Bick | Die Tote am Kanal: Der dritte Fall für Marie Maas | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3, 178 Seiten

Reihe: Marie Maas

Bick Die Tote am Kanal: Der dritte Fall für Marie Maas

E-Book, Deutsch, Band 3, 178 Seiten

Reihe: Marie Maas

ISBN: 978-3-95520-636-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein Mordfall ohne Leiche? Kriminalkommissarin Marie Maas lässt sich nichts vormachen. „Die Tote am Kanal“ von Martina Bick – jetzt als eBook bei dotbooks.

Es könnte alles so schön sein: Marie Maas hat gerade einen erholsamen Urlaub hinter. Entspannt kehrt sie nach Hamburg zurück, und schon gibt es einen Mord. Oder etwa doch nicht? Eine Journalistin behauptet, an einem Kanal eine tote Frau gefunden zu haben – doch als die Polizei dort eintrifft, ist diese verschwunden. Die Zeugin bleibt bei ihrer Aussage und Marie Maas beschließt, Nachforschungen anzustellen … aber wie macht man das in einem Mordfall, in dem es nicht einmal eine Leiche gibt?

Jetzt als eBook kaufen und genießen: „Die Tote am Kanal – Der dritte Fall für Marie Maas“ von Martina Bick. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
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2
Die Kommissarin blieb einen Augenblick im Wagen sitzen und wartete ab, bis Pinchas Zukerman den ersten Satz von Max Bruchs Violinkonzert beendet hatte. Ein paar Regentropfen liefen noch über die Windschutzscheibe, aber sie waren von den Birken und Akazien gefallen, unter denen sie ihren Wagen geparkt hatte; sie konnte ihren schwarzen Dienstregenschirm im Auto lassen. »Bachstraße«, stand in großen Lettern, Schwarz auf Weiß, auf dem Schild am Anleger auf dem Osterbekkanal. So ein Schild, wie es sonst nur auf Kleinstadtbahnhöfen zu finden ist, groß und deutlich, denn die Züge halten dort nur kurz, und es gibt keine Lautsprecherdurchsagen; man sitzt schön auf dem trockenen, wenn man die Station verpaßt hat. Aber hier fuhr kein Zug, lediglich ein Dampfer des Hamburger Verkehrsvereins, und auch das nur in der Sommersaison. »Bachstraße«, so hieß der Fall jetzt erst mal, mangels anderer Bezeichnung und, ja, mangels Leiche. Marie Maas schlenderte ein Stück am Ufer entlang. Hier war ein kleiner Park angelegt worden, ein paar Bänke, die jetzt, zwischen zwei Regenschauern, leer waren. Unter der einen Bank waren ein paar leere Bierdosen zurückgeblieben, und vor dem Gebüsch, das einen winzigen Spielplatz abteilte, lag ein weißes Paket, das sehr nach einer zusammengepackten Windel aussah. Die Papierkörbe leer bis auf eine nasse, zerknüllte Bildzeitung. Auf der anderen Seite des Kanals, sieben oder acht Meter entfernt, ragte die rotbraune Ziegelwand der Kampnagelfabrik auf, Halle vier. Oder war es die Requisite? Vielleicht hatte von dort aus jemand etwas gesehen oder gehört? Sie würde jemanden hinschicken, der sich umhören sollte. Man konnte diesen kleinen Parkflecken hier sowohl von der Barmbeker Straße als auch von der Weidestraße aus einsehen und natürlich von der Osterbekstraße, die direkt am Kanal entlangführte. Und wenn man aus der Bachstraße kam, sah man sogar den Bootsanleger. Aber sie konnten unmöglich alle Anwohner befragen. Ein rot-weiß-grüner VW-Bus mit DLRG-Aufdruck bog jetzt aus der Weidestraße in die Osterbekstraße ein und suchte einen Parkplatz. Die Taucher. Die würden durch ihre Aktivitäten vielleicht ein paar Zeugen anlocken. Marie Maas ging langsam an dem Wagen, aus dem zwei kräftige Männer ausstiegen, vorbei, ohne sich zu erkennen zu geben. Sie mußte erst einmal in die Osterbekstraße.

