Angster / Stollberg-Rilinger / Reinhardt | Die Bundesrepublik Deutschland 1963-1982 | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 151 Seiten

Reihe: Geschichte kompakt

Angster / Stollberg-Rilinger / Reinhardt Die Bundesrepublik Deutschland 1963-1982

Reform und Krise
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-534-70587-0
Verlag: wbg Academic in Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Reform und Krise

E-Book, Deutsch, 151 Seiten

Reihe: Geschichte kompakt

ISBN: 978-3-534-70587-0
Verlag: wbg Academic in Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als Konrad Adenauer 1963 von der Macht abtrat, war die junge Republik zu einem gefestigten Staat geworden, der im Westen angekommen war. Unter den Kanzlern Erhard, Kiesinger, Brandt und Schmidt wurde sie zu einem glaubwürdigen Akteur in der internationalen Politik. Welche Reformen zwischen Adenauer und Kohl angegangen wurden, welche Krisen und Anfeindungen die Bundesrepublik meistern musste, das schildert Julia Angster anschaulich und immer mit dem Blick auf die großen Zusammenhänge. Hin- und hergerissen zwischen Kaltem Krieg und Entspannungs- und Ostpolitik, zwischen Wirtschaftswunder und Wirtschaftskrise, zwischen Liberalisierung und Studentenunruhen fand die Republik zu ihrem modernen Gesicht. Mit dem Ende der Regierung Schmidt und der angekündigten ?geistig-moralischen Wende? wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Alle Aspekte, neben der Innen- und Außenpolitik vor allem auch der soziale und kulturelle Wandel, werden in dieser klaren Einführung in einen inneren Zusammenhang gebracht.

Julia Angster, geb. 1968, studierte Neuere und Neuste Geschichte sowie Politikwissenschaft in Tübingen und Oxford. Nach Lehrstuhlvertretungen in Marburg, Berlin und Mannheim war sie von 2010-2012 Professorin für Geschichte Großbritanniens und Nordamerika an der Universität Kassel. Seit 2012 ist sie Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Mannheim.

