Gedichte und Balladen
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Reihe: Klassiker der Weltliteratur
ISBN: 978-3-8438-0430-1
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Autoren/Hrsg.
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Maria Stuart
(Romanzen-Zyklus)
Ich habe menschlich, jugendlich gefehlt, Die Macht verführte mich, ich hab es nicht Verheimlicht und verborgen, falschen Schein Hab ich verschmäht mit königlichem Freimut. Das Ärgste weiß die Welt von mir, und ich Kann sagen, ich bin besser als mein Ruf. 1. Maria Stuarts Weihe Schloß Holyrood ist öd und still, Der Nachtwind nur durchpfeift es schrill, Es klirrt kein Sporn in Hof und Hall, Nur finstres Schweigen überall. Da plötzlich schwebt, in luft’gem Gang, Ein hohes Weib die Hall entlang: Ihr klares Aug strahlt ewig-jung Vom Feuer der Begeisterung. Zu Häupten ihr glüht Sternenschein, Ihr Haar ist gold, – wer mag sie sein? Sie kommt und bringt ihr Angebind Im Saale drin dem Königskind. Das Königskind, das heißt Marie; Wie Liedes-Zauber umklingt es sie, Als, neigend über die Wiege sich, Die Muse spricht: „Ich weihe dich!“ Sie sprach es kaum, da – still und stumm Entschwebet schon sie wiederum, Und lachend schlüpfen lust’ge zwei Jetzt in die Tür, an ihr vorbei. Die eine trägt zu buntem Tand Einen Pfauenfächer in blitzender Hand, Es knistert die Seide, es bauscht ihr Kleid, Das war die Dame „Eitelkeit“. Die andre, frech und üppig gar, Trägt langes, aufgelöstes Haar, Ihr Aug ist schwarz, nackt ihre Brust, Das war die Dirne „Sinnenlust“. Sie neigen beide zur Wiege sich Und kichern hell: „Wir weihen dich!“ Da huscht, und ihre Wang erblaßt, Rasch in den Saal ein dritter Gast. Wie Schatten schleicht er an der Wand, Sein Kleid ist rot, rot seine Hand, Er schaut sich um, sein Auge sticht, Und messerscharf ist sein Gesicht. Er neigt sich jetzt und spricht das Wort: „Ich weihe dich zu Blut und Mord!“ Auf schreit im Schlaf das Königskind, Und heller draußen pfeift der Wind. Der Gast ist fort, doch her und hin Wirft banger Traum die Schläferin. Geweiht fürs Leben schlummert sie, Die schöne schottische Marie. spätestens 1847 2. David Rizzio Herr Darnley reitet in den Wald, Lord Ruthven ihm zur Seite; Herr Darnley spricht: „Was frommt es mir, daß in den Lenz ich reite? Ich ritt hinaus, ein Schreckgespenst mir aus dem Sinn zu schlagen, Ihr aber, Ruthven, hastet Euch, ins Feuer Öl zu tragen.“ Lord Ruthven streicht den roten Bart, als sei er des zufrieden, Er schweigt und denkt nur: ‚Wenn es heiß, soll man das Eisen schmieden‘; Seit an Marias Ohr er frech ein Liebeswort verloren, Hat er der schönen Königin im Herzen Haß geschworen. Er spricht kein Wort, beredter spricht sein Lächeln jetzt und Schweigen, Er sieht, von Schritt zu Schritt, das Blut in Darnleys Wange steigen; Der ruft: „Sing aus dein Rabenlied, und spricht’s wie deine Blicke, Verdamm mich Gott, wenn ich den Fant nicht in die Hölle schicke!“ Lord Ruthven streicht den roten Bart; in heuchelndem Erstaunen Spricht er: „Mein König zweifelt noch an dem, was alle raunen, Er weiß nicht, was ein jeder weiß von Schottlands Königsstuhle, Daß Heinrich Darnleys ehlich Weib des David Rizzio Buhle!“ Herr Darnley kehrt gen Edinburg, er hält vor seinem Schlosse: „Lord Ruthven“ – spricht er – „so’s beliebt, bleibt Ihr mein Jagdgenosse, Der Fuchs ist schlau, doch bärg er sich in ihres Kleides Falten, Ich jag ihn auf, noch heute nacht will meinen Schwur ich halten.“ Es glänzt der festgeschmückte Saal von Rittern wohl und Frauen, Vor allen ist Maria doch als Königin zu schauen, Sie läßt die Zeit bei Spiel und Tanz in raschem Flug enteilen, Und nur ihr Gatte zögert noch, des Festes Lust zu teilen. Die Kerzen und die Wangen glühn vor Freuden um die Wette, Es schreitet an Lord Seytons Hand Maria zum Bankette, Der Becher schäumt, Maria winkt, ein Saitenspiel zu bringen, Ihr Liebling Rizzio nimmt es hin und hebet an zu singen: Der König zog in finstrem Sinn Hinaus mit seinem Trosse; Nach blickt die schöne Königin Dem Reiter und dem Rosse. Und als des Waldes Laub und Moos Den König kaum erlaben, Da lockt sie schon auf ihren Schoß Den blonden Edelknaben. Sie streicht sein Haar, sie küßt so heiß Die Lippen ihm und Wangen, Die aber sind heut kalt wie Eis Und atmen kein Verlangen. Sie flüstert: „Lieber Knabe mein, Halt fester mich in Armen, Wir wollen eins zur Stunde sein, Das wird dein Herz erwarmen.“ Er aber spricht: „Mag heute nicht Fest herzen dich und pressen, Ich hatt zur Nacht ein Traumgesicht, Das kann ich nicht vergessen: Es trat der König vor mich hin, Als ich dich wollte küssen; Mir ist so bang, lieb Königin, Als würd ich sterben müssen …“ „So stirb, du buhlerischer Tor!“ Herr Darnley ruft’s dazwischen, Es fegt im Nu sein Zornesblick die Gäste von den Tischen, „Stirb denn und dank’s im Tode mir, daß ich mit guter Klinge Zu deinem bösen Bubenlied das letzte Verslein singe.“ Es packt den Sänger Todesangst: in namenlosem Leide Hält fest er, wie ein zitternd Kind, sich an Marias Kleide, Die tritt, halb Furcht, halb Zorn im Blick, hervor, ihn zu bewahren, Umsonst, schon ist des Königs Schwert ihm durch die Brust gefahren. Es hält, die lange Nacht hindurch, Maria Totenwache, Zum ersten Mal durchzieht ihr Herz der heiße Wunsch nach Rache; Die Morgensonne sah den Schwur auf ihrer Lippe beben, – Herr Darnley hat des Sängers Tod bezahlt mit seinem Leben. spätestens 1846 3. Maria und Bothwell
König Darnley liegt erschlagen, Graf Bothwell hat es getan; Sechs Lords von Schottland tragen Die Leiche nach Sankt Alban, Sie stellen bei Fackelscheine Den Sarg an den Altar hin; – Von Trauernden fehlt nur eine, Maria, die Königin. Die sitzet daheim im Schlosse, In funkelnder Nische des Saals, Auf dem Sammetpfühl ihr Genosse Ist der Mörder ihres Gemahls; Dem Lande kleidet die Trauer, Der Königin kleidet die Lust, Kalt-heiße Wonneschauer Durchrieseln ihre Brust. Sie spricht verlockenden Schalles: „Nun komm und küsse dich rot, Ich danke dir alles, alles, Mein Leben und – seinen...