Die junge Frau war etwa einen Meter fünfundsiebzig groß, sehr schlank und drahtig und öffnete der Kommissarin mit einer Miene die Tür, aus der sie schleunigst ein Grinsen wegzuwischen versuchte. Ein spöttisches Zucken um die Mundwinkel blieb zurück. Ein Blitzen in den Augenwinkeln, das sie verbarg, indem sie permanent den Kopf hin und her drehte. »Wollen Sie sich setzen? Oder stehen Sie lieber? Meine Erfahrungen mit der Polizei beschränken sich bisher aufs Fernsehen, wissen Sie.« Sie wies auf eine hellbraune Ledergarnitur und dann aufs Fenster, dort befanden sich offenbar die Stehplätze. Die Kommissarin, die sich beherrschen mußte, um nicht etwas verlegen an ihrem Trenchcoat herumzuzupfen, der sicherlich wieder vor dem Bauch beulte und über den Hüften zu viele Falten warf – das tat er immer, wenn er kritisch beäugt wurde –, zog es vor, sich erst mal ans Fenster zu begeben. Hier hatte sie eine Wand im Rücken, das hieß, von dort aus konnte niemand sie beobachten oder sich über sie amüsieren. Außerdem hatte sie von hier aus den Überblick über die Osterbekstraße und den Kanal, über den Tatort also – oder den Fundort, oder wie sollte man einen Ort nennen, an dem eine Leiche gesehen worden war? Nur ein einziges Mal gesehen, und zwar von dieser jungen Frau hier: »Frau Pop, das ist richtig, ja? Frau Theresa Pop.« »Das ist richtig.« Theresa Pop hatte sich auf die Couch gesetzt, die dem Fenster gegenüberstand. Breitbeinig, beide Ellbogen weit über die Rückenlehne gehängt und wieder mit diesem Gesichtsausdruck, als würde sie gleich platzen vor Lachen. Marie Maas merkte, wie ihre Verlegenheit sich langsam in Ärger verwandelte. Frau Pop hatte offenbar vor, ihr die Eröffnung zu überlassen. In Ordnung, sie sollte ihren Willen bekommen. Entschlossen verknotete die Kommissarin ihre Hände auf dem Rücken und begann einen Rundgang durch das Zimmer, das Kinn fest auf die Brust gedrückt und ohne die Gesten und die Mimik der jungen Frau weiter zu beachten. »Sie sind dreißig Jahre alt, ledig, keine Kinderjournalistin, freie Journalistin, nicht wahr?« Sie drehte sich auf dem Absatz um und sah Theresa Pop an. Die hatte den Mund leicht geöffnet und lauschte dem Vortrag ihrer biographischen Daten wie ein Kind dem Weihnachtsmärchen. »Ja.« »Und Ihr Fachgebiet ist Grafik ...« »Design. Ich arbeite für die Design Review. Ist das irgendwie wichtig, Frau Kommissarin? Ich meine: wichtig für die Aufklärung dieses mysteriösen Mordfalles?« Nun gelang auch Marie Maas ein feines falsches Grinsen. Nur noch einen ganz kleinen Augenblick, und dann würde sie sich wieder völlig im Griff haben. Selten kam es vor, daß jemand allein mit Dreistigkeit sie so aus der Fassung brachte. Sie langte in ihre Handtasche und zog einen etwas zerfledderten Stenoblock heraus. Der Bleistift fand sich ganz unten in der Tasche zwischen Tabakkrümeln und einem verklebten Bonbonpapier. »Erzählen Sie mir doch noch einmal der Reihe nach, was Sie gestern morgen gesehen haben, Frau Pop. Ich wurde gestern, an meinem letzten Urlaubstag, gegen vierzehn Uhr darüber unterrichtet, daß hier am Osterbekkanal, auf dem Anleger ›Bachstraße‹, am Morgen eine Frauenleiche gefunden, vielmehr gesehen worden war, die jedoch gegen elf Uhr, als meine Kollegen hier eintrafen, bereits verschwunden war. Die Spurensicherung fand nur eine dunkelblaue Sandale der Firma Birkenstock, Größe vierzig.« Die Kommissarin hatte sich gegenüber Frau Pop auf einem sehr stabil aussehenden Hocker niedergelassen, der sich nun, als sie darauf saß, als ein mit vielen Schichten Papier beklebtes Holzgestell entpuppte. Hoffentlich hielt das Ding. Sie war nicht bereit, ihre mühsam wiedererlangte Selbstsicherheit wegen eines in die Brüche gehenden Papierhockers, eines Designerscherzes, erneut zu opfern. Sie hob ihren Blick einen Zentimeter über den Notizblock hin zu Theresa Pops Füßen. Größe vierzig, das könnte hinkommen. Aber eine Quadratlatsche von Birkenstock an diesem schmalen Fuß? Unvorstellbar. Dieser Fuß hier würde sich verloren vorkommen in einem solchen Gesundheitsschuh. Theresa Pop legte den Gegenstand der Betrachtung auf das rechte Knie und den Kopf ganz in den Nacken und schloß die Augen »Ich bin wie gewohnt gegen halb acht aufgestanden, habe mich angezogen und war gegen zehn vor acht Uhr unten zum Joggen. Manchmal fahre ich rüber in den Stadtpark, aber gestern hatte ich dazu keine Lust.« Sie machte die Augen auf, einen Spalt weit jedenfalls, so daß sie die Kommissarin kurz mustern konnte. »Gestern hatte ich keine Zeit dazu, wollte ich sagen.« Sie räusperte sich und faltete plötzlich mit einer blitzschnellen, gewandten Bewegung ihre sämtlichen langen Gliedmaßen wieder zusammen und saß sehr züchtig, sehr aufrecht ihrer Gesprächspartnerin gegenüber. Ihre Stimme erinnerte jetzt leicht an den Tonfall eines etwa zehn Jahre alten Mädchens. »Ich lief und lief, und was soll ich Ihnen berichten? Da lag sie plötzlich. Die Leiche.« »So«, sagte die Kommissarin nach einer Pause, in der sie mit zusammengebissenen Zähnen bis zehn gezählt hatte, um nicht vorzeitig zu explodieren. »Da lag die Leiche und trug blaue Sandalen.« Theresa Pop zögerte kurz und kicherte dann. »So muß es wohl gewesen sein.« Marie Maas gelang es, dank ihrer zwanzigjährigen Berufserfahrung, jetzt ganz cool aufzustehen, wieder einen kleinen Gang durch das große, helle Zimmer zu absolvieren, dann ganz dicht vor der in Kleinmädchenpose erstarrten Theresa Pop stehenzubleiben und erstaunlich ruhig zu sprechen. »Frau Pop, ich bin vom Gesetz her verpflichtet, jedem angezeigten Kapitalverbrechen nachzugehen und dafür zu sorgen, daß die Täter gefaßt werden und nicht weiteres Unheil anrichten können. In diesem Fall, in Ihrem Falle möchte ich mal sagen, gehe ich sehr stark davon aus, daß Sie –aus welchen Gründen auch immer – mit meiner Funktion und Aufgabe einen Scherz treiben wollen. Vielleicht wollen Sie sich nur wichtig machen – das ist Ihnen gelungen. Die Presse war gestern hier, Sie haben Ihre Publicity gehabt. Ist es jetzt genug? Wollen wir das Spielchen nicht beenden? Meine Zeit ist kostbar und recht teuer für den Steuerzahler. Wissen Sie, was so ein Tauchereinsatz da draußen pro Stunde kostet?« Theresa Pop starrte ein Weilchen auf ihre brav im Schoß zusammengelegten Hände und stand dann langsam auf. Sie war eine Schönheit, so wie sie sich bewegte. Ihr ungleichmäßiges, kantiges Gesicht konnte einen Augenblick lang überwältigend sein durch die Kraft und Energie, die diese Frau durchströmten. Schönheit von der Art, wie Tiere schön sein können. Pferde. Ja, daran erinnerte diese Frau Marie Maas: an ein wildes, ungebändigtes Fohlen. Theresa Pop stellte sich an den Kaminsims – es gab nur diesen Sims und keinen Kamin darunter, wohl aber die Andeutung eines Schornsteins darüber, ein einfacher weißer Absatz in der Wand –, legte eine Hand auf die Steine und ließ das Schulterblatt unter ihrem Seidenhemd spielen. »Und wenn ich nun Angst habe, Frau Kommissarin?« »Wir können uns über die Folgen verständigen.« »Nein, nein, Sie verstehen mich falsch.« Sie drehte sich um und sah der Kommissarin direkt in die Augen. Zum ersten Mal. »Ich habe Angst vor...


