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E-Book

E-Book, Deutsch, 128 Seiten

Buchner Richtig Schreiben geht natürlich

Teil I: Schreibmotorik

E-Book, Deutsch, 128 Seiten

ISBN: 978-3-7578-5624-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Warum haben so viele Kinder Schwierigkeiten mit dem Rechtschreiben? Die Antwort gibt dieses Buch: Wer nie gründlich das Schreiben gelernt hat, wer motorisch nur schwer in der Lage ist, den Stift zu halten und in den richtigen Bewegungen über das Papier zu führen, der wird für die richtige Schreibweise von Wörtern wenig bis gar keine Energie mehr aufwenden können. In diesem Fachbuch wird erstmals auf die Grundlagen des Schreibens eingegangen. Es wird dafür plädiert, vor dem Rechtschreiben erst einmal das Schreiben richtig zu lernen. Erst wenn der Vorgang des Schreibens mühelos geworden ist, sind die Kinder auch in der Lage, sich auf die richtige Schreibweise von Wörtern zu konzentrieren.

Christina Buchner war viele Jahre Lehrerin an Grund- und Mittelschulen und zuletzt 16 Jahre Rektorin an Grundschulen im Landkreis München. Von Beginn ihrer Lehrtätigkeit an beschäftigte sie sich intensiv mit den Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen und entwickelte eigene Methoden für das Lesenlernen, für Rechtschreiben und für den elementaren Mathematikunterricht. Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher und Aufsätze für Eltern, Lehrer und Lerntherapeuten. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen gibt sie weiter in Vorträgen und Seminaren in Deutschland, Österreich, Italien, Luxemburg und der Schweiz. Christina Buchner lebt mit ihrem Mann im Chiemgau und hat eine erwachsene Tochter.
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Arbeit an den Grundlagen – es geht einfach los
Dieses „einfach“ hat in unserem Kontext zwei Bedeutungen: 1. Wir legen einfach los, ohne große Bedenkenträgerei, Skepsis oder Ja, aber-Geschwurbel und schauen, was passiert. 2. Es geht wirklich mit ganz einfachen Bewegungsübungen los, die ja ohnehin regelmäßig in den Unterricht eingebaut werden sollen, die aber bei uns mehr sind als nur ein bisschen Abwechslung und Auflockerung, weil sie zielgerichtet und auf der Grundlage theoretischer Informationen geplant werden. Theoretische Informationen, das bedeutet, dass wir Schritt für Schritt das Wissen erwerben, was alles an Koordination und neurologischer Entwicklung die Voraussetzung für einen gelingenden Schreiblernprozess ist. Das ist ein weites Feld und du bist gut beraten, wenn du dir Zeit lässt und dich wirklich Schritt für Schritt auf dieses Terrain begibst. Wenn du gleich zu Beginn des Schuljahres anfängst, nicht einfach „irgendwelche“ Bewegungsphasen in den Unterricht einzubauen, sondern ganz zielgerichtet mit genau den Übungen anfängst, die in der Bewegungsentwicklung eines jeden Kindes eine wichtige Rolle spielen, dann wirst du sehr schnell merken, dass du damit deinen pädagogischen Handlungsspielraum ganz entscheidend vergrößern kannst. Über gezielte Bewegung kannst du den Kindern helfen, ihre Lernfähigkeit generell zu verbessern und ihr Verhalten zu stabilisieren. Setz dich richtig hin
