Bachmaier / Bachmeier Lachen macht stark
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8353-2018-5
Verlag: Wallstein Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection
Humorstrategien
E-Book, Deutsch, 156 Seiten
ISBN: 978-3-8353-2018-5
Verlag: Wallstein Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Herausgeber Helmut Bachmaier ist wissenschaftlicher Direktor der TERTIANUM-Stiftung (Schweiz) und Mitglied des Stiftungsrates. Professor an der Universität Konstanz. Zahlreiche Publikationen zur Literatur- und Geistesgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts (Hölderlin, Goethe, Grillparzer), zu Bildungsfragen ('Die Idee der Universität') und zum Thema Alter.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Umschlag;1
2;Titel;4
3;Inhalt;6
4;René Ku?nzli: Einleitung;8
5;Helmut Bachmaier: Warum lachen die Menschen? Über Komik und Humor;10
6;Brigitte Stemmer: Wie stark machen Lachen und Humor? Eine wissenschaftliche Perspektive;25
7;Ernst Peter Fischer: Vom Zeigen der Zähne und dem Lächeln der Lippen. Die Evolution auf dem Weg zum Lachen;40
8;Brigitte Boothe: Prächtige Selbstdarstellung und humoristischer Scharfblick. Klugheit in der Krise;47
9;Rolf Dieter Hirsch: Gesundheitsfaktor Humor am Arbeitsplatz;58
10;Jenny Karpawitz und Udo Berenbrinker: Humor-Kompetenz. Clowneske Strategien in der Mitarbeiterfu?hrung;84
11;Iren Bischofberger: Humor trotz(t) allem! Copingstrategie fu?r Mitarbeitende mit chronischer Krankheit und Behinderung;97
12;Thomas Rothschild: Die Wu?rde der Metzger. Lachen als Politikum;105
13;Martin Vincenz: Lustige Berge. Das Arosa Humor-Festival und seine »Heilwirkung«;117
14;Peter Hässig: Die Komik Emil Steinbergers;121
15;Eckart v. Hirschhausen: Die Kunst der Pointe. Wie man Witze repariert;141
16;Über die Autoren;154
17;Impressum;157
(S. 120-121)
von Peter Hässig
Emil Steinbergers Definition seines künstlerischen Ziels geht deutlich hervor aus einem Interview mit dem Satire-Magazin »Nebelspalter « aus dem Jahre 1978. Es heißt da, es stehe leider nicht in seiner Macht, die Leute glücklicher zu machen, er könne lediglich »versuchen, die Menschen anzuspornen, ihr Leben mehr zu leben, ich kann mich bemühen, sie zu aktivieren, zu befreien und zur Spontaneität zu führen«.
Die Art und Weise der praktischen Umsetzung dieser humoristischen Wirkungsabsichten soll hier aufgezeigt werden. Die nachfolgende Analyse umfasst sämtliche in Bild und Ton überlieferten Einmann-Bühnenprogramme Emils sowie Steinbergers aktuelle »Kabarettistische Lesung«. Zitate aus Emil Steinbergers Programmen sind kursiv gedruckt und folgen dem Wortlaut der DVDs und CDs von Steinbergers Verlag »Edition E«. Nummern- Zitate im Schweizer Dialekt werden in Fußnoten ins Deutsche übersetzt. Dieser Beitrag wurde von Emil Steinberger persönlich gegengelesen und mit Ergänzungen versehen.
Im Jahre 1999 kehrte Emil Steinberger mit seiner »Kabarettistischen Lesung« nach 12jähriger Bühnen-Abstinenz ins Rampenlicht zurück. Aus den USA wieder in der Heimat, wollte er einfach als Emil Steinberger für die Promotion seiner Bücher »Wahre Lügengeschichten « und »Emil via New York« Lesungen veranstalten und Geschichten aus seinem Leben erzählen.
»Ob das Publikum mit dem STEINBERGER allein zufrieden sein wird oder man ganz automatisch auf den EMIL wartet und dann enttäuscht sein wird?«, fragte er sich. Aber das Publikum akzeptierte seine Darbietungen voll und ganz. »Ich merke auch bei meinen Lesungen«, gibt Steinberger jedoch zu verstehen, »dass ich nicht um diese gewisse EMILSCHE Art herumkomme, obwohl ich jetzt ja nur noch als STEINBERGER auftrete. Aber in der Figur EMIL stecken kleine Bestandteile von mir, von meinem Charakter, von meiner Lebensart.«
Was ist laut Steinberger die »EMILSCHE Art«? Die berühmte Emil-Figur ist ein Mensch aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, bieder, wenig weltgewandt. Der Kabarettist Steinberger hält dem Publikum den Spiegel vor und geht »mit den gängigen Vorurteilen des Spießers hausieren«.2 Emil ist ein Mensch, wie er uns täglich begegnen kann. Besonders Emil »im Zug« zeichnet sich aus durch seine autoritäre Selbstgerechtigkeit und besserwisserische Belehrungssucht, seine mangelnde Sensibilität und vorurteilsträchtige Ignoranz gegenüber den mitreisenden Ausländern. Die »kathartische Wirkung« von Emils Humor hängt damit zusammen, dass »er sich in seinen Figuren als Sündenbock offeriert für jene Schwächen, die wir alle haben: da gesteht einer offen die kleine Lächerlichkeit ein, die einzugestehen seine Zuschauer sich schämen«.3 »Ein begnadeter Denunziant unserer Verklemmtheiten ist er.«
Die »Frau im Ausverkauf«, so ein Exempel, trägt bei »zur Erhellung unserer gesellschaftlichen Situation«, verweist auf »unsere verfluchten Eifersüchteleien und Neidereien«,5 meint sie doch beim Anprobieren einer Jacke zu einer anderen Kundin: »Möchten Sie sie gerne, hä? Wahrscheinlich!




