buch, Deutsch, Band 227, 363 Seiten, mit 83 Abb., Format (B × H): 164 mm x 239 mm, Gewicht: 720 g

Reihe: Orbis Biblicus et Orientalis

ISBN: 978-3-525-53027-6
Verlag: Vandenhoeck + Ruprecht


Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist der forschungsgeschichtliche Befund, dass unter dem Begriff 'Dämon' eine Vielfalt von Phänomenen verstanden wird. Der Gebrauch dieses Sammelbegriffs ohne semitisches Äquivalent suggeriert eine Einheitlichkeit der Quellen (Bilder und Texte), die sich bei näherer Betrachtung nicht bestätigt. Werden in Studien zur Ikonographie (bedrohliche) Mischwesen als 'Dämonen' bezeichnet, so sind es in den Texten Krankheiten ebenso wie depotenzierte Götter oder Wesen, die die Peripherie der Zivilisation bevölkern, aus der Umwelt Israels übernommene Gestalten wie Lilit und A_modai oder Grenzgänger und Mittlergestalten wie die Figur des Satans. Die vorliegende Arbeit überprüft deshalb sowohl in terminologischer als auch funktionaler Hinsicht verschiedene Bestimmungsmerkmale des Phänomens 'Dämon' (Aussehen: Mischwesen; Herkunft: depotenzierte Götter; Ort: Gegenwelten; Kommunikationsmittler: Grenzgänger; Bedrohung: Schadensgeister; Hilfe: Schutzgenien) hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf den ikonographischen Befund in Syrien-Palästina sowie auf alttestamentliche Texte. Dabei zeigt sich, dass verschiedene Zugänge zum Phänomen 'Dämon' sich funktional jeweils nur auf bestimmte Texte bzw. Bilder anwenden lassen, auf andere aber nicht. Ein Überbegriff 'Dämon/Dämonen' sollte deshalb für das alte Israel vermieden werden. Die beschriebenen Phänomene müssen vielmehr einzeln betrachtet und in einem zweiten Schritt auf ihre jeweiligen funktionalen Gemeinsamkeiten hin überprüft werden. In religionsgeschichtlicher Hinsicht führt die Untersuchung zum Ergebnis, dass sich über einen ausgeprägten Glauben an (negativ-)numinose Mächte neben Jahwe kaum dezidierte Aussagen machen lassen. In der Glyptik werden Schadensgeister nicht dargestellt. Statt dessen steht die Schutzthematik im Vordergrund, was lediglich als indirekter Hinweis darauf gewertet werden kann, dass es Gefahren gab, vor denen man sich schützen wollte. Im literarischen Bereich zeigt sich, dass man im alten Israel zwar Phänomene aus der Umwelt in die eigene Religion integrierte, sie zugleich aber theologisch instrumentalisierte. Nicht an Dämonologie, sondern an Theologie ist den Texten gelegen: Jahwe ist nicht nur ein omnipotenter Arzt, sondern vor allem ein omnipotenter Herrscher, dessen Macht alle anderen Mächte überstrahlt. Das Fehlen einer dezidierten Dämonologie und eines damit verbundenen Beschwörungssystems dürfte politische, ökonomische und theologische Gründe haben: Dem Herrscher Jahwe selbst eigneten zunächst positive wie negative Seiten. Mit dem voll ausgebildeten Monotheismus von Judentum und Christentum, der Gott von negativen und unheimlichen Elementen befreien will, verschiebt sich allerdings die theologische Einsicht der Alleinursächlichkeit Jahwes. Die Ausbildung einer Hierarchie von Engeln und Dämonen entlastet in gewisser Weise das Gottesbild; zugleich führt der Glaube an Engel und Dämonen aber dazu, dass in den monotheistischen Religionen ein unterschwelliger Polytheismus aufrechterhalten wird.
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Weitere Infos & Material


This study discusses the nature and function of so-called 'demons' in Old Testament literature and iconography from the ancient Levant. The author examines both terminology used and the significance of 'demons' in ancient Israel’s religious history. Originally a Greek word, 'demon' does not have an equivalent in Semitic languages. The use of the term by modern scholars suggests a unified concept which however cannot be confirmed by a close examination of relevant sources (images and texts). The author therefore engages in a different way with the material, discussing both the terminology used in the sources and the function of various classes of 'demons'.>


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