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E-Book, Deutsch, 246 Seiten
ISBN: 978-3-7296-2003-2
Verlag: Zytglogge
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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Die Selbstabschaffung des Mannes Der Mann wird abgeschafft. Und er paktiert mit
dieser Entwicklung, statt sich zu wehren. Statt
mannhaft zu sein, tut er alles, um zu genügen. Der Plan von der Abschaffung des Mannes Ursprünglich gab es nur das Weib. Der Mann ist eine Laune der Natur, die nur entsteht, wenn ein Spermium mit einem Y-Chromosom ein Ei, welches nur X-Chromosomen aufweist, befruchtet. Und auch dann entsteht nur ein vollständiger Mann, wenn genügend Testosteron zur Verfügung steht. Der Mann entsteht nur, wenn sich die Natur der Entwicklung zum Weib hin widersetzt. Nehmen wir an, man habe höhern Orts beschlossen, es nun doch beim Weib zu belassen. Nehmen wir einmal an, die Umsetzung dieses Plans sei bereits im Gange ... Abgeschaffte Väter Immer mehr Kinder wachsen nicht mehr mit ihren Vätern zusammen auf. Der Anteil allein erziehender Mütter nimmt weltweit zu. Die Väter werden aus der Gemeinschaft mit ihren Kindern entfernt oder sie entfernen sich selbst. Auch die mit ihren Kindern unter einem Dach lebenden Väter bekommen oft zu wenig von ihnen mit, und die Kids haben oft einen emotional zu dünnen Kontakt mit ihren Vätern. Diese Entwicklung wird kaum bedauert, man scheint sich damit abzufinden und das Beste draus zu machen. ‹Glückliche Scheidungskinder› heisst ein kürzlich erschienenes Buch des Kinderarztes Remo Largo. Aber ist diese Entwicklung gut? Kinder wollen ihre Väter bewundern. Diese erfüllen eine ganze Reihe wichtiger Funktionen für die Entwicklung. Sie helfen den Kindern, sich von der Mutter abzugrenzen und zu lösen. Sie sind eine Pforte zur Realität, sie sind die wichtige ‹second opinion›, sie stärken der Autonomie der Kinder den Rücken. Sie sind weniger mit ihnen identifiziert, behandeln sie mehr als Gegenüber, sie sind nötig, um ihnen klare Grenzen zu setzen. Und da soll es nichts mehr ausmachen, wenn sie auf Wochenendväter reduziert und oft auch noch menschlich disqualifiziert werden? Wenn sie feige Fahnenflucht begehen? Väter braucht es, um der Aggressivität der Kinder und Jugendlichen, dem Terror der unersättlichen Wünsche, die alle Kinder haben und die sie bändigen lernen müssen, standzuhalten. Väter sind notwendige Störenfriede. Sie scheuen die Auseinandersetzung nicht, sie ertragen Konflikte mit ihren Kindern und Jugendlichen, wenn diese ihre Wünsche rücksichtslos durchzusetzen versuchen. Kinder müssen sich weniger schuldig fühlen, wenn ihre Aggressivität beide Eltern trifft. Sie trauen sich oft nicht, die volle Wucht ihrer Rebellion, die unabdingbar ist, in die Beziehung einzubringen, wenn ein Vater fehlt. Natürlich können auch Mütter Grenzen setzen. Allein erziehend sind sie damit jedoch oft am Rande der Kräfte. Die Präsenz des Vaters entlastet die Mutter. Und der Vater ist zudem oft weniger emotional verstrickt und nüchterner in der Beurteilung schwieriger Situationen. Wenn Kindern ein Vater fehlt, kann es zu zwei unglücklichen Szenarien kommen: Sie werden verwöhnt, alle Wünsche werden grenzenlos erfüllt, ihr Ich entwickelt sich nicht und bleibt schwach. Sie lernen nicht, ihre Triebe und Gefühle zu beherrschen und zu kanalisieren, Frustrationen zu ertragen, konstruktive Lösungen zu suchen. Sie werden süchtig oder nehmen sich mit Gewalt, was sie nicht bekommen können. Sie lernen nicht zu verzichten. Oder die Kinder werden zwar nicht gerade verwöhnt, aber sie dürfen nicht rebellieren und zuhause ihre Aggressionen rauslassen, weil ohne Vater kein genügend starkes tragendes emotionales Klima da ist. Sie sind mit ihren Aggressionen und Frustrationen allein. Sie werden brave, stumme Kinder, die alles in sich hineinfressen aus Rücksicht auf Mama, die es so schwer hat, weil kein Papa da ist. Sie lernen nicht, ihre aggressiven und sexuellen Triebe und Wünsche zu akzeptieren und mit ihnen reif umzugehen. Sie lernen nicht, sich der Macht ihrer Triebe zu öffnen und sie zu beherrschen und ihre Befriedigung zu steuern, sondern sie verdrängen sie, wenden die aggressive Gewalt gegen sich selbst, werden anorektisch, depressiv, gehemmt, leistungsverweigernd. Wenn Männer sich als Väter selbst abschaffen oder abschaffen lassen, lassen sie ihre Kinder im Stich und opfern einen natürlichen Teil ihrer Männlichkeit. Entsorgte Liebespartner Wir leben in einer