Buch, Deutsch, 192 Seiten, PB, Format (B × H): 138 mm x 210 mm
Reihe: Im Gespräch
Das Original der Unterstützten Beschäftigung
Buch, Deutsch, 192 Seiten, PB, Format (B × H): 138 mm x 210 mm
Reihe: Im Gespräch
ISBN: 978-3-9812235-3-8
Verlag: 53°nord Agentur und Verlag
Fazit: Sehr zur Nachahmung empfohlen!
Mit einem Interview mit Bundesarbeitsminister Olaf Scholz
und einer Mustervereinbarung über die Durchführung eines Betriebspraktikums
im Rahmen der betrieblichen Berufsbildung
Zielgruppe
Menschen mit Behinderungen, Verantwortliche in kleinen und großen Betrieben, Verantwortliche in der beruflichen Bildung, Werkstätten und Integrationsbetriebe für Menschen mit Behinderungen
Weitere Infos & Material
Vorwort: Sozialsenator Dietrich Wersing 7
Einleitung 9
Zur Person: Meike Timm 13
Die Geschichte der Hamburger Arbeitsassistenz 20
Im Gespräch: Mitbegründerin Ingrid Körner 25
Handlungskonzept und Arbeitsprinzipien 30
Zur Person: Priyange Gunasekera 33
Verdienst, Arbeitszeiten, Personenkreis 40
Organisationsstruktur 43
Zur Person: Anna-Lotta Jahn 47
Geschäftsfelder 53
Finanzierung 55
Im Gespräch: Dr. Hans-Günther Ritz 59
Zugangswege 67
Koordinatorensystem 69
Zur Person: Kurt Deli und Meik Schwarz 71
Berufliche Orientierung in den Schulen 77
Im Gespräch: Dietmar Kuhlmann 80
Praktikums- und Arbeitsplatzakquisition 84
Im Gespräch: Alice Beyer 88
Arbeitsbegleitung 92
Im Gespräch: Hede und Günter Miehlich 98
Betriebliche Berufsbildung 104
Im Gespräch: Frank Rogal 108
Dokumentation und Berichtswesen 112
Bildungsangebote: KuKuK und talente 114
Zur Person: Manuel Eisentraut 118
Übergang in die Festanstellung, Begleitung nach Abschluss des Arbeitsvertrags 124
Die Rolle der Betriebskollegen 126
Auswirkungen der integrativen Beschäftigung auf die Teilnehmer 130
Im Gespräch: Inge und Wilfried Krabbenhöft 133
Abbrecher und ihr Verbleib 137
Betriebe 139
Im Gespräch: Katharina Benson und Berthold Grund 142
Werkstätten für behinderte Menschen 146
Im Gespräch: Kerstin Klaffs und Christine Meyer 150
Innovation 154
Im Gespräch: Jörg Bungart 157
Weiterbildungsangebote 162
Im Gespräch: Geschäftführer Achim Ciolek und Rolf Behncke 164
Resümee 172
Im Gespräch: Bundesarbeitsminister Olaf Scholz 177
Anhang
Vereinbarung über die Durchführung eines Betriebspraktikums im Rahmen der betrieblichen Berufsbildung 186
Der Autor: Dieter Basener 189
Grußwort
Die Hamburger Arbeitsassistenz ist seit vielen Jahren Vorreiter bei der erfolgreichen Umsetzung Unterstützter Beschäftigung in Deutschland. Bis heute hat sie mehr als 700 behinderten Menschen geholfen, eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aufzunehmen. Die besondere Qualität der Leistung wird dadurch deutlich, dass sich die Unterstützten Arbeitsverhältnisse langjährig als stabil erwiesen haben. Die Arbeitsassistenz hat damit gezeigt, dass die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt auch Menschen gelingen kann, denen das von vielen Fachleuten nicht zugetraut wurde. Auf diese Weise macht sie anderen Mut, ist Vorbild und trägt erfolgreich dazu bei, Menschen mit Behinderungen die uneingeschränkte Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Als Modellprojekt 1992 gestartet, gehört die Hamburger Arbeitsassistenz heute zur regulären Angebotspalette der beruflichen Rehabilitation in Hamburg.
Entstanden ist die Hamburger Arbeitsassistenz aus der besorgten Frage von Eltern behinderter Kinder in Integrationsklassen: Was wird nach der Schule? Lange Zeit konnten die traditionellen deutschen Hilfestrukturen hier überwiegend nur die Werkstätten für behinderte Menschen anbieten. Mit der Gründung der Hamburger Arbeitsassistenz auf Initiative des Vereins „Eltern für Integration e.V.“ haben die darin engagierten Mütter und Väter maßgeblich dazu beigetragen, dass die beruflichen Teilhabechancen behinderter Menschen erweitert wurden. Ihnen und allen Mitwirkenden der Hamburger Arbeitsassistenz möchte ich dafür meinen Dank und meine Wertschätzung aussprechen, und ich hoffe, dass die weit über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus beachtete Arbeit der Arbeitsassistenz weiterhin erfolgreich fortgeführt wird.