Diese Aufforderung ist vielleicht gut gemeint, denn wir wissen ja, dass man für ordentliches Schreiben am besten auch ordentlich sitzen muss. Aber da beginnt bereits das ganze Elend für Kinder, denen es eben nicht so einfach gelingt, gerade und ordentlich zu sitzen. Schauen wir uns doch einmal an, was bereits das Sitzen an Anforderungen bereithält. Hier siehst du einen Schüler, nennen wir ihn Jakob, beim Schreiben. Er sitzt gerade, hat beide Beine auf dem Boden, den Kopf in der Mitte, beide Hände auf dem Heft. Die linke Hand stützt, die rechte Hand schreibt. Wenn dieser Teil der Schreibhaltung für Jakob mühelos zu erreichen ist, dann hat er schon einmal gute Voraussetzungen für den Schreiblernprozess. Was aber, wenn dem nicht so ist? Ich hatte vor vielen Jahren einen Schüler, Benni, der sehr lerneifrig, akkurat und auch ehrgeizig war. Als es nun an die ersten Schreibschwünge ging, stieß Benni schmerzhaft an seine Grenzen. Es wollte ihm bei aller Bemühung einfach nicht gelingen, dass seine Schreibschwünge so aussahen, wie sie es seiner Meinung nach sollten. Er war so ratlos und fühlte sich wohl auch total ohnmächtig, denn irgendwann bekam er einen richtigen Wutanfall. Er warf sein Schwungheft auf den Boden und trampelte darauf herum. Zum Glück für Benni war ich gerade dabei, mich mit den Grundlagen für das Schreibenlernen zu beschäftigen. Die Materie faszinierte mich und obwohl damals mein didaktischer Werkzeugkasten noch sehr überschaubar bestückt war, gelang es mir doch, für Benni unterstützende Übungen zu finden, die ihm dabei halfen, seine Schreibschwierigkeiten zu überwinden. Das ging deshalb sehr gut, weil Benni sich helfen lassen wollte und weil er auch eine sehr vernünftige Mutter hatte, die bereit war, mit ihm zu Hause täglich ein kleines 5-Minuten-Programm zu absolvieren. In späteren Jahren, als ich mit dem Thema Grundlagen des Schreibens richtig vertraut geworden war, kam es gar nicht mehr so weit, dass ein Kind erst völlig verzweifeln musste, bevor ich mit einer Hilfsmaßnahme startete. Da erledigte sich das meiste bereits im Vorfeld und das ist meiner Ansicht nach die beste Intervention, die nicht erst erfolgt, wenn die Hütte brennt, sondern verhindert, dass die Sache überhaupt brenzlig wird. Nun willst du sicher wissen, was mit Benni genau gemacht wurde. Das kommt weiter unten. Jetzt geht es erst einmal um einige der Schwierigkeiten, die unseren Schreib-Eleven das Leben schwer machen können. Die einzelnen kritischen Punkte habe ich mit nummerierten Pfeilen versehen. 1. Um ruhig sitzen zu können, muss das Gleichgewichtssystem funktionieren. Kinder, die damit Probleme haben, gleichen dieses Defizit durch unruhiges Sitzen, Hin- und Herrutschen, Vor- und Zurückwippen usw. aus. 2. Das Aufrechthalten des Kopfes gelingt nur dann mühelos, wenn es keine persistierenden Restreaktionen zweier frühkindlicher Reflexe gibt: des tonischen Labyrinthreflexes und des symmetrischen tonischen Nackenreflexes. 3. Die Füße stehen bei Jakob auf dem Boden, das heißt, er kann seine Körperhaltung kontrollieren, kann obere und untere Körperhälfte koordinieren. Das kann ebenfalls durch Restreaktionen des symmetrischen tonischen Nackenreflexes behindert werden, dann wickeln Kinder die Beine um die Stuhlbeine oder sitzen mit untergeschlagenen Beinen. 4. Beim Schreiben wird der Stift horizontal vom linken Zeilenbeginn zum rechten Zeilenende geführt. Hierfür muss die Körpermittellinie überquert werden. Das und noch einiges Andere wird erschwert, wenn Restreaktionen des asymmetrischen tonischen Nackenreflexes vorhanden sind. Die Schrift rutscht dann aus der Zeile, Zeilen werden nicht ganz zu Ende geschrieben oder die Schrift geht über die Ränder hinaus. 5. Der Stift sollte locker, gehalten von drei Fingern, in der Hand liegen und mit angemessenem Schreibdruck über das Papier geführt werden. Stifthaltung und Schreibdruck werden gestört durch Restreaktionen des Greifreflexes und des asymmetrischen tonischen Nackenreflexes. 