Angster / Stollberg-Rilinger / Reinhardt Die Bundesrepublik Deutschland 1963-1982 jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Einführung
Dieser Band bietet einen Überblick über die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von den sechziger bis zu den frühen achtziger Jahren. Die zwei Jahrzehnte waren geprägt von umfassenden politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozessen, die sich gegenseitig beeinflussten und verstärkten, so sehr, dass man von einer „Umgründung der Republik“ (Manfred Görtemaker) sprechen kann. Dieser Wandel soll hier in seiner ganzen Vielschichtigkeit behandelt werden. Daher wird die Darstellung nicht unterteilt in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft samt Kultur, sondern der Versuch gemacht, die Verflechtungen und fließenden Übergänge zwischen diesen Bereichen auch im Erzählen abzubilden. Wenn in „Kinderläden“ durch „antiautoritäre Erziehung“ die Gesellschaft verbessert werden sollte, wurde das Private politisch; wenn Helmut Schmidt im Zuge des NATO-Doppelbeschlusses Sicherheit durch Nachrüstung zu erreichen sucht, 300.000 Westdeutsche aber die Bedrohung gerade in diesen Raketen sehen, dann spielen kulturelle Fragen in die Politik hinein, die zu einem Regierungswechsel führen können. Durch dieses Dickicht will dieser Band führen und dabei zugleich die wichtigsten Wegmarken in der westdeutschen Geschichte der sechziger und siebziger Jahre behandeln. Es ist, um das vorweg zu sagen, eine westdeutsche Geschichte, aus westdeutscher Perspektive erzählt, über eine Zeit, in der aus, sagen wir, Mannheimer Sicht Erfurt und Dresden lebensweltlich gesehen weiter weg und weniger vertraut waren als Boston oder San Francisco. Nicht zuletzt deswegen mühte sich die Bundesregierung um eine Normalisierung der deutsch-deutschen Beziehungen, pragmatisch und konkret, durch Reisemöglichkeiten und überhaupt durch die Möglichkeit von Kontakten und Beziehungen, die schon fast abgestorben waren – ein in der westdeutschen Gesellschaft wie Politik hochgradig umstrittenes Unterfangen. Näher lagen damals die westlichen und transatlantischen Nachbarn, deren politischer, wirtschaftlicher und kultureller Einfluss seit den fünfziger Jahren spürbar war. Überhaupt spielt sich die westdeutsche Geschichte natürlich vor dem Hintergrund der internationalen Entwicklung ab: Die amerikanische Sicherheitsgarantie und der atomare „Schutzschirm“ ermöglichten erst die Konzentration auf innere Reformen; die Entspannung im Kalten Krieg und ihr Ende, das Wechselspiel von Abrüstung und Nachrüstung, die europäische Integration und Erweiterung, die wachsende Akzeptanz und Bedeutung Bonns auf dem internationalen Parkett, nicht zuletzt durch die Aufnahme in die UNO 1973, aber auch die internationale wirtschaftliche Verflechtung und die ideellen Einflüsse aus anderen Ländern – all dies bildet den Rahmen, in dem die westdeutsche – und gesamtdeutsche – Geschichte der sechziger und siebziger Jahre überhaupt erst verständlich wird. Die prägenden Schlagworte jener Jahre waren ‚Reform’ und ‚Krise’. Reform – als gewünschte, geplante, durch bewusstes Handeln herbeigeführte Veränderung der Verhältnisse – und Krise – als ereignishafter, von ‚außen’ kommender Umschwung, auf den man reagieren musste, eine tatsächliche oder befürchtete Bedrohung des Bestehenden, die das Handeln erzwang, um die Verschlechterung der Lage abzuwenden – diese beiden Formen des Wandels dominierten nacheinander die Wahrnehmung der Westdeutschen. Die Phase von den frühen sechziger bis in die frühen siebziger Jahre war von einer enormen Reformhoffnung geprägt, sowohl von einer gesellschaftlichen Aufbruchstimmung als auch von einer politisch-legislativen Reformwelle seit Beginn der Großen Koalition von 1966 bis 1969. Anfang der siebziger Jahre setzte jedoch erneut – oder auch in logischer Fortentwicklung – ein Wandel ein, der diesmal als krisenhaft und als Verlust von Planungs- und Zukunftssicherheit erlebt wurde. Die beiden Ölpreiskrisen der Jahre 1973 und 1979 läuteten im gesamten Westen das endgültige Ende des Nachkriegs-Booms ein: Die Phase stetigen und auch für die Zukunft sicher geglaubten Wirtschaftswachstums war vorüber. Nicht nur in der Bundesrepublik kam es zum Niedergang industriegesellschaftlicher Strukturen; die neue Welt der „postindustriellen Gesellschaft“ (Daniel Bell), der Dienstleitungsgesellschaft und der Computerindustrie erschien allmählich am Horizont. Eine wichtige ideelle Form des Wandels in den siebziger Jahren ging der Wirtschaftskrise sogar voraus: Es kam zu einer tiefen Modernisierungsskepsis, einer wachsenden Angst vor den Folgen der Moderne, insbesondere des Ressourcenverbrauchs wie der Umweltzerstörung, die das Wirtschaftswachstum mit sich bringt und vor denen der Club of Rome in seiner Studie „Grenzen des Wachstums“ schon 1972 warnte. Die Reformeuphorie und der Machbarkeitsglauben, auch der Regierungen, verloren sich. An ihre Stelle trat ein weitverbreitetes Krisenempfinden, der Eindruck, in einer „Risikogesellschaft“ zu leben (Ulrich Beck), das die achtziger Jahre über anhalten sollte und erst mit dem Ende des Kalten Krieges überlagert wurde von Aufbruchstimmung, aber auch von einer großen Verunsicherung und der Suche nach neuen ideellen und weltpolitischen Parametern, die Sicherheit bieten sollten. Eckart Conzes These, die „Suche nach Sicherheit“ sei ein zentrales Leitmotiv der bundesrepublikanischen Geschichte gewesen, trifft es genau. Die siebziger Jahre waren jedoch keineswegs nur von Erscheinungen des Niedergangs geprägt, auch wenn sie den Zeitgenossen zum Teil so erschienen sein mögen: Es war ein tief greifender Strukturwandel, begleitet von einem Prozess des Umdenkens, in wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und kulturellen Fragen, der die unmittelbare Vorgeschichte unserer Gegenwart darstellt. Die Begriffe und Konzepte, die damals neu entstanden sind, prägen bis heute die Sicht auf unsere Gesellschaft. Um besser verständlich zu machen, wie der Band strukturiert und die Erzählperspektive zustande gekommen ist, wird im Folgenden kurz ein Blick auf den Hintergrund der Forschungsdebatten in der Zeitgeschichtsschreibung geworfen. Dies ist sowohl den Zeithistorikern geschuldet, deren Arbeit hinter dieser Zusammenfassung steht, als auch den Lesern, zu deren Orientierung in diesem Themenfeld der Überblick dienen soll. Die Erzählperspektive wird durch zwei Leitfragen strukturiert: erstens die Frage nach den inneren und äußeren Faktoren, die die Entwicklung der westdeutschen Gesellschaft beeinflusst haben, und zweitens jene nach dem Zäsurcharakter der Jahre um 1970. Die Frage nach der Bedeutung internationaler und transnationaler, also aus anderen Ländern und Gesellschaften kommender Einflüsse auf die westdeutsche Geschichte bezieht sich auf den äußeren Kontext, in dem die Geschichte der Bundesrepublik steht, und damit auf die räumliche Perspektive. Denn wenn beispielsweise vom Strukturwandel in den westlichen Industriegesellschaften die Rede ist, wird rasch klar, dass die Entwicklungen in der Bundesrepublik der sechziger und siebziger Jahre nicht ohne den Blick über die Grenzen hinaus verständlich wird. Sind es jeweils lokale Ausformungen gesamtwestlicher oder westeuropäischer Entwicklungen, oder sind es inner-westdeutsche Phänomene? Die studentische Protestbewegung, der wirtschaftliche Strukturwandel oder die wachsende Modernisierungsskepsis sind zweifellos Vorgänge, die nur in einem größeren, transnationalen Kontext zu verstehen sind. Anderes aber ist nur aus dem innerdeutschen Kontext zu erklären, wie der sich wandelnde Umgang mit der NS-Vergangenheit, die Neue Ostpolitik und ihre Gegner, oder die spezifischen Anliegen der hiesigen „68er“. Aber gerade um diese westdeutschen Besonderheiten in den Blick zu bekommen, lohnt es sich, auch die transnationale Perspektive zu wählen. Zum Zweiten stellt sich die Frage nach der zeitlichen Einordnung der Jahre um 1970 in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und auch in die Geschichte des 20. Jahrhunderts insgesamt. Neuere zeithistorische Arbeiten zur Bundesrepublik haben wiederholt die Frage nach dem Zäsurcharakter der siebziger Jahre aufgeworfen und nach der Reichweite dieser Zäsur: Endet hier die westdeutsche Nachkriegszeit, die Phase des „Booms“, des „Goldenen Zeitalters“, das um 1948 begonnen und unerhörten Wohlstand und ungetrübte Zukunftsperspektiven mit sich gebracht hatte? War also der wirtschaftliche Einschnitt um 1973/74 eine „Renormalisierung“, die auch soziokulturell nur die Anomalie der Boomjahre zurückschnitt? Immerhin blieb das politische System unverändert, und der „Machtwechsel“ zwischen den politischen Lagern bewies ja gerade dessen verlässliches Funktionieren. Oder sollte man die Bedeutung dieser Zäsur weiter fassen und in den siebziger Jahren einen „Strukturbruch“ sehen, der das Ende der Hochmoderne, der Industriemoderne einläutete, wie es die These von Anselm Doering-Manteuffel und Lutz Raphael ist? Diese Epoche habe, so argumentieren zum Beispiel Ulrich Herbert oder Charles S. Maier, vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, von etwa 1870 oder 1890 bis in die 1970er angedauert und sei unter anderem gekennzeichnet gewesen durch die Entfaltung der Industriegesellschaft, die Ausbildung des modernen bürokratischen Staates, ein wissenschaftlich-rationales...


