Beyerlein / Chidolue / Flacke | Bücherwurm trifft Leseratte 2 | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 180 Seiten

Beyerlein / Chidolue / Flacke Bücherwurm trifft Leseratte 2

Neue Geschichten und Gedichte für Kinder

E-Book, Deutsch, 180 Seiten

ISBN: 978-3-7412-4872-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Spannendes, Mutmachendes und Witziges für Kinder zwischen 5 und 9 Jahren. Geschichten und Gedichte zum Vor- und Selberlesen in Schul-Druckschrift. Mit Bildern von Manfred Schlüter. Bücherwurm trifft Leseratte ist zugleich Programm und will Kinder zum Artenschutz dieser beiden bedrohten "Tierarten" animieren. Ausgewählte Geschichten und Gedichte wie in dieser Sammlung helfen dabei! Bücherwurm trifft Leseratte 2 ist das zweite Gemeinschaftsprojekt bekannter Kinderbuch-Autor*innen und zugleich die 50. Buchveröffentlichung in der Edition Gegenwind. Weitere Informationen zum Buch siehe: www.edition-gegenwind.de.vu

Gabriele Beyerlein wurde durch zahlreiche Bücher für Kinder und Jugendliche bekannt und ist mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Heinrich-Wolgast-Preis, dem Gerhard-Beier-Literaturpreis sowie mit einem Buch des Monats von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach. Homepage: www.gabriele-beyerlein.de
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Halloween
von Gabriele Beyerlein
Ich bin so satt, dass ich gleich platze, weil es so viele gute Sachen zu essen gegeben hat. Alles haben wir ausprobiert: den Nudelsalat und die Hackfleischbällchen und die chinesischen Sachen, von denen ich nicht weiß, wie sie heißen, und die Rote Grütze und die Vanillesoße und den Apfelstrudel. Wir haben ganz allein in Tobias’ Zimmer essen dürfen, weil unten im Wohnzimmer Miriam mit ein paar Freundinnen und Freunden damit beschäftigt war, das Buffet aufzubauen und alles zu schmücken. Miriam ist Tobias’ große Schwester. Sie hat heute ihren achtzehnten Geburtstag. Und weil Halloween ist, feiert sie eine Gruselparty. Dazu bin ich natürlich nicht eingeladen, was ich ja auch gar nicht will. Aber Tobias ist schließlich mein Freund, und ich darf bei ihm schlafen. Na ja, was so „schlafen“ heißt. Tobias will unbedingt bei der Gruselparty mitmischen, heimlich, versteht sich. Ich weiß nicht, ob ich die Idee so toll finde … Inzwischen hat die Party längst begonnen, es ist ja auch schon bald zehn Uhr. Doch es kommen immer noch Gäste. Miriam scheint ihre halbe Schule eingeladen zu haben. Wir stehen in unseren Schlafanzügen am Fenster in Tobias’ Zimmer und spähen hinaus. Das Licht haben wir ausgemacht, damit wir nicht entdeckt werden, während wir die Gäste von Miriams Halloween-Party beobachten. Obwohl es ja längst Nacht ist, kann man ganz gut sehen, weil die Straßenlaterne scheint und neben dem Weg zur Haustür Fackeln leuchten. Zwei Typen kommen gerade den Weg herauf, ein Vampir und eine Hexe. Vampire und Hexen gibt es schon mehrere auf der Party. Aber da trippelt noch jemand heran, der von Kopf bis Fuß in weiße Bänder eingewickelt ist und kaum gehen kann, weil er sich die Füße aneinandergewickelt hat. Vielleicht ist er ja auch eine Sie, das kann man nicht erkennen. Aber dass es eine Mumie ist, das erkennt man. Schon wieder hält ein Auto vor dem Haus. Eine große Gestalt steigt aus. Boah! Was für ein schrecklicher, riesiger Kerl! Ganz in eine schwarze Kutte gehüllt, die Kapuze tief in die Stirn gezogen, ein großes Beil über die Schulter gelegt. Und unter dem Arm trägt er einen Kopf, der sieht ganz blutverschmiert aus. Unwillkürlich zucke ich zusammen. Auch wenn ich natürlich weiß, dass der Kopf nur aus Plastik ist und das Blut nur Farbe – klar. „Huuuh!“, macht Tobias. „Ein Henker! Da hab ich aber Angst!“ Er lacht. Ich lache auch. „Pass nur auf, dass er dir nicht den Kopf abschlägt!“ „Klar“, sagt Tobias. „Der sitzt mir dann nur noch ganz locker auf meinen Schultern. Und wenn ich nicke, fällt er mir runter!“ „Und ich spiele als Gespenst Fußball damit.“ „Also hör mal, Jan!“, protestiert er. „Mit meinem Kopf! Etwas mehr Pietät, bitte.“ Ich habe keine Ahnung, was das ist, Pietät. Aber ich habe keine Lust, zuzugeben, dass ich das Wort nicht kenne. Deshalb sage ich nur: „Ich glaub, jetzt kommen keine Gäste mehr.“ „Ja, scheint so. Ich fand den Henker am besten“, erklärt Tobias. „Und du?“ „Ich die Mumie“, antworte ich. Er nickt. „Auch nicht schlecht. Jedenfalls besser als lauter Hexen, Vampire und Monster. Aber Gespenster waren nicht darunter. Die spielen wir, um Mitternacht!“ Um Mitternacht wird Miriams Vater die Sicherungen ausschalten. Wir haben gehört, wie Miriam das mit ihm abgesprochen hat, weil sie dann Gruselparty im Finstern feiern will. Dass wir da mitspielen werden, ahnt keiner. Das soll schließlich unsere Überraschung werden, wenn alle denken, wir würden tief und fest schlafen. „Denen werden wir ganz schön Angst einjagen“, prahlt Tobias. „Wenn wir da plötzlich im Finstern auftauchen und keiner mit uns gerechnet hat und meine Katzenaugen leuchten und du mit dem …“ Er kichert. „Die machen sich vor Schreck bestimmt in die Hosen“, bestätige ich. Aber mein Herz klopft auf einmal ziemlich schnell. Im Finstern unter all diesen Monstern … Wahrscheinlich werden die nicht gerade brav darauf warten, dass wir sie erschrecken, sondern selbst alles Mögliche anstellen, um anderen Angst zu machen! Ich glaube, das stelle ich mir lieber nicht so genau vor. Doch ich werde das schon hinkriegen, irgendwie. Ein Angsthase bin ich jedenfalls nicht, und das werde ich allen beweisen. Wenn nur mein Herz nicht so schlagen würde! „Spielen wir noch in der Räuberhöhle?“, fragt Tobias und schaltet das Licht wieder an. „Klar“, sage ich und bin froh, dass ich auf andere Gedanken komme. Wir klettern in die Räuberhöhle. Sie ist das Tollste an diesem Riesenzimmer, das Tobias ganz für sich allein hat. Es ist eine Nische hoch unter der Decke, denn die Räume sind hier viel höher als in normalen Häusern. Man muss eine Leiter hochsteigen, um die Höhle zu erreichen. Tobias’ Vater hat ein Brett davor angebracht, damit man nicht runterfallen kann. In der Höhle liegen zwei Matratzen, ein großer Pandabär und jede Menge Kissen. Wir spielen, wir wären Raubritter und unsere Burg würde angegriffen. Wir müssen uns natürlich verteidigen und werfen Felsbrocken auf die Angreifer, sodass sie rückwärts die Leiter runterfallen. Als uns die Munition ausgeht, hören wir mit dem Spiel auf. Alle Kissen liegen jetzt unten. Tobias’ Mutter kommt rein und sagt, wir sollen jetzt langsam Schluss machen und schlafen und sie schaut