Trennungskultur. Fast die Hälfte aller Ehen wird getrennt oder geschieden. Achtzig Prozent aller Trennungen und Scheidungen kommen auf Initiative der Frauen zustande. Der Mann als Liebespartner, als Langzeit-Lebensgefährte, als Ehe-Gespons wird abgeschafft. Die Männer ziehen sich auch selber aus dem Liebesverkehr. Die amerikanische Soziologin Katherine Gerson hat in einer gross angelegten Feldstudie festgestellt, dass immer mehr Männer alleine leben und sich von den mühsamen Verflechtungen und Verstrickungen in festen Frauenbeziehungen zurückziehen. Starke Gefühle werden vermieden, es wird ‹love light› in unverbindlichen Kontakten oder gefühlsmässig wenig involvierenden Freundschaften gepflegt. InternetKontaktbörsen boomen. Immer mehr Frauen klagen, dass sich die meisten kontaktsuchenden Männer nur noch eine lockere Beziehung wünschten. Tatsache ist: Die Liebesbeziehungen werden immer schwieriger. Das Selbstverständnis von Frauen und von Männern ist im Umbruch. Im Gespräch und im Bett ist es oft kompliziert. Man versteht sich nicht ‹automatisch›, nur weil Gefühle im Spiel sind. Aber ist die Entsorgung des Mannes die Lösung? Fazit der Trennungsorgien und Unverbindlichkeitsszenarien: Die Frauen leiden am Liebesfrust, die Männer an der Einsamkeit. Die Männer flüchten aus der Gefühlstiefe, weil sie Angst haben, nicht zu genügen, impotent zu sein, zu versagen. Sie weichen dem Problem aus und trösten sich in ihrer Einsamkeit mit Internet, Pornofilmen und Puffbesuchen. Nirgendwo bekommt man die abgeschaffte männliche Liebespower deutlicher mit als beispielsweise im Zürcher Vergnügungsviertel Langstrasse, wenn Freier durch die Strassen streunen und vor Salons rumlungern, um eine Viertelstunde Sex bei einer möglichst jungen Hure zu ergattern. Die Szenerie ist eher traurig. Männer verpulvern ihre finanzielle und sexuelle Potenz an Frauen, die sie verachten. Bankrott auf der ganzen Linie. Wie viel männliche Liebeskraft liegt in unserer Gesellschaft brach? Ein Mann will für eine geliebte Frau da sein, sie umwerben, umsorgen, damit sie ihn liebt und sich ihm auch in voller Lust hingeben kann. So viele verlassene potente Männer, so viele starke einsame Frauen, so viele brachliegende Liebeslandschaften, die stumm nach einer neuen Saat schreien. Die Verantwortungslosen Wirtschaft und Politik, so möchte man meinen, seien noch immer fest in männlichen Händen. Dort werde der Mann nicht abgeschafft. Erst recht seit dem 10. Dezember 2003. Weit gefehlt! Wird hier denn echte Männlichkeit gelebt? Es ist doch wohl eher so: Wer Frauen nicht hochkommen lassen kann, ist ein unsicherer Mann. Echt selbstbewusste Männer haben es nicht nötig, Frauen zu unterdrücken und ihnen die gleichberechtigte Beteiligung an der Macht vorzuenthalten. Ich sehe wenige Ehrenmänner, sondern – Ausnahmen bestätigen die Regel! – viele Ehrgeizlinge und Profiteure, die sich besonders gut für die eigenen Interessen und Vorteile engagieren können. Nichts gegen das gesunde eigene Interesse, wenn es mit Verantwortung fürs Ganze gepaart ist. Doch gerade dies ist immer weniger der Fall. Die viel gepriesene Verantwortung bleibt hohles Gerede, zuerst und vor allem schauen die ‹Verantwortlichen› in Politik und Wirtschaft für die eigenen Interessen, und dies immer unverschämter zum Schaden und auf Kosten der Allgemeinheit. Die oberste Elite schanzt sich gegenseitig lukrative Mandate zu, die Vorgänge bleiben weitgehend undurchschaubar, die Öffentlichkeit wird getäuscht. Verantwortungslose Führungskräfte ruinieren ganze Firmen und sichern sich noch vor Bekanntwerden des Desasters einen goldenen Abgang und planen unverschämt das nächste Comeback. Viele Männer, die gar keine Männer sind, sitzen an den Schalthebeln der Macht. Sie handeln oft verlogen und verantwortungslos. Der moralische Schaden, den verantwortungslose Amtsträger, Manager, Politiker anrichten, ist viel grösser als der materielle. Das Vertrauen in die Führung von Institutionen generell, in die Ehrlichkeit der Chefs, in den guten Umgang mit Macht wird in Frage gestellt. In den Köpfen der Menschen krallt sich die Idee fest, dass Autorität an sich tyrannisch, despotisch, egoistisch sei. Dass «die da oben machen, was sie wollen». Die Abschaffung des Ehren-Mannes ist so weit gediehen, dass gaunerhaftes Verhalten von Verantwortungsträgern keine Revolte mehr auslöst, oft vielmehr insgeheime Sympathie. Man denke an Berlusconi und Co. Dabei ist der tiefere Sinn männlicher väterlicher Autorität demokratisch,...