Angster, Julia
Julia Angster, geb. 1968, studierte Neuere und Neuste Geschichte sowie Politikwissenschaft in Tübingen und Oxford. Nach Lehrstuhlvertretungen in Marburg, Berlin und Mannheim war sie von 2010-2012 Professorin für Geschichte Großbritanniens und Nordamerika an der Universität Kassel. Seit 2012 ist sie Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte
an der Universität Mannheim.

Julia Angster, geb. 1968, studierte Neuere und Neuste Geschichte sowie Politikwissenschaft in Tübingen und Oxford. Nach Lehrstuhlvertretungen in Marburg, Berlin und Mannheim ist sie seit 2010 Professorin für Geschichte Großbritanniens und Nordamerika an der Universität Kassel.Volker Reinhardt, geb. 1954, lehrt allgemeine und Schweizer Geschichte an der Universität Fribourg/Schweiz. Er ist einer der renommiertesten Kenner der neuzeitlichen Geschichte Italiens und Roms. Bei der WBG erschienen von ihm u.a. "Kardinäle - Künstler - Kurtisanen. Wahre Geschichten aus dem barocken Rom" (2004), "Blutiger Karneval. Der Sacco di Roma 1527" (2. Aufl. 2009) und "Rom. Geschichte der ewigen Stadt" (zus. mit Michael Sommer, 2008).



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.