6. Beim Schreiben arbeiten die Kinder im Nahbereich vor der Körpermitte, Augen und Hände müssen zusammenhelfen. Das Beugen beider Arme vor dem Körper und die Auge-Hand-Koordination werden erschwert durch Restreaktionen des asymmetrischen tonischen Nackenreflexes. Das ist nun nur ein kleiner – alles andere als vollständiger – Überblick über die Schwierigkeiten, die alleine durch die Schreibhaltung entstehen können. Eine besondere Rolle für die ausreichende Entwicklung der Schreib-Grundlagen bildet die neurologische Entwicklung von Kindern. Das hört sich nun vielleicht etwas einschüchternd an, denn uns Lehrern wird ja immer wieder und von unterschiedlichen Seiten versichert, dass wir genau von den Bereichen, in denen viele Kinder Hilfe brauchen, nicht genügend verstehen. Also: Hände weg von Kindern mit Schwierigkeiten? Diese Auffassung teile ich nicht einmal in Spuren. Wir brauchen nicht die ausufernde Pathologisierung jeder pädagogischen Unbequemlichkeit, sondern Lehrkräfte, die die Herausforderung annehmen, dass eben nicht alle Kinder mit einem einzigen didaktischen Weg zu erreichen sind. Bevor ich nun ausführlich zu den erwähnten Reflexen komme und aufzähle, wofür diese in der kindlichen Entwicklung wichtig sind und welche Störungen sie verursachen, wenn sie nicht rechtzeitig wieder verschwinden oder, wie es korrekt heißt, integriert werden, möchte ich noch erzählen, wie es mit Benni weiterging. Exkurs: Benni und die liegende Acht
Du erinnerst dich: Er war wegen seiner anfänglichen Misserfolge beim Schreiben so wütend, dass er sein Heft zu Boden warf und darauf herumtrampelte. In so einer Situation wäre es nicht unwahrscheinlich, dass das Kind, das sich so „ungezogen“ verhält, geschimpft oder zumindest ermahnt würde und die Situation eindeutig gelabelt wäre mit: „Du hast dich falsch verhalten.“ Diese Auffassung würde aber nicht nur dem verzweifelten Kind nicht weiterhelfen, sondern das Ganze noch deutlich verschlimmern. Benni würde sich ungerecht behandelt und nicht verstanden fühlen und in der Folge vielleicht zu der Meinung kommen, er sei dumm oder – noch wahrscheinlicher – „Schreiben ist mir zu doof – das WILL ich gar nicht lernen!“ Merkst du was? Hier haben wir es mit einem psychologischen Schutzmechanismus zu tun, der bereits den alten Griechen bekannt war und von Äsop in seiner Fabel über den Fuchs und die Trauben so wunderbar illustriert wurde. Nun waren Benni und ich in der glücklichen Lage, dass wir nicht in dieser pädagogischen Sackgasse landen mussten, sondern dass ich – wenn auch noch ziemlich unerfahren und wenig wissend auf diesem Gebiet – dennoch bereits verstand, dass es für manche Kinder einfach nicht möglich ist, auf Anhieb mit den Anforderungen des Schreiblernprozesses zurechtzukommen, auch wenn sie sich noch so sehr abstrampeln und bemühen. Also äußerte ich zuerst einmal mein Verständnis dafür, dass es einen schon sehr wütend machen kann, wenn man sich wirklich fest anstrengt und dann trotzdem nichts erreicht. Ich ließ mir von Benni erklären, was er versucht hatte und wie genau er sein Misslingen empfunden hatte. Wer empört und aufgewühlt ist, muss erst einmal Dampf ablassen – das ist in emotional aufgeladenen Situationen immer nützlich. Dann bot ich ihm meine Hilfe an und da hatte ich mit Benni Glück, denn er war willig und nahm dieses Angebot gerne an. Ein weiterer Glücksfall war es, dass ich Benni mit meinem damals wirklich noch...


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