Bick, Martina
Martina Bick wurde 1956 in Bremen geboren. Sie studierte Historische Musikwissenschaft, Neuere deutsche Literatur und Gender Studies in Münster und Hamburg. Nach mehreren Auslandsaufenthalten lebt sie heute in Hamburg, wo sie an der Hochschule für Musik und Theater arbeitet. Martina Bick veröffentlichte zahlreiche Kriminalromane, Romane und Kurzgeschichten und war auch als Herausgeberin tätig. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. 2001 war sie die offizielle Krimistadtschreiberin von Flensburg.

Bei dotbooks erscheinen die Romane „Unscharfe Männer“, „Die Landärztin“ und die Fortsetzung „Neues von der Landärztin“ sowie die Krimi-Reihe um Hauptkommissarin Marie Maas, die folgende Bände umfasst:

„Der Tote und das Mädchen. Der erste Fall für Marie Maas“
„Tod auf der Werft. Der zweite Fall für Marie Maas“
„Die Tote am Kanal. Der dritte Fall für Marie Maas“
„Tödliche Prozession. Der vierte Fall für Marie Maas“
„Nordseegrab. Der fünfte Fall für Marie Maas“
„Tote Puppen lügen nicht. Der sechste Fall für Marie Maas“
„Totenreise. Der siebte Fall für Marie Maas“
„Heute schön, morgen tot. Der achte Fall für Marie Maas“


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