nachher noch mal nach uns, ob das Licht auch aus ist. Dann geht sie wieder. Wir nehmen den Pandabären als Rückenlehne und machen es uns gemütlich. Wir trinken Apfelsaftschorle, obwohl wir schon längst die Zähne geputzt haben, und beginnen, uns Gespenstergeschichten vorzulesen. Schließlich müssen wir uns ja bis Mitternacht wach halten. Ich gähne. Tobias’ Stimme schläfert mich ein. Und wie die Geschichte ausgeht, die er vorliest, kann ich sowieso schon erraten. Von unten hören wir Musik und Lachen und viele Stimmen. Klingt nicht gerade wie eine Gruselparty. Aber um Mitternacht, wenn es dunkel wird und wir herumgeistern … Bloß nicht wieder anfangen, darüber nachzudenken! Eigentlich würde ich jetzt am liebsten schlafen. Aber ich kann doch nicht zu Tobias sagen: Hör mal, zum Gespensterspielen bin ich zu müde, das musst du wohl allein machen. Das wäre ja peinlich. Und schließlich zählt er auf mich. Ich müsste noch mal aufs Klo, aber diese Leiter hinunterzuklettern, das ist mir viel zu viel Aufwand. Ich bin so müde. Ich wache auf, weil ich plötzlich ganz dringend muss. Ich wundere mich, dass meine Eltern mitten in der Nacht so laute Musik machen, und setze mich in meinem Bett auf. Da merke ich erst: Ich bin ja bei Tobias! Offensichtlich sind wir beide in seiner Räuberhöhle eingeschlafen, und jemand hat uns zugedeckt und das Licht ausgemacht. Von unten kommt ein Lied, das ich aus dem Radio kenne, aber es klingt irgendwie anders als sonst, näher und echter. Eine Frau singt mit einer ganz rauchigen Stimme, die Instrumente begleiten sie. Sonst ist es still da unten, keiner redet oder lacht oder trampelt auf der Treppe herum wie noch vorhin. Vielleicht ist Mitternacht schon lange vorbei und wir haben die Geisterstunde verpasst? Ich taste neben mich und bekomme die Schulter von Tobias zu fassen. Er schläft. Ich möchte auch weiterschlafen. Aber es geht nicht. Gleich mache ich in die Hose. Vorsichtig krabble ich zum Rand der Räuberhöhle. „Jan?“, brummt Tobias halb im Schlaf. Aber plötzlich setzt er sich auf. „Haben wir etwa Mitternacht verschlafen?“ „Keine Ahnung“, murmle ich und beginne die Leiter hinunterzusteigen. Die Straßenlaterne scheint durch die beiden hohen Fenster herein und malt helle Rechtecke an die Wand. Am Fußboden stolpere ich über ein paar Kissen und hätte mich beinahe flachgelegt. „Was ist?“, fragt Tobias und schaltet die kleine Lampe in der Räuberhöhle ein. „Mensch! Bald Mitternacht! Wir müssen uns verkleiden!“ „Erst mal muss ich aufs Klo!“, antworte ich. Als ich ins Zimmer zurückkomme, ist das Licht aus. Da! Ich stocke. Da, da, vor dem Fenster, da steht was! Riesengroß. Ein schwarzer Schatten vor dem helleren Rechteck des Fensters. Eine dürre Gestalt mit glühenden Augen. Ich weiß genau, es ist Tobias in seinem Kostüm, von so was lasse ich mir doch keine Angst einjagen, aber trotzdem … Das Herz klopft mir bis zum Hals. „Huuuuh“, macht die Gestalt. Tobias, klar. Langsam stoße ich die Luft aus. „Sieht echt stark aus“, sage ich so cool wie möglich und räuspere mich, weil meine Stimme ein bisschen heiser ist. „Aber das Huuuuh solltest du lieber lassen. Klingt nicht so überzeugend.“ Tobias kichert. Da muss ich auch lachen. Endlich finde ich den...


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