E-Book, Deutsch, Band 3, 208 Seiten
Reihe: Die Stinktier & Co-Reihe
E-Book, Deutsch, Band 3, 208 Seiten
Reihe: Die Stinktier & Co-Reihe
ISBN: 978-3-641-21134-9
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Weitere Infos & Material
1. Frühsport auf vier Pfoten »Aufwachen! Wach endlich auf, du Faulpelz!« Seit einer halben Stunde versuche ich, Dieter zu wecken. Ich habe ihn geschüttelt, ich habe ihn gerüttelt und geknufft habe ich ihn auch. Aber er wacht einfach nicht auf, sondern bleibt schnarchend auf meinem Kopfkissen liegen. Dort hat er sich zu einem Fellbündel zusammengerollt und die Nase unter seinem buschigen Schwanz vergraben. Das sieht ziemlich gemütlich aus, und wenn ich es nicht so eilig hätte, würde ich mich glatt auch noch mal hinlegen und mich neben ihn in mein warmes Bett kuscheln. »Jetzt wach endlich auf! Wir müssen los!« Ich beuge mich so weit zu Dieter herunter, dass sich mein Mund direkt vor seinen schwarz-weiß gestreiften Fellohren befindet. Aber Dieters einzige Reaktion ist, seine Ohren jetzt auch noch unter seinem Schwanz verschwinden zu lassen und im Halbschlaf zu murmeln: »Brüll doch nicht so, Zora! Ich bin ja nicht schwerhörig.« »Wir kommen zu spät!«, dränge ich. »Nur noch zwei Minuten, Zora. Nein, warte, besser … noch zwei Stunden.« »Wir haben aber keine zwei Stunden mehr! Noch nicht mal eine halbe.« Statt einer Antwort höre ich nur wieder Dieters Schnarchen. Es ist so laut, dass Nora mit der Faust gegen die dünne Wand hämmert, die ihr Zimmer von meinem trennt. Nora ist meine große Schwester, und dass wir uns drei Buchstaben im Vornamen teilen müssen, finde ich richtig doof. Aber seinen Namen kann man sich nicht aussuchen und unsere Eltern fanden es halt eine lustige Idee, uns beide Nora und Zora zu nennen. Weil Dieter sich von Noras Klopfen nicht stören lässt und weiterschnarcht, brüllt meine Schwester laut: »Ruhe!« Dann meldet sich nebenan noch eine zweite Stimme, die laut »Klappe, Dieter!« schreit. Die zweite Stimme gehört Mathilde. Mathilde ist das Zebra meiner Schwester und ich glaube, das muss ich erklären. Bei uns in der Familie haben fast alle tierische Begleiter. Die kann aber nur jemand sehen, der selber ein Tier besitzt. Nora hat ein Zebra, das sagte ich ja schon. Mein Papa hat einen Eisbären, der Lasse heißt, und seine Mutter, also meine Oma, eine Giraffe namens Gertrud. Bloß meine Mutter hat keines, weil die Gabe nur über die Familie meines Vaters weitergegeben wird. Ich habe ein Stinktier. So, jetzt ist es raus. Das schnarchende schwarz-weiße Flauschbündel auf meinem Kopfkissen ist ein Stinktier. Andere haben Einhörner, Wölfe, Löwen, Tiger oder zumindest ein Zebra, wie meine Schwester. Ich aber habe ein Stinktier – und als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, ist Dieter auch noch furchtbar eingebildet, schrecklich faul, unglaublich verfressen und schlecht riechen tut er auch. Klar, ist ja ein Stinktier, da kann man nicht erwarten, dass er duftet wie ein frisch gebackener Apfelkuchen. Da kommt mir plötzlich eine Idee! »Wenn du jetzt nicht sofort aufstehst, passiert was«, drohe ich. Dieter scheint das überhaupt nicht zu beeindrucken. Der schläft einfach weiter. »Das ist meine letzte Warnung!« Wieder keine Reaktion. »Na gut, du hast es nicht anders gewollt!« Ich hebe mein schlafendes Stinktier hoch, trage es ins Badezimmer und setze es dort in der Wanne ab. »Hey, was soll das?«, fragt Dieter immer noch ganz schläfrig. »Das ist kalt. Ich will zurück ins Bett.« Ich antworte nicht, sondern stelle einfach die Dusche an. Das ist nicht besonders nett, aber sehr wirkungsvoll. Dieter ist sofort hellwach und fängt an zu schimpfen. »Stell sofort das kalte Wasser ab, du hinterhältiges kleines Biest. Warte nur, bis ich dich kriege, dann kannst du was erleben. Glaub ja nicht, dass ich dir noch mal helfe, du undankbares Kind!« Dieter versucht aus der Wanne zu klettern, aber das klappt nicht, weil die Wände so glatt sind. So kann ich ihn in Ruhe abbrausen. Dieter schüttelt sich, dass die Tropfen in alle Richtungen fliegen. Doch das macht mir nichts, weil ich mir Mamas Bademantel angezogen habe, der immer an einem Haken an der Badezimmertür hängt. Außerdem habe ich mir eine Wäscheklammer auf die Nase geklemmt, nur für den Fall, dass Dieter meine Duschattacke mit einer Stinkattacke beantwortet. Aber das tut er nicht, weil er viel zu sehr mit Schimpfen und Strampeln beschäftigt ist. Dabei wird aber nur Mamas Mantel nass. Ich bleibe schön trocken und nutze die Gelegenheit, Dieters nasses Fell ordentlich einzuseifen. Dazu schnappe ich mir Noras teures Lieblingsshampoo, das sie sich immer von ihrem Taschengeld kauft. Dieter hasst das. Aber manchmal muss das Einseifen einfach sein, sonst würde er noch viel mehr stinken. Als ich fertig bin und den Schaum aus seinem Fell gewaschen habe, schimpft Dieter immer noch. Dafür riecht er jetzt besser und zwar nach Aprikose und Mango. »Das kannst du nie wiedergutmachen, Frolleinchen. Höchstens wenn du mir ein richtig tolles Frühstück machst. Aber auch nur vielleicht und auch nur weil ich so wahnsinnig großzügig bin«, sagt Dieter, als ich ihn mit einem Handtuch abtrockne. »Fünf geschmierte Brötchen mit Butter und Kirschmarmelade und dazu noch einen Teller mit Rührei und Speck und …« »Wir haben keine Zeit zum Frühstücken, wir müssen sofort los«, unterbreche ich ihn, weil ich seine endlosen Wunschlisten fürs Frühstück kenne. Bevor Dieter mit seiner Aufzählung fertig ist, ist längst Zeit fürs Mittagessen. »Wie?! Was soll das denn heißen, wir haben keine Zeit für das Frühstück?!« Dieter sieht mich an, als hätte ich ihm gerade erklärt, dass Stinktiere fliegen können. »Weil du so lange geschlafen hast, sind wir schon viel zu spät dran«, sage ich. »Außerdem wollte ich dich sowieso ein bisschen auf Diät setzen.« »Mich?« Dieter versucht seinen Bauch einzuziehen. Aber das gelingt ihm nicht besonders gut, weil er wirklich sehr dick ist. »Und ein bisschen Sport treiben solltest du auch«, sage ich. »Deswegen joggen wir zu Kati.« »Du meinst, du joggst und ich hocke auf deinem Arm«, erwidert Dieter. »Von wegen. Wir joggen beide.« Dieter sagt nichts mehr, sondern starrt mich einfach nur an. Er sieht aus, als stünde er unter Schock. Es ist wohl zu viel für ihn, dass er auf das Frühstück verzichten und auch noch Sport treiben soll. Ich wische mit meiner Hand vor seinem Gesicht herum, als wäre da eine Windschutzscheibe. Er reagiert aber nicht, sondern starrt einfach geradeaus. »Ist doch gar nicht weit bis zu Kati«, versuche ich Dieter zu beruhigen. Kati ist meine allerbeste Freundin und heute ist ihr zehnter Geburtstag. Deswegen bin ich so aufgeregt. Es könnte ja sein, dass sie heute vielleicht auch einen Begleiter bekommt. Die kommen nämlich immer am zehnten Geburtstag zu ihren Menschen. Ich kenne eine Menge Kinder, die einen haben. Da sind zum Beispiel meine neuen Freunde Anna und Leon. Anna hat ein Faultier und Leon eine Ratte, die heißen Paula und Jasper. Zusammen haben wir eine Bande gegründet und die haben wir den ›Club der super Tiere‹ genannt. Eigentlich sollte unsere Bande der ›Club der doofen Tiere‹ heißen. Denn mal ehrlich, wir drei haben nicht so wahnsinnig viel Glück mit unseren Begleitern gehabt. Ein Stinktier, eine Ratte und ein Faultier sind nun wirklich nicht der Hauptgewinn. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten sind sie gar nicht so schlecht und wir haben ja auch schon eine Menge toller Sachen zusammen erlebt. Deswegen nennen wir uns ja auch ›Der Club der super Tiere‹. Das mit dem super war übrigens Dieters Idee. Wessen sonst? Kati gehört auch zu unserem Club, obwohl sie keinen Begleiter hat. Sie weiß aber Bescheid über mein Stinktier, Leons Ratte und Paulas Faultier, weil ich von meiner Oma eine Pfeife geschenkt bekommen habe. Wenn man da reinbläst, kann man unsere Tiere sehen, auch wenn man selbst keines besitzt. Sonst geht das nämlich nicht, weil nur Menschen mit Begleitern andere Begleiter sehen können. Ich hoffe so sehr, dass Kati auch ein Tier bekommt! Dann würde sie richtig zum Club gehören und ich müsste ihr nicht immer erklären, was unsere Tiere gerade machen. Ich ziehe mir Mamas nassen Bademantel aus und schnappe mir Dieter. Dann laufe ich mit ihm schnell die Treppe runter. Als ich an der Küche vorbeirenne, höre ich Mama rufen. »Bist du schon wach, Zora? Papa und Nora schlafen noch, aber ich habe schon Brötchen geholt. Willst du eins?« »Logo«, antwortet Dieter. »Nein, danke«, antworte ich. »Ich muss los.« »Es ist sehr unfreundlich, so ein Angebot abzulehnen, Frolleinchen«, brummt Dieter auf meinem Arm. Ich tue so, als hätte ich das gar nicht gehört, und schaue kurz in die Küche. Mama sitzt an einem üppig gedeckten Frühstückstisch und liest die Wochenendzeitung. »Wo willst du denn hin?«, will Mama wissen. »Kati hat doch heute Geburtstag«, erkläre ich. »Da will ich ihr gratulieren.« »Dann grüß sie schön von mir«, sagt Mama. Zu Dieter sagt sie nichts. Sie kann ihn ja nicht sehen, weil sie selbst keinen Begleiter hat. Deswegen weiß sie auch nichts von meinem Stinktier, dem Zebra meiner Schwester oder Papas Eisbär. Papa hat sich nie getraut, ihr etwas davon zu erzählen. Er hatte Angst, dass Mama ihn dann für verrückt halten könnte. Aber irgendwann wird er es machen müssen. Sonst mache ich es, obwohl es ja eigentlich seine Sache ist. Er kennt Mama schließlich schon viel länger als ich. »Mach ich«, rufe ich und schnappe mir Katis...