Mir ist bekannt, dass von der Hamburger Arbeitsassistenz und dem Verein „Eltern für Integration e.V.“ weitergehende Ziele in Richtung selbstbestimmter Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben verfolgt werden. Nach dem Teilerfolg der gesetzlichen Regelung der Unterstützten Beschäftigung ist es sicherlich ein guter Zeitpunkt, mit diesem Buch eine öffentliche Zwischenbilanz der bisherigen Arbeit zu ziehen. Aufgabe der näheren Zukunft muss nun die Fortentwicklung des Sozialrechts sein, um die Teilhabemöglichkeiten behinderter Menschen weiter zu verbessern. Ich würde es begrüßen, wenn sich die Hamburger Arbeitsassistenz an der fachlichen Diskussion hierzu weiterhin aktiv einbringt.
Dietrich Wersich
Senator für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz
Einleitung
Über 700 Vermittlungen von Menschen mit geistiger Behinderung kann sich die Hamburger Arbeitsassistenz auf ihre Fahnen schreiben. 700 Menschen mit einer Werkstattberechtigung haben einen Arbeitsvertrag erhalten und verdienen einen tariflichen oder ortsüblichen Lohn. Auch wenn ca. 100 von ihnen nicht mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sind: Es ist die Größenordnung einer kompletten Werkstatt für behinderte Menschen. Allerdings kommen die Beschäftigten nach maximal zwei Jahren ohne Begleitung aus und nach spätestens drei Jahren erhalten sie keine Lohnkostenzuschüsse mehr. Statt Eingliederungshilfe zu beziehen, zahlen sie Steuern und Sozialabgaben. Ein Erfolg auf ganzer Linie: Für den Fachdienst, für die Vermittelten, für die Betriebe, für die Sozialbudgets und letztlich für unsere ganze Gesellschaft. Dieses Buch geht der Frage nach, was das Erfolgsgeheimnis der Hamburger Arbeitsassistenz ist. Wer wird vermittelt? Mit welchem Konzept? Mit welchen Methoden?
Die Hamburger Arbeitsassistenz gründete ihre Arbeit auf dem aus den USA importierten Ansatz der unter dem Begriff „Supported Employment“ etabliert ist. In dieser Idee steckte eine gedankliche Revolution: Sie verlegte die Qualifizierung aus der Zeit vor der Vermittlung in die Zeit danach. "Place and Train" hieß die Zauberformel für die berufliche (Re-)habilitation: erst vermitteln, dann qualifizieren. Diese Reihenfolge erwies sich auch in Deutschland als die richtige. Allerdings passte die amerikanische Methodik des Ansatzes nicht ganz zu unseren europäischen Vorstellungen von Wissensvermittlung und noch weniger zu unserer Zielsetzung von Autonomie und Selbstbestimmung. Deshalb hat die Hamburger Arbeitsassistenz in fast 20 Jahren eigene Lösungen entwickelt: Dafür, wie die Qualifizierung abläuft, wie die Beschäftigten ihren Platz im Betrieb finden, wie man die Aufgaben auf sie zuschneiden kann und wie man das soziale Netzwerk so festigt, dass die Beschäftigung von Dauer ist.
Europaweit hat die erfolgreiche Arbeit dem Dienst sehr viel Anerkennung eingebracht. Umso erstaunlicher ist es, dass sich in der Bundesrepublik bislang kaum Nachahmer für dieses Konzept gefunden haben. Von einem vergleichbaren Projekt in Erlangen und einer Hand voll hoffnungsvoller kleinerer Initiativen einmal abgesehen, ist die Hamburger Arbeitsassistenz bisher in der bundesdeutschen Landschaft ein Unikat geblieben. Wirkung erzielte sie dennoch: Der Gesetzgeber hat eine Maßnahme aus der Taufe gehoben, die er - nicht ganz zutreffend - ebenfalls „Unterstützte Beschäftigung“ (§ 38a SGB IX) nannte. Der Hamburger Ansatz stand dabei Pate. Damit bietet die bisher sehr werkstattzentrierte Gesetzgebung erstmals eine Alternative zur Werkstatt. Sie folgt damit der Logik unseres modernen Behindertenrechts und ermöglicht mehr Selbstbestimmung und Wahlfreiheit.
In der Bevölkerung wächst derweil die Akzeptanz für eine Integration von Menschen mit Behinderungen. Der Ansatz der Inklusion will noch weitergehen: Die Gesellschaft soll auf jede Form von Aussonderung verzichten und die notwendigen Hilfen im Alltag zur Verfügung stellen. Die UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen möchte diese Idee weltweit verpflichtend machen.
Deutschland hat viele Jahre lang eher den gegenteiligen Weg perfektioniert, den der "förderlichen Sondereinrichtungen". Die Zeit ist reif für einen Systemwechsel, auch in der beruflichen Teilhabe, und die Hamburger Arbeitsassistenz stellt dafür das Handwerkszeug